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Medizin

Chronische Migräne: Metaanalyse bestätigt (begrenzte) Wirksamkeit von „Botox“-Injektionen

Mittwoch, 9. Januar 2019

/Myimagine, stockadobecom

Toulouse – Obwohl Botulinumtoxin Typ A („Botox“) seit einigen Jahren zur Prävention von Migräneattacken zugelassen ist, wird die Behandlung selten eingesetzt. Plastische Chirurgen werben jetzt mit einer Metaanalyse in Plastic and Reconstructive Surgery (2019; 143: 239-250) für die Behandlung. Die Reduktion der Schmerzattacken war jedoch begrenzt und ein Vorteil nur für Patienten mit häufigen Attacken eindeutig nachweisbar.

Die „Botox“-Behandlung ist seit 2011 für Erwachsene mit chronischer Migräne zugelassen, die unzureichend auf eine medikamentöse Prophylaxe angesprochen haben oder diese nicht vertragen. Die Zulassung erfolgte auf der Basis von 2 randomisierten klinischen Studien (PREEMPT 1 und 2). Ein Vorteil der „Botox“-Injektionen konnte allerdings nur in PREEMPT 2 gezeigt werden, weshalb die Behandlung umstritten geblieben ist. 

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Inzwischen sind 15 weitere randomisierte Studien durchgeführt worden, deren Ergebnisse ein Team um Benoit Chaput von der Universitätsklinik Rangueil in Toulouse zusammen mit den beiden PREEMPT-Studien jetzt in einer Metaanalyse zusammengefasst hat.

An den Studien hatten 3.646 Patienten teilgenommen, von denen 1.551 vor der Behandlung unter 15 oder mehr Kopfschmerzepisoden pro Monat gelitten hatten, was auch als chronische Migräne bezeichnet wird. Bei diesen Patienten kam es unter den  „Botox“-Injektionen, die in der Regel alle 12 Wochen wiederholt werden, zu einem leichten Rückgang der Kopfschmerztage um 1,56 Episoden pro Monat. Der Vorteil war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,07 bis 3,05 Episoden weniger pro Monat statistisch signifikant. 

Für Patienten mit weniger als 15 Kopfschmerzepisoden pro Monat, was als episodische Migräne bezeichnet wird, betrug der Rückgang nur 0,17 Episoden pro Monat und war statistisch nicht signifikant.

Die Ergebnisse bestätigen damit die derzeitigen Leitlinien, die nur bei einer chronischen Migräne zu „Botox“-Injektionen raten. Eine Verbesserung tritt nach den Ergebnissen der Studie innerhalb von 2 Monaten ein. Um die Wirksamkeit zu erhalten, müssen die Injektionen alle 12 Wochen wiederholt werden.

Die Behandlungen verbesserten auch die Lebensqualität, die in den Studien mit unterschiedlichen Fragebögen, unter anderem dem Beck-Depressions-Inventar, ermittelt wurden. 

Die Behandlung, die aus Injektionen des Neurotoxins in 7 Muskelregionen von Kopf und Nacken besteht (z. B. Mm. corrugator, procerus, frontalis, temporalis, occipitalis, cervicalis paraspinalis and trapezius), ist mit Nebenwirkungen verbunden. Dazu gehören Muskelschwäche, Diplopie, Blepharoptose, Myalgie, Schwindel, Sedierung, Asthenie, Dyskinesie, Hypästhesie, Nasennebenhöhlenentzündung, Nackenschmerzen, Dysphagie und vermehrte Hautspannung. Sie sind der Grund, warum die Leitlinien empfehlen, die Behandlung nur von in der Technik erfahrenen Ärzten durchführen zu lassen. Dadurch sollten sich schwere Komplikationen vermeiden lassen, die in den Studien nicht aufgetreten sind. Chaput betrachtet die Therapie als sicher und effektiv, auch wenn aufgrund der Ergebnisse der Studien in der Regel keine Beschwerdefreiheit zu erwarten ist. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 10. Januar 2019, 01:25

BOTOX vs. TRIPTANE?

Wenn 15 oder mehr Kopfschmerzepisoden pro Monat bei "chronischer Migräne" unter aufwändigen „Botox“-Injektionen, die in der Regel alle 12 Wochen wiederholt werden müssen, nur zu einem durchschnittlichen Rückgang um 1,56 Episoden pro Monat führen können, ist dieses Ergebnis bei aller konstruierten Signifikanz ziemlich armselig.

Bei Patientinnen und Patienten mit weniger als 15 Kopfschmerzepisoden pro Monat ("episodische Migräne") betrug der durchschnittliche Rückgang nur 0,17 Episoden pro Monat und war nicht mal signifikant messbar.

Damit müsste selbst plastisch-rekonstruktiv tätigen Chirurgen ("From the Department of Plastic Reconstructive and Aesthetic Surgery, University Hospital of Picardie, Amiens Picardie University Hospital; the Department of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery, CHRU Rangueil...") klar werden, dass ihre Anti-Migräne Behandlungsmethoden mit Botox-Injektionsserien so gut wie wirkungslos sind. Das können die Triptane m. E. besser.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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