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Ausland

Polio soll auch in Afghanistan und Pakistan ausgerottet werden

Mittwoch, 9. Januar 2019

/dpa

Islamabad – Der Generaldirektor der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat bei einem viertägigen Besuch in Afghanistan und Pakistan die Ausrottung der Kinderlähmung auch in diesen beiden Ländern gefordert. Es sind die einzigen beiden Regionen, in denen im vergangenen Jahr Fälle von Infektionen mit Wildpolioviren gemeldet wurden.

„Wir alle müssen auf dieser letzten Meile unser Bestes geben, um die Kinderlähmung ein für allemal auszurotten. Mein Wunsch für 2019 ist eine Nullübertragung von Polio. Sie haben die volle Unterstützung der WHO, um jedem Kind zu helfen und dieses Virus für immer zu stoppen“, sagte Tedros. Er traf zusammen mit dem WHO-Regionaldirektor für das östliche Mittelmeer, Ahmed Al-Mandhari, mit Staatschefs und hochrangigen Regierungsvertretern in beiden Ländern zusammen und besuchte WHO-gestützte Gesundheitsprojekte – unter anderem das Emergency Operations Centre for Polio Eradication in Islamabad, Pakistan, wo er die Arbeit der Regierung und der Partner lobte und die entscheidende Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit Afghanistan zur Verhinderung grenzüberschreitender Übertragungen betonte.

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„Polioviren sind kleine, sphärische, unbehüllte RNA-Viren, die dem Genus Entero­virus und der Familie der Picornaviridae zugehörig sind. Basierend auf sero­lo­gi­scher Typisierung werden drei Typen von Polioviren unterschieden (Typ 1,2, 3)“, informiert das Robert-Koch-Institut (RKI).

Im Jahr 1988 initiierte die WHO auf der Basis des breiten Einsatzes der oralen Poliovakzine (OPV) die Globale Polio-Eradikations-Initiative (GPEI), die ur­sprüng­lich die Eradikation der Poliomyelitis bis zum Jahr 2000 zum Ziel hatte. 80 Prozent der Weltbevölkerung lebe heute in poliofreien Gebieten und vier von sechs WHO-Regionen seien als poliofrei zertifiziert worden: WHO-Region Amerika 1994; Westpazifik 2000; Europa 2002; Südostasien 2014.

Die letzte in Deutschland erworbene Erkrankung an Poliomyelitis durch ein Wildvirus wurde laut dem RKI 1990 erfasst. Die letzten beiden importierten Fälle aus Ägypten und Indien wurden 1992 registriert. Endemische Erkrankungen durch Polio-Wildviren betreffen gegenwärtig laut dem RKI nur noch Pakistan und Afghanistan. Jedoch komme es vor allem in Afrika zu importierten Erkrankungen und Ausbrüchen in nicht­endemischen Gebieten mit un­zu­rei­chen­den Impfquoten.  Ausgehend von einem Ausbruch in Tadschikistan kam es zur Weiterverbreitung der Polio-Wildviren nach Russland, Turkmenistan und Kasachstan, erinnert das RKI.

„Die Ausrottung von Polio erfordert eine hohe Immunisierungsrate überall auf der Welt, um die Übertragung dieses extrem ansteckenden Virus zu verhindern. Leider verpassen Kinder immer noch Impfungen aus verschiedenen Gründen, darunter fehlende Infrastruktur, abgelegene Standorte, Bevölkerungsbewegungen, Konflikte und Unsicherheit sowie Widerstand gegen Impfungen“, hieß es aus der WHO.

Sollte es nicht gelingen, die Kinderlähmung aus diesen letzten verbliebenen Hochburgen auszurotten, könnte dies zu einem Wiederaufleben der Krankheit führen, warnt die Organisation. 

© hil/aerzteblatt.de

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