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Medizin

Typ-2-Diabetes: DPP4-Inhibitoren erhöhen Risiko auf bullöses Pemphigoid

Donnerstag, 10. Januar 2019

/motortion, stockadobecom

Seoul – Die Behandlung mit DPP-4-Inhibitoren, einer Gruppe von relativ neuen Antidiabetika, war in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Dermatology (2019; doi: 10.1001/jamadermatol.2018.4556) mit einem erhöhten Risiko auf ein bullöses Pemphigoid verbunden, einer vor allem bei älteren Menschen auftretenden Autoimmunerkrankung der Haut.

Das bullöse Pemphigoid wird durch Antikörper gegen Hemidesmosomen ausgelöst, die die Epidermis in der darunter liegenden Basalmenbran verankern. Die meisten Patienten sind bei der Diagnose über 70 Jahre alt (die Erkrankung kann sich jedoch schon Jahre früher mit Juckreiz und Hautrötungen ankündigen). Die Ursachen der Erkrankung sind unbekannt. Als Auslöser sind jedoch einige Medikamente in der Diskussion, darunter die in den letzen Jahren zur Behandlung des Typ-2-Diabetes eingeführten DPP4-Inhibitoren. Diese Mittel fördern die Freisetzung von Insulin über die körpereigenen Inkretine, indem sie den Abbau der Inkretine durch das Enzym Dipeptidylpeptidase IV (DPP-4) hemmen.

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Ein Team um Dong Hyun Kim von der Medizinischen Universität in Seongnam bei Seoul hatte in den Akten der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung 670 Patienten mit einem Typ-2-Diabetes identifiziert, die an einem bullösen Pemphigoid erkrankt sind. Die Forscher stellten den Patienten die gleiche Anzahl von Typ 2-Diabetikern gegenüber, die nicht am bullösen Pemphigoid erkrankt sind, und verglichen dann, welche Medikamente den beiden Gruppen verordnet wurden. Der Schwerpunkt lag auf DPP4-Inhibitoren, da diese bereits in früheren Studien mit einem bullösen Pemphigoid in Verbindung gebracht wurden.

Der Verdacht bestätigte sich: Die Verordnung von DPP-4-Inhibitoren war mit einem um 58 Prozent erhöhten Risiko auf ein bullöses Pemphigoid verbunden. Die adjustierte Odds Ratio (aOR) von 1,58 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,25 bis 2,00 hochsignifikant. Am meisten gefährdet scheinen männliche Patienten zu sein (aOR 1,91; 1,39-2,63).

Unter allen in Südkorea verwendeten DPP-4-Inhibitoren wurde die stärkste Assoziation mit Vildagliptin gefunden (aOR 1,81; 1,31-2,50). Auch hier scheinen männliche Patienten am häufigsten betroffen zu sein (aOR 2,70; 1,73-4,34). Auch für Sitagliptin und Linagliptin wurden signifikante Assoziationen gefunden. Andere Vertreter der Wirkstoffklasse werden in Südkorea seltener eingesetzt.

Der Pathomechanismus ist nicht bekannt. Einige DPP4-Inhibitoren, darunter auch Vildagliptin, hemmen neben DPP-4 noch andere  Dipeptidylpeptidasen, darunter DPP-8 und DPP-9. Dies könnte, so vermutet Kim, zu einer vermehrten Aktivierung des Inflammasom-Caspase-1-Stoffwechselwegs führen, der ein Bestandteil des angeborenen Immunsystems ist. © rme/aerzteblatt.de

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