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Medizin

Ösophagektomie: Hybridoperation vermeidet Komplikationen

Freitag, 11. Januar 2019

/lenetsnikolai, stockadobecom

Lille – Die Komplikationsrate der Ösophagektomie, die bei vielen Patienten mit Speiseröhrenkrebs eine Heilungschance bietet, kann deutlich gesenkt werden, wenn der Eingriff teilweise minimalinvasiv durchgeführt wird. Dies ergab eine multi­zentrische Studie aus Frankreich, deren abschließende Ergebnisse jetzt im New England Journal of Medicine (2019; 380: 152-162) publiziert wurden.

Die Standardoperation bei Speiseröhrenkrebs ist die Ivor-Lewis-Ösophagektomie. Bei diesem Eingriff wird der untere Teil der Speiseröhre, in dem die meisten Karzinome lokalisiert sind, reseziert und durch einen Teil des Magens ersetzt. Dazu müssen sowohl der Bauchraum („Laparotomie“) als auch der Brustkorb („Thorakotomie“) eröffnet werden. Dies macht die Operation zu einem der kompliziertesten und komplikationsträchtigsten chirurgischen Eingriffe.

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Bisher werden beide Teile der Operation offen durchgeführt. Seit einigen Jahren wird untersucht, ob ein minimalinvasiver Ansatz die Komplikationsrate senken kann. Vor einigen Jahren konnten niederländische Chirurgen in einer kleineren randomisierten Studie (TIME) zeigen, dass beide Abschnitte der Operation minimalinvasiv durchgeführt werden können. Die Rate der pulmonalen Komplikationen wurden gesenkt, 2 der 59 minimalinvasiv operierten Patienten starben jedoch in der Klinik (Lancet 2012; 379: 1887-1892).

Französische Chirurgen bevorzugen eine Hybridoperation, bei der nur die Laparotomie minimalinvasiv durchgeführt wird. In der MIRO-Studie wurde die Hybridoperation mit der beiderseits offenen Standardoperation verglichen. An 13 Zentren wurden 207 Patienten auf die beiden Verfahren randomisiert. Endpunkt der Studie waren die intra- und postoperativen Komplikationen (erste 30 Tage), die nach der Klassifikation nach Clavien-Dindo bewertet wurden.

Wie das Team um Guillaume Piessen von der Universitätsklinik Claude Huriez in Lille berichtet, kam es bei 67 von 104 Patienten, die nach dem Standardverfahren operiert wurden, zu Komplikationen. Unter der Hybridoperation war dies nur bei 37 von 103 Patienten der Fall. Dies ergibt eine Odds Ratio von 0,31, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,18 bis 0,55 hochsignifikant war. Interessanterweise bestand der Vorteil im Wesentlichen aus einer niedrigeren Rate von pulmonalen Komplika­tionen, obwohl der thorakale Anteil der Operation in beiden Gruppen gleich war.

Die Teilnehmerzahl der Studie war zu gering, um die Auswirkungen der beiden Operationsverfahren auf die Sterblichkeit abschließend beurteilen zu können. Nach median 48,8 Monaten waren 92 der insgesamt 207 Patienten (44 %) gestorben. Die 3-Jahres-Überlebensrate betrug nach der Hybridoperation 67 % und nach der Standardoperation 55 %. Piessen ermittelt eine Hazard Ratio von 0,67, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,44 bis 1,01 knapp das Signifikanzniveau verfehlt. Auch im Endpunkt „Rezidiv, Zweitumor oder Tod“ war für die Hybridoperation ein tendenzieller Vorteil erkennbar (Hazard Ratio 0,76; 0,52 bis 1,11).

Der Vorteil dürfte in erster Linie auf der Vermeidung der Komplikationen beruhen. Denn in der Gründlichkeit unterschieden sich beide Operationen nicht. In beiden Gruppen gelang es gleich häufig, den Tumor komplett zu entfernen (negative Randschnitte) und auch die Zahl der entfernten Lymphknoten war in etwa gleich. © rme/aerzteblatt.de

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