NewsMedizinEEG erkennt Schlafstörungen als Frühzeichen der Alzheimer-Erkrankung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

EEG erkennt Schlafstörungen als Frühzeichen der Alzheimer-Erkrankung

Freitag, 11. Januar 2019

/tab62, stock.adobe.com

St. Louis/Missouri – Patienten mit Morbus Alzheimer leiden schon viele Jahre vor den ersten Gedächtnisstörungen unter einem schlechten Schlaf. Dabei kommt es laut einer Studie in Science Translational Medicine (2019; doi: 10.1126/scitranslmed.aau6550) zu Veränderungen im Elektroenzephalogramm (EEG), die in einem Screeningtest nachgewiesen werden könnten.

Der Morbus Alzheimer wird nach heutigem Verständnis durch Ablagerungen von Beta-Amyloiden und später von Tau-Fibrillen ausgelöst. Die morphologischen Veränderun­gen gehen den kognitiven Störungen um 15 bis 20 Jahre voraus. Eine Frühdiagnose ist heute mittels einer Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder durch Liquor­untersuchungen möglich. Für ein Screening sind diese Tests jedoch zu invasiv und wegen der fehlenden therapeutischen Option auch nicht vertretbar. Ein einfacher Screeningtest könnte jedoch für die Forschung interessant sein.

Dieser Test könnte die Aufzeichnung der niederfrequenten Deltawellen („slow waves“) sein, zu denen es während des NREM-Schlafs („Tiefschlafs“) kommt. Ihre Ableitung ist mit einer einzelnen Elektrode möglich. Die Aufzeichnung könnte mit einem portablen Gerät erfolgen, mit dem am Knight Alzheimer’s Disease Research Center in St. Louis bei 199 Probanden einer Langzeitstudie zur Altersforschung über eine Woche die Schlafqualität überprüft wurde.

Die Studie begleitet die Senioren (Durchschnittsalter 75 Jahre) seit einiger Zeit, und bei 104 wurden Liquoruntersuchungen auf Beta-Amyloid-Spaltprodukte durchgeführt. Bei 38 Teilnehmern wurde mittels PET auch nach Beta-Amyloiden und Tau-Fibrillen gesucht. Obwohl 80 % der Senioren noch keine kognitiven Schwächen aufwiesen, waren die PET-Tests bei jedem zweiten und die Liquoruntersuchung bei 3 von 10 Teilnehmern positiv. Diese Patienten leiden wahrscheinlich an einem Morbus Alzheimer und das Auftreten der Demenz ist nur noch eine Frage der Zeit.

Dem Schlafforscher Brendan Lucey und Mitarbeitern ist nun aufgefallen, dass die Patienten mit beginnendem Morbus Alzheimer Störungen des NREM-Schlafs aufwiesen. Die Aktivität der „slow waves“ in der Frequenz von 1 und 2 Hertz war vermindert. Bei den Betroffenen hat dies zur Folge, dass sie schlechter einschlafen und der Schlaf nicht erholsam ist (was paradoxerweise zu einer Verlängerung der Schlafdauer führen kann).

Senioren mit den größten Störungen in den „slow waves“ hatten die meisten Ablagerungen von Tau-Fibrillen und Beta-Amyloide im PET und die stärksten Veränderungen im Liquor. Lucey vermutet, dass die Schlafstörungen eine direkte Folge der Tau-Ablagerungen sind und deshalb einen beginnenden Morbus Alzheimer anzeigen.

Das Auftreten der Tau-Fasern wird als Wendepunkt in der Pathogenese des Morbus Alzheimer angesehen und als Vorbote einer drohenden Demenz. Wenn eine einfache EEG-Analyse dies erkennt, könnte mit einem einfachen Screening nach gefährdeten Menschen gesucht werden. Da sich die Erkrankung dann noch in einem relativ frühen Stadium befindet, könnten die Chancen für eine effektive Behandlung steigen.

Bislang sind alle medikamentösen Therapieansätze gescheitert, weil die Zerstörungen im Gehirn beim Auftreten der Demenz bereits soweit fortgeschritten sind, dass keine Verbesserung mehr möglich ist.

Ob es zu einem einfachen Screening mittels EEG kommt, wird davon abhängen, ob andere Gruppen die Ergebnisse an einer größeren Gruppe von Patienten reproduzieren können. Für eine Zulassung des Tests dürften die derzeitigen Ergebnisse nicht ausreichen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. Mai 2020
Exeter − Menschen mit dem Genotyp E4 im Gen für das Apolipoprotein E, das mit einem deutlich erhöhten Risiko auf einen Morbus Alzheimer verbunden ist, haben nach Analyse der UK Biobank im
COVID-19: Alzheimer-Gene könnten Risiko auf einen schweren Verlauf erhöhen
26. Mai 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die Leitlinie „Insomnie bei neurologischen Erkrankungen“ neu herausgegeben. Sie unterscheidet zwischen Insomnie bei Kopfschmerz,
Neue Leitlinien zu Schlafstörungen bei neurologischen Erkrankungen
13. Mai 2020
Köln – Eine nachts im Mund getragene Kunststoffschiene, die die Atemwege mechanisch offenhält, kann die Tagesschläfrigkeit von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe lindern. Die Therapie ist der
Unterkieferschiene hilft gegen Tagesschläfrigkeit bei obstruktiver Schlafapnoe
13. Mai 2020
Bochum – Wird im Alter das Gehör schlechter, reagiert das Gehirn darauf mit einem Umbau, der das Gedächtnis beeinträchtigen kann. Das berichten Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in
Umorganisation des Gehirns bei Gehörverlust könnte Demenz Vorschub leisten
7. Mai 2020
Köln – Von einem gezielten sporttherapeutischen Trainingsprogramm profitieren nicht nur Menschen mit Demenz – es reduziert auch die Pflegebelastung in der klinischen Demenzversorgung. Das berichtet
Gezieltes Trainingsprogramm reduziert Pflegebelastung bei Demenz
27. April 2020
Bonn – Eine Immunreaktion der Mikroglia-Zellen im Gehirn könnte für die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung maßgeblich mitverantwortlich sein. Das berichten Wissenschaftler um Michael Heneka,
Entzündung könnte Fortschreiten einer Alzheimer-Demenz triggern
23. April 2020
Stockholm − Eine erhöhte Konzentration von Feinstaub und Stickoxiden in der Außenluft hat in einem Stockholmer Stadtteil das Risiko älterer Menschen erhöht, an einer Demenz zu erkranken.
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER