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Medizin

Studie standardisiert die Beurteilung der Lebensqualität bei Krebspatienten

Freitag, 11. Januar 2019

/djoronimo, stockadobecom

Berlin – Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat die Lebensqualität der Allgemeinbevölkerung in 15 verschiedenen Ländern ermittelt. Die Daten sollen dazu beitragen, die Lebensqualität von onkologischen Patienten besser zu beurteilen. Die Fachzeitschrift European Journal of Cancer hat die Ergebnisse jetzt veröffentlicht (2019; doi: 10.1016/j.ejca.2018.11.024). 

Ärzte nutzen zur Erfassung der Lebensqualität von onkologischen Patienten weltweit den Fragebogen „QLQ-C30“ der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC), der vor über 25 Jahren entwickelt wurde. 

Was aber laut den Forschern fehlt, sind sogenannte Normdaten, die die ermittelte Lebensqualität der Patienten mit jener der Allgemeinbevölkerung vergleichbar machen. Diese Daten haben Forschende der Charité jetzt im Auftrag der Quality of Life Group der EORTC erhoben. Per Onlinebefragung hat das Panelforschungsinstitut GfK dazu Informationen zur Lebensqualität von mehr als 15.000 Personen aus 11 Ländern der EU sowie Russland, Kanada, der USA und der Türkei gesammelt.

„Mit den neu ermittelten Normwerten lassen sich die Angaben der Krebskranken zu ihrem Wohlbefinden nun deutlich besser interpretieren“, erläuterte Sandra Nolte von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik der Charité und Leiterin der Studie. „Zwar gab es bereits für einige Länder Normdaten. Diese wurden laut den Wissenschaftlern jedoch in der Regel mit unterschiedlichen Befragungsmethoden ermittelt, sodass sie für multinationale Studien nicht verwendbar waren. 

Ein Nebenergebnis der Studie betrifft die Unterschiede im Wohlbefinden der Allgemeinbevölkerung der untersuchten Länder: Während die unter den Deutschen ermittelte Lebensqualität im Mittelfeld lag, gaben die Befragten in Österreich und den Niederlanden die höchsten Werte an.

Menschen aus Polen, Russland, der Türkei, Großbritannien und den USA hingegen nannten in der Regel deutlich niedrigere Werte in sämtlichen Bereichen ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität. So schätzten sie beispielsweise ihre körperliche und emotionale Verfassung schlechter ein oder berichteten vermehrt über Erschöpfung oder finanzielle Nöte im Vergleich zu Befragten aus Österreich oder den Niederlanden.

„Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, bei länderspezifischen Studien die Normwerte des jeweiligen Landes heranzuziehen“, betont Nolte. Denn es mache einen Unterschied, ob eine Krebspatientin aus Russland oder aus Spanien komme, wenn sie angebe, erschöpft zu sein: In Russland gebe die Allgemeinbevölkerung eine deutlich stärkere Erschöpfung an als in Spanien. © hil/aerzteblatt.de

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