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Medizin

Östrogene über Hormonpflaster führen seltener zu venösen Thromboembolien

Donnerstag, 10. Januar 2019

/dpa

Nottingham – Venöse Thromboembolien sind eine seltene, aber gefürchtete Nebenwirkung der Hormonersatztherapie, die heute im Wesentlichen auf die symptomatische Behandlung von klimakterischen Beschwerden beschränkt bleibt. Das Risiko kann nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 364: k4810) durch eine transdermale Applikation vermieden werden.

Die Hormonersatztherapie wird meist oral durchgeführt, obwohl eine Behandlung mit einem transdermalen Pflaster heute problemlos möglich ist. Diese Applikation vermeidet einen First-Pass-Effekt in der Leber. Nach der oralen Therapie wird ein Teil der Östrogene in der Leber abgebaut – was die Relationen zwischen den einzelnen Östrogenen verschiebt und höhere Dosierungen erforderlich macht. Außerdem wird die Synthese von Gerinnungsfaktoren und anderen Proteinen verändern, die die Fließeigenschaften des Blutes beeinflussen. Frühere Studien haben bereits ergeben, dass transdermale Pflaster vermutlich die sicherere Applikationsform sind.

Eine Analyse der Datenbanken QResearch und CPRD, die die elektronischen Krankenakten von britischen Patienten verwalten, bestätigt jetzt die Vorteile der transdermalen Applikation. Yana Vinogradova von der Universität Nottingham und Mitarbeiter haben die Daten von 80.396 Frauen im Alter von 40 bis 79 Jahren, die zwischen 1998 und 2017 eine primäre venöse Thromboembolie erlitten hatten, 391.494 Frauen gleichen Alters gegenübergestellt, die nicht an einer primären venösen Thromboembolie erkrankt waren. 

Der Vergleich der Medikamentenverordnung ergab, dass 7,2 % der Frauen mit venöser Thromboembolie in den 90 Tagen vor dem Ereignis eine Hormonersatztherapie durchgeführt hatten gegenüber 5,5 % in der Kontrollgruppe.

Das erhöhte Risiko war weitgehend auf Frauen beschränkt, die die Hormone in Tablettenform eingenommen hatten. Vinogradova ermittelte eine adjustierte Odds Ratio (aOR) von 1,58, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,52 bis 1,64 signifikant war. Für die Anwenderinnen von Hormonpflastern war das Risiko dagegen nicht erhöht. Die aOR von 0,93 weist sogar auf eine (biologisch schwer zu erklärende) protektive Wirkung hin, die bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,87 bis 1,01 jedoch das Signifikanzniveau verfehlte. Ein Anstieg des venösen Thromboembolie­risikos lässt sich jedoch mit großer Sicherheit ausschließen (mit der Einschränkung, dass Fall-Kontroll-Studien anfällig für Verzerrungen sind). 

Bei der oralen Hormonersatztherapie hängt das Risiko stark von den verwendeten Östrogenen/Gestagenen und ihrer Dosierung ab. Bei den Präparaten, die ausschließlich Östrogene enthielten, war das Risiko bei konjugierten equinen Östrogenen (die aus dem Urin trächtiger Stuten gewonnen werden) mit einer aOR von 1,49 (1,39-1,60) am höchsten. Bei einer Monotherapie mit Estradiol (zumeist pflanzlicher Herkunft) betrug die aOR 1,27 (1,16-1,39).

Eine Kombination mit einem Gestagen erhöhte das Risiko. Bei einer Kombination aus konjugierten equinen Östrogenen mit Medroxyprogesteron betrug die aOR 2,10 (1,92-2,31), bei einer Kombination aus Estradiol mit Medroxyprogesteron 1,44 (1,09-1,89).

Das Risiko war zudem dosisabhängig. Am höchsten war es nach der Einnahme von Tabletten mit über 0,625 mg konjugiertem equinen Östrogenen plus Norgestrel (aOR 2,38; 1,99-2,85).

Die absolute Gefahr einer venösen Thromboembolie dürfte für eine gesunde Frau gering sein. Vinogradova ermittelte eine Number Needed to Harm von 1.076 Frauen, auf die pro Jahr eine Frau kommt, die infolge der Behandlung eine venöse Thromboembolie erleidet. Das entspricht 9 zusätzlichen Erkrankungen auf 10.000 Behandlungsjahre. 

Im höheren Alter steigt das Risiko. In der Gruppe der 64- bis 79-jährigen Frauen betrug die Number Needed to Harm unter der „ungünstigsten“ Kombination aus konjugierten equinen Östrogenen mit Medroxyprogesteron nur noch 268. Das entspricht 37 zusätzlichen Erkrankungen auf 10.000 Behandlungsjahre.

Die Ergebnisse der Studie liefern ein detailliertes Bild zu den Risiken der einzelnen Präparate, und Vinogradova hofft, dass die Publikation Ärzten und Frauen bei der Wahl des Medikaments helfen wird. © rme/aerzteblatt.de

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