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Ärzteschaft

Stetig mehr medizinische Versorgungszentren

Mittwoch, 9. Januar 2019

/dpa

Magdeburg – Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit mehreren Ärzten unter einem Dach hat sich nach Angaben der Ärztekammer in Sachsen-Anhalt binnen fünf Jahren verdoppelt. Im Land würden inzwischen 76 solcher Zentren betrieben, sagte die Präsidentin der Ärztekammer, Simone Heinemann-Meerz, heute in Magdeburg.

Das sei eine wichtige Möglichkeit für Mediziner, im ambulanten Bereich angestellt zu arbeiten. Für Patienten sind die Wege obendrein kurz. Je nach Träger gebe es aber auch wirtschaftliche Interessen. „Die haben einen anderen Druck“, sagte Heinemann-Meerz über die angestellten Ärzte. Dabei gehe es etwa um lukrative Operationen anstelle anderer Behandlungsmöglichkeiten. Von deutschlandweit rund 2.500 MVZ seien aktuell 420 in der Hand von Investoren; 36 seien sogar von ausländischen Investoren übernommen worden. „Renditeinteressen anonymer Anleger treten in Konkurrenz zum Wohlergehen von Patienten.“

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Patienten sollten sich über den Träger ihres medizinischen Versorgungszentrums informieren und gegebenenfalls etwa Zweitmeinungen einholen, empfahl die Kammer-Präsidentin. In Sachsen-Anhalt würden 46 Zentren von Krankenhäusern und 17 von Vertragsärzten getragen. Bei zehn Versorgungszentren seien Pflegedienste, Heilmittel­erbringer oder andere die Träger.

Kritisch sehen die Ärzte auch die räumliche Verteilung der Medizinischen Versorgungszentren. „Die gründen sich nicht auf dem platten Land, sondern in den Ballungszentren“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Jochen Schmidt. Dort aber sei die medizinische Versorgung ohnehin schon besser – Ärzte würden so eher vom Land abgezogen. „Da haben wir ein echtes Problem.“

Burkhard John, Vorsitzender des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung, wies auf eine Untersuchung hin, wonach die angestellten Ärzte in den Zentren weniger effektiv seien. Ihre Leistungen lägen bei etwa 70 Prozent der von niedergelassenen Medizinern. Oft arbeiteten sie in Teilzeit. Dem Ärztemangel werde so nicht begegnet, denn zwei ausscheidende niedergelassene Ärzte müssten rechnerisch mit drei angestellten ersetzt werden. Die Möglichkeit einer Anstellung sei aber für viele, besonders junge, Mediziner eine wichtige Möglichkeit, Privatleben und Job gut zu vereinbaren. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 10. Januar 2019, 16:33

Ist gerade Pharisäer-Wettbewerb in Sachsen-Anhalt?

Dass sich MVZ an den Orten und mit Fachrichtungen ansiedeln, wo und mit denen sich die Eigentümer Profit versprechen, liegt doch auf der Hand. Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, wird ein MVZ mit dem Ziel gründen, sich in der Pampa bei unzureichenden Honoraren zu betätigen!

Angestellte (MVZ-)Ärzte sind wahrscheinlich genau so effektiv wie Selbstständige. Primär folgen sie dem Prinzip „Arbeit muss angemessen bezahlt werden“. Arbeit ist Leistung pro Zeit und die Angestellten halten die Zeiten ein, lassen sich also nicht ausbeuten – wie das von Politikern und Kassen gerne gesehen würde. Wer das Honorar „festhält“ (also eine Gesamtvergütung mit befreiender Wirkung zahlt), der muss früher oder später damit rechnen, dass die Gegenseite reagiert. Und die Reaktion der Angestellten ist „Reduzierung der Arbeitszeit“.
Unterm Strich erhalten zumindest die Angestellten auf dem Weg angemessene Honorare.

Erwirtschaften kann man die Personalkosten zudem bei konservativen GOUDAH-Fächern nicht. Aber das klappt sehr gut bei Labormedizin, Radiologie, Gastroenterologie usw. Genau deswegen gibt es MVZ mit diesen Spezialisierungen. Und eben keine MVZ mit konservativen GOUDAH-Spezialisten. Mit der Behandlung von konservativen Patienten dürfen/sollen sich aus Sicht der Kapitalinvestoren die armen Schlucker, sprich die schon seit längerer Zeit selbstständigen Niedergelassenen befassen. Wenn die Verluste einfahren, ist das doch deren Problem. Was sind die auch so blöd, weiter und sogar noch mehr zu arbeiten, wenn sie dafür nicht angemessen bezahlt werden?

Ein MVZ in Investorenhand hat solche Probleme nicht. Warum? Weil die sich die richtigen Fachrichtungen und die geeigneten Standorte aussuchen.
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