NewsPolitikNeue Handlungs­empfehlungen gegen Gewalt in der häuslichen Pflege
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Neue Handlungs­empfehlungen gegen Gewalt in der häuslichen Pflege

Mittwoch, 9. Januar 2019

/highwaystarz, stockadobecom

Berlin – Über 1,7 Millionen pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland ausschließlich durch Angehörige versorgt. Laut einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) berichteten 47 Prozent der pflegenden Angehörigen, in den vergangenen sechs Monaten von psychischer oder körperlicher Gewalt ihres pflegebedürftigen Angehörigen betroffen gewesen zu sein. 40 Prozent gaben an, dass sie selbst schon gewaltsam gegenüber dem Pflegebedürftigen gehandelt haben.

Das ZQP hat daher jetzt neue Handlungsempfehlungen für pflegenden Angehörige gegen aggressives Verhalten und Gewalt herausgegeben. „Besonders anstrengend kann die Pflege von Menschen mit Demenz sein. Denn gerade das Verhalten von Menschen mit fortgeschrittener Demenz ist manchmal sehr herausfordernd. Negative Gefühle, Ärger und Wut bleiben dann manchmal nicht aus. Fehlt die passende Unterstützung, sind Konflikte zwischen pflegenden und pflegebedürftigen Angehörigen absehbar“, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZQP, Ralf Suhr, im Vorwort der Publikation.

Anzeige

Der Ratgeber gibt zunächst Antworten auf grundlegende Fragen, zum Beispiel was genau Gewalt in der Pflege bedeutet, warum sie vorkommt und welche Grundregeln bei der Vorbeugung beachtet werden sollten. Außerdem bietet die Broschüre praktische Empfehlungen, unter anderem wie man das Selbstwertgefühl pflege­bedürftiger Menschen stärken, herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz begegnen und akute Aggressionen entschärfen kann.

„Wir möchten pflegende Angehörige mit praktischen Tipps dabei unterstützen, Risiken für Eskalationen und Gewalt zu erkennen, zu verstehen und mit pflegetypischen Konflikten möglichst gut umgehen zu können“, erklärte Suhr bei der Vorstellung der Broschüre in Berlin.

Angehörige erfahren in dem Heft auch, wie sie mit eigener Wut umgehen, Überlastung erkennen und ihre Gesundheit schützen können. Dazu gehöre auch, sich bewusst Auszeiten von der Pflege zu organisieren.

„Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Pflegebedürftige und Angehörige besser zu unterstützen und vor Gewalt zu schützen. Denn das Thema ist schambesetzt und wird darum leider häufig unter den Teppich gekehrt“, erklärte Suhr. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. Mai 2020
Schwerin − Pflegende Angehörige in Mecklenburg-Vorpommern sollen wegen der besonderen Belastungen in der Coronakrise eine Prämie von 500 Euro erhalten. Dies gelte für Privatpersonen, die
Pflegende Angehörige sollen Prämie von 500 Euro erhalten
12. Mai 2020
Düsseldorf – Die Bundesregierung will das Pflegeunterstützungsgeld, das Arbeitnehmer als Lohnersatzleistung erhalten, wenn in der Familie kurzfristig ein Pflegefall auftritt, zeitlich begrenzt von 10
Bundesregierung plant zusätzliche Hilfen in der Pflege
11. Mai 2020
Berlin – Im vergangenen Jahr wurden 112 Kinder getötet und damit weniger als im Jahr zuvor (136). Der überwiegende Teil der Opfer (93) war jünger als sechs Jahre. Das geht aus der aktuellen
Zahl der Kinderpornografiefälle deutlich gestiegen
6. Mai 2020
Berlin − Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) will Bürger, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, in der Coronakrise stärker entlasten. Gebraucht würden mehr als zehn Tage
Pläne zur Untersützung pflegender Angehöriger
5. Mai 2020
Heidelberg – Die Heidelberger Gewaltambulanz verzeichnet während der Coronakrise deutlich mehr Kindesmisshandlungen als sonst. „Wir gehen von einer vorübergehenden Verdreifachung der Fälle aus“, sagte
Ambulanz: Coronakrise verstärkt Gewalt gegen Kinder
4. Mai 2020
Berlin – Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, warnt davor, die schrittweise Öffnung der Schulen ab heute als
Sexuelle Gewalt: Auf Kinder und Jugendliche während des Exits besonders achten
29. April 2020
Berlin – Die Deutsche Bischofskonferenz und der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, haben sich nach eigenen Angaben gemeinsam über das
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER