NewsMedizinWie das Gehirn Kunstwerke verarbeitet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie das Gehirn Kunstwerke verarbeitet

Dienstag, 8. Januar 2019

Betrachter vor dem Bild „Sternennacht“ von Vincent van Gogh /dpa

Frankfurt am Main – Die Rolle verschiedener Hirnareale bei der Betrachtung eines Kunstwerkes haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt untersucht. Ihre mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) ermittelten Ergebnisse stellen sie in der Fachzeitschrift Neuroimage vor (2018; doi: 10.1016/j.neuroimage.2018.12.017). 

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war die Erkenntnis, dass sich ästhetische Erfahrungen über eine gewisse Zeitspanne hinweg entfalten, auch wenn das Kunstwerk dabei unverändert bleibt. „Stellen wir uns vor, wir betrachten van Goghs ‚Sternennacht‘ zum ersten Mal. Vielleicht fällt uns zuerst das Vorherrschen der Farbe Blau auf. Dann schauen wir genauer hin und entdecken die Sterne und die Farbringe um sie herum. Schließlich nehmen wir das kleine Dorf und seine Details wahr. Dabei wirkt das Blau des Himmels immer noch nach“, erläutern die Forscher. Während Menschen das Gemälde erkundeten, verändere sich also ihre Wahrnehmung.

Anzeige

Um den neurowissenschaftlichen Grundlagen dieses Phänomens auf die Spur zu kommen, hat das Forscherteam mithilfe der fMRT, einer bildgebenden Technik zur Beurteilung der Hirnaktivität, untersucht, wie das Gehirn reagierte, während Studienteilnehmer Abbildungen von Kunstwerken bis zu 15 Sekunden lang auf Bildschirmen betrachteten. Im Fokus der Forschung stand ein System von Hirnarealen, das als „Default Mode Network" (DMN) bezeichnet wird. Das DMN versetzt Menschen in die Lage, unabhängig von äußeren Reizen zu denken, zum Beispiel in Form von Tagträumen oder Zukunftsplänen.

Normalerweise sinkt die Aktivität des DMN, wenn wir ein Bild betrachten, und sensorische Gehirnregionen werden stattdessen aktiver. „Finden wir ein Kunstwerk aber ästhetisch ansprechend, werden Teile des DMN wieder aktiv, obwohl der Fokus auf der Außenwelt – dem Kunstwerk – liegt“, berichtet Edward Vessel, wissen­schaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. 

Betrachteten Studienteilnehmer dagegen Kunstwerke, die sie nicht attraktiv fanden, so wurde die DMN nicht wirksam. Im Gegensatz dazu blieb die DMN bei attraktiven Kunstwerken so lange aktiv, bis das Bild verschwand. „Wir konnten beobachten, dass dieser Hirnzustand relativ selten eintrat und wahrscheinlich ein Merkmal für bewegende ästhetische Erfahrungen ist“, erläutert Vessels Co-Autorin Amy Belfi von der Missouri University of Science and Technology. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. März 2019
Berlin – Bei älteren Menschen gelingt die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten während des Schlafes nicht mehr so gut wie bei jüngeren. Gründe dafür erläutern Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts
Feinabstimmung neuronaler Rhythmen im Schlaf mit steigendem Alter verändert
11. März 2019
Edinburgh – Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auch mit Veränderungen im Gehirn verbunden. Das zeigt eine britische Studie mit Daten von
Herz-Kreislauf-Risikofaktoren beeinflussen auch das Gehirn
5. März 2019
Zürich – Das Takotsubo-Syndrom, ein durch starke emotionale Ereignisse ausgelöstes herzinfarktähnliches Krankheitsbild ohne Beteiligung der Koronarien, ist Folge einer Störung des autonomen
Takotsubo-Syndrom: Das Herz wird vielleicht im Gehirn „gebrochen“
5. März 2019
Berlin – Bewegungsbezogene Hirnaktivitäten lassen sich auch in Situationen zuverlässig messen, in denen starke Emotionen eine Rolle spielen, zum Beispiel vor einem Bungeesprung. Das berichten
Die Hirnströme vor dem Bungeesprung
1. März 2019
Jülich – Eine gesunde beziehungsweise eine ungesunde Lebensführung spiegeln sich auch im Gehirn wider. Das berichten Nora Bittner und Svenja Caspers vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und
Lebensstilfaktoren hinterlassen Spuren im Gehirn
24. Januar 2019
Bochum – Neuronale Alphaoszillationen gehören zu den Filtersystemen des Gehirns, die dazu beitragen, Informationen effizient zu bewältigen. Diese Oszillatoren lassen sich offenbar gezielt
Neurofeedbacktraining könnte beim Lernen helfen
3. Januar 2019
Bonn – Bei der embryonalen Entwicklung des Gehirns wandern zahllose Zellen von ihrem Entstehungsort zu der Stelle, an der sie später gebraucht werden. Wie das genau funktioniert, ist erst in Ansätzen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER