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Antibiotika aus der Tierhaltung gelangen trotz Biogasanlagen in die Umwelt

Freitag, 11. Januar 2019

/dpa

Gießen – Biogasanlagen können viele in der Tiermedizin verwendete Antibiotika nicht beseitigen, die über Urin und Kot in die Gülle gelangen. Das ist das Ergebnis eines Projektes der Justus-Liebig-Universität Gießen, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 343.800 Euro gefördert hat.

2017 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebens­mittelsicherheit in Deutschland 733 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben, der Großteil davon werde in Nutztierställen eingesetzt. Rückstände der Antibiotika und ihrer Stoffwechselprodukte gelangten in die Gülle. Diese werde entweder direkt oder nach der Vergärung in Biogasanlagen über das Düngen auf den Äckern verteilt. In den Böden entwickelten sich so Bakterien, auf die die Arzneien keine Wirkung mehr haben.

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Die Hoffnung war nun, dass Biogasanlagen die Antibiotikabelastung der Böden senken könnten. Diese Anlagen sind vor allem in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft weit verbreitet. Gleichzeitig seien dies die Regionen mit hohen Antibiotikaabgaben an die Tierärzte. „Es gibt verschiedene Studien, die einen Rückgang der Arzneimittel­konzentration durch das Vergären von Gülle in den Biogasanlagen beschreiben“, erläuterte Astrid Spielmeyer vom Institut für Lebensmittelchemie und Lebens­mittelbiotechnologie an der Universität Gießen. Jedoch seien die genauen Vorgänge bisher nicht eindeutig bekannt gewesen.

Die Gießener Forscher konzentrierten sich bei ihrer Arbeit auf Tetrazykline und Sulfonamide. „Rund ein Drittel der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika gehören zu den antibakteriell wirkenden Sulfonamiden und Tetrazyklinen, die wir untersucht haben“, erläuterte Spielmeyer. Für beide genannten Antibiotikagruppen seien bereits resistente Keime nachgewiesen worden.

Im Projekt stellte sich in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Hessisches Landeslaborheraus, dass unterschiedliche Temperaturen, Säure- und Salzgehalte in den Biogasanlagen kaum Einfluss auf die Wirkstoffe hatten. Bei Zusatz von einem Feststoff wie Maissilage, der auch in Biogasanlagen erfolgt, sei es allerdings zu einem Rückgang der Antibiotika-Konzentration gekommen.

Aber: „Ein derartiger Rückgang, wie er auch in vorherigen Studien festgestellt wurde, heißt nicht unbedingt, dass die chemischen Strukturen zerstört und unwirksam werden“, erklärte Spielmeyer. Wenn sich zum Beispiel Bestandteile der Gülle mit den Wirkstoffen verbinden, könnten die einzelnen Antibiotika zwar nicht mehr nach­gewiesen werden, befinden sich aber noch – stabilisiert durch die Bindung – in der Gülle oder den Gärresten.

Später im Boden könnten sie sich dann wieder lösen und aktiv werden. Kurz: Biogasanlagen sind keine Lösung für das Problem der Antibiotikabelastung von Böden. „Antibiotika müssen schon bei der Vergabe im Stall verringert werden, um Mensch, Tier und Umwelt zu schützen“, zog DBU-Generalsekretär Alexander Bonde ein Fazit der Studie.

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist von 2011 bis 2017 die Ausgabe von Antibiotika an Tierärzte in Deutschland von 1.706 Tonnen auf 733 Tonnen um rund 57 Prozent zurückgegangen. Allerdings habe es Zuwächse zum Beispiel bei einer Antibiotikaklasse gegeben, die für den Einsatz beim Menschen als besonders wichtig gilt – den Fluorchinolonen, die zu den Reserveantibiotika gezählt werden. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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