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Menschengerichtshof behandelt belgischen Sterbehilfefall

Donnerstag, 10. Januar 2019

/pattilabelle, stockadobecom

Straßburg – Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof nimmt einen belgischen Fall aktiver Sterbehilfe an. Die belgische Regierung habe Fragen zu dem Fall aus Straßburg erhalten, bestätigte eine Sprecherin des Gerichtshofs heute. Nun habe die Regierung mehrere Wochen Zeit zu antworten. Ob es eine Anhörung zu dem Fall gebe, stehe allerdings noch nicht fest.

Die Mutter des Belgiers Tom Mortier erhielt 2012 aktive Sterbehilfe aufgrund psychischer Leiden. Die Angehörigen wurden erst nach dem Tod darüber informiert. Voraussetzung für aktive Sterbehilfe in Belgien ist, dass sich die Patienten in einer medizinisch aussichtslosen Lage befinden. Mortier zufolge sei das bei seiner Mutter nicht der Fall gewesen. Sie habe lediglich vorübergehende psychische Erkrankungen gehabt, die heilbar gewesen wären. Aus diesem Grund klagte er.

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Involviert in den Fall war der Arzt Wim Distelmans. Der Onkologe und Professor an der Freien Universität Brüssel (VUB) ist Vorsitzender der föderalen Kontrollkommission für Sterbehilfe in Belgien. Er kommt immer wieder in die Schlagzeilen, weil er selbst Sterbehilfe ausführt und als Vorsitzender der Kontrollkommission Fälle überprüft.

Aktive Sterbehilfe bei psychischen Leiden ist umstritten, weil es keine objektiven klinischen Kriterien für eine unheilbar psychische Krankheit gibt. Zudem fordern Ärzte in Belgien, dass bestimmte Wartezeiten zwischen dem ersten Arztbesuch und der tatsächlichen aktiven Sterbehilfe insbesondere für psychische Leiden eingeführt werden.

Mittlerweile ist ein zweiter Fall aktiver Sterbehilfe bei psychischen Leiden in Belgien anhängig. Drei Ärzte müssen sich wegen Sterbehilfe bei einer 38-Jährigen vor Gericht verantworten. In Belgien ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen seit 2002 legal. 2017 starben so 2.309 Menschen; in 40 Fällen waren psychische Leiden der Grund. © kna/aerzteblatt.de

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