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Medizin

Einige Opioide erhöhen Pneumonierisiko

Mittwoch, 9. Januar 2019

/bilderstoeckchen, stockadobecom

New Haven/Connecticut – Die Einnahme von Opioid-Schmerzmitteln erhöht das Risiko auf eine ambulant erworbene Pneumonie. Am meisten waren in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.6101) Patienten gefährdet, die aufgrund einer HIV-Infektion eine geschwächte Immunabwehr hatten und/oder mit Opioiden behandelt wurden, die eine immunsupprimierende Nebenwirkung haben. 

Opioide unterdrücken den Hustenreiz und vermindern den Atemantrieb. Dies allein kann die Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen erhöhen und im Fall einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) Gesundheit und Leben der Patienten gefährden. Weniger bekannt ist, dass einige Opioide eine immunsupprimierende Wirkung haben. Nachgewiesen ist dies für Codein, Dihydrocodein, Fentanyl und Morphin, während Hydrocodon, Hydromorphon, Oxycodon und Tramadol die Funktion des Immunsystems nicht beeinträchtigen sollen.

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Ein Team um Jennifer Edelman von der Yale Universität in New Haven/Connecticut hat die Auswirkungen der Immunsuppression bei der Opioidbehandlung an den Daten der „Veterans Aging Cohort Study“ analysiert. Diese Studie untersucht den Einfluss von HIV-Infektionen auf das Alter und vergleicht dazu HIV-infizierte Veteranen mit nicht HIV-infizierten Veteranen. Edelman konnte auf die Krankenakten der Teilnehmer zugreifen, in denen Krankheiten und die Einahme von Medikamenten vermerkt waren.

Von den 25.392 Teilnehmern waren 4.246 im Verlauf von 12 Jahren an einer CAP erkrankt. Unter diesen Patienten waren überdurchschnittlich viele, denen Opioide verordnet worden waren. Das Risiko auf eine CAP stieg mit der Dosis der Opioide, und es war bei den bekanntermaßen immunsuppressiven Opioiden höher als bei Opioiden, die nicht immunsuppressiv sind oder bei denen die Auswirkungen nicht bekannt sind. In allen diesen Fällen war das Risiko für die Patienten mit HIV-Infektion etwas höher als für die Patienten ohne HIV-Infektion.

Für Patienten, die mit immunsuppressiven Opioiden in einer niedrigen Dosierung behandelt wurden, ermittelte Edelman eine Odds Ratio (OR) von 1,35 (95-%-Konfidenzintervall 1,07-1,70). Bei den HIV-Infizierten betrug die OR 1,65 (1,23-2,22).

Bei einer Behandlung mit immunsuppressiven Opioiden in einer mittleren Dosierung betrug die OR auf eine CAP 2,07 (1,59-2,71). Bei den HIV-infizierten Patienten stieg die OR auf 2,33 (1,60-3,40).

Bei einer Behandlung mit immunsuppressiven Opioiden in einer hohen Dosierung betrug die OR auf eine CAP 3,18 (2,44-4,14). Bei den HIV-infizierten Patienten stieg die OR auf 3,26 (2,24-4,73).

Bei einer Behandlung mit Opioiden, die das Immunsystem (vermutlich) nicht hemmen, waren die Odds Ratios niedriger. Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung und die Assoziation mit der HIV-Infektion, die auch bei einer medikamentösen Behandlung eine leichte Abwehrschwäche hinterlässt, sprechen für eine Kausalität, die sich in einer Fall-Kontroll-Studie aber nicht sicher belegen lässt.

Edelman rät den Ärzten, das CAP-Risiko bei der Verordnung von Opioiden (die in den USA bekanntlich viel zu leichtfertig erfolgt) zu beachten und die Patienten etwa durch Impfungen vor einer Pneumonie zu schützen. © rme/aerzteblatt.de

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