NewsMedizinDarmbakterien können (im Prinzip) vor Arsenvergiftung schützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Darmbakterien können (im Prinzip) vor Arsenvergiftung schützen

Dienstag, 8. Januar 2019

/Tatiana Shepeleva, stockadobecom

Bozeman/Montana – Der menschliche Körper ist Arsen, das in vielen Regionen der Erde im Grundwasser enthalten ist, nicht schutzlos ausgeliefert. Neben einem Enzym, das das Halbmetall in der Leber entgiftet, können auch Darmbakterien Arsen aufnehmen, wie eine Studie in Nature Communications (2018; 9: 5424) zeigt.

Arsen ist in vielen Erzen enthalten, aus denen es ins Grundwasser gelangt. Die Menschen und ihre Vorfahren waren dem farb- und geschmacklosen Gift in der Vergangenheit so stark ausgesetzt, dass sich in der Evolution Abwehrmechanismen entwickelt haben. Das Enzym Arsentransferase kann das anorganische Arsen in Dimethylarsinsäure einbauen, was eine Ausscheidung über die Nieren ermöglicht. 

Anzeige

Dass dies nicht der einzige Schutzmechanismus ist, zeigen die Experimente eines Forscherteams um Seth Walk von der Montana State University in Bozeman. Mäuse, denen das Gen für die Arsentransferase fehlt, überlebten eine Arsenexposition. Sie starben allerdings, wenn sie zuvor mit dem Antibiotikum Cefoperazon behandelt wurden, das die Darmflora der Tiere beseitigt. Walk vermutete deshalb, dass einige Darmbakterien Arsen im Darm binden, das dann mit den Faeces ausgeschieden wird. 

Diese Bakterien gibt es auch beim Menschen, denn eine Wiederbesiedlung des Darms der Mäuse mit menschlichen Darmbakterien verhinderte den Arsentod. Allerdings wirkte die Stuhltransplantation nicht immer gleich gut. Die Forscher hatten die Faeces von 5 menschlichen Spendern verwendet. Die Mäuse waren danach unterschiedlich lange in der Lage, eine Arsenvergiftung zu überleben. 

Offenbar sind nicht alle Darmbakterien in der Lage, Arsen zu binden oder aktiv zu entgiften. Die Forscher ermittelten in weiteren Experimenten Faecalibacterium prausnitzii als eines der protektiven Darmbakterien.

Das Genom dieses Bakteriums enthält ein Gen für eine Arsentransferase. Weitere Experimente an Mäusen zeigten, dass eine Vorbehandlung mit F. prausnitzii die Tiere schützen kann. F. prausnitzii wird als Probiotikum angeboten. Menschen, die in Regionen leben, in denen das Trinkwasser größere Mengen Arsen enthält, könnten sich deshalb durch die regelmäßige Einnahme des Probiotikums vor einer Vergiftung schützen. Ob die Behandlung effektiv wäre, müsste allerdings noch durch Humanstudien belegt werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Januar 2019
Kiel – Die Therapiebegleitung für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen verbessern wollen Ärzte und Wissenschaftler von der Christian-Albrechts-Universität Kiel um Bernd Bokemeyer. Der
Projekt für bessere Therapiebegleitung von Menschen mit chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen
21. Dezember 2018
Groningen – Patienten mit entzündlichen Darm­er­krank­ungen und dem Reizdarmsyndrom haben unterschiedliche Bakterien im Darm. Laut den in Science Translational Medicine (2018; 10: eaap8914) vorgestellten
Mikrobiom unterscheidet zwischen entzündlichen Darm­er­krank­ungen und Reizdarmsyndrom
17. Dezember 2018
Baltimore – Frühgeborene, die eine nekrotisierende Enterokolitis überleben, leiden häufig unter Entwicklungsstörungen des Gehirns, denen Forscher in Science Translational Medicine (2018; 10: eaan0237)
Nekrotisierende Enterokolitis: Warum das Gehirn mit erkrankt und wie dies verhindert werden könnte
10. Dezember 2018
Chicago – Männer mit chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen haben ein 4- bis 5-fach höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Dies ergab eine Kohortenstudie in European Urology (2018; doi:
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erhöhen Risiko auf Prostatakrebs
6. Dezember 2018
Nashville/Tennessee – US-Senioren, die mit einem der neuen oralen Antikoagulanzien behandelt wurden, erkrankten seltener an oberen gastrointestinalen Blutungen, wenn ihnen gleichzeitig ein
PPI senken Risiko von Magen-Darm-Blutungen durch neue orale Antikoagulanzien
28. November 2018
Magdeburg – Männer in Sachsen-Anhalt gehen immer seltener zur Darmkrebsvorsorge. Nur 5,2 Prozent der über 50-Jährigen nehmen die Untersuchung zur Früherkennung in Anspruch, wie die Barmer heute
Weniger Männer in Sachsen-Anhalt nutzen Darmkrebsvorsorge
23. November 2018
Utrecht – Eine Hypnotherapie hat Patienten mit Reizdarmsyndrom in der bisher größten randomisierten Studie die Bewältigung ihrer täglichen Beschwerden erleichtert, ohne die Symptomstärke zu mildern.
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER