NewsPolitikSozialausschuss will Leid von Heimkindern in Schleswig-Holstein aufklären
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Sozialausschuss will Leid von Heimkindern in Schleswig-Holstein aufklären

Freitag, 11. Januar 2019

/ambrozinio, stockadobecom

Kiel – Das Leid von Heimkindern in Schleswig-Holstein in früheren Jahrzehnten muss nach Überzeugung des Sozialausschusses im Landtag weiter aufgearbeitet werden. Es sei zwingend, dafür alle Möglichkeiten zu nutzen, sagte der Ausschussvorsitzende Werner Kalinka (CDU) heute. „Nicht nur der Medikamentenmissbrauch, auch Gewalt, Erziehungsmethoden und sexuelle Übergriffe wie deren Folgen müssen aufgearbeitet werden.“ Dazu hatte der Ausschuss gestern einen einstimmigen Beschluss gefasst.

Vor mehr als zwei Jahren hatten NDR-Recherchen zutage gebracht, dass es zwischen 1949 und 1975 in Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie der Erwachsenen-, Kinder- und Jugendpsychiatrie schwere Verfehlungen gegeben hatte, Versuche mit Psychopharmaka inklusive. „Nach dem Symposium im Landeshaus am 28. und 29. November 2018 mit den erschütternden Schilderungen Betroffener kann kein Zweifel bestehen, dass die Aufarbeitung, auch die rechtliche, ­nicht beendet sein darf“, sagte Kalinka nach der jüngsten Ausschusssitzung.

Anzeige

„Wir erwarten, dass alles getan wird, dass die Akten, Informationen oder Aussagen, die zu diesen schlimmen Vorgängen vorliegen, für die weitere Aufarbeitung zur Verfügung gestellt werden“, bekräftigte der CDU-Politiker. „Wir sind tief betroffen über das schwere Leid, welches Heimkinder auch in Schleswig-Holstein erlitten haben.“ Der Staat sei Garant für Menschenwürde; diese sei verletzt worden. Laut Kalinka sprach die Stiftung Anerkennung und Hilfe im Land bisher 377 Bewilligungen für Opfer aus. Es seien gut vier Millionen Euro gezahlt worden.

Die Verletzung von Menschenrechten und der seinerzeit geschehene Vertrauensbruch seien für die Betroffenen eine schwere Belastung für das ganze Leben, heißt es im Beschluss des Ausschusses. „Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen, wir wollen aber zuhören, das Gespräch führen und nach Wegen suchen, Versäumtes nachzuholen.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. März 2019
Hannover – Kinder und Jugendliche aus niedersächsischen Heimen sind in der Nachkriegszeit für Medikamentenversuche benutzt worden. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Sozialministeriums hervor,
Studie zeigt Ausmaß von Medikamentenversuchen an Heimkindern in Niedersachsen
15. März 2019
Kassel/Frankfurt am Main – Ärzte sollen Kinder nach Ansicht von Fachleuten auf die Gefahren sexueller Belästigung in sozialen Netzwerken aufmerksam machen. Eine große Gefahr sei es etwa, wenn Kinder
Ärzte sollen Kinder vor sexueller Gewalt im Internet warnen
7. März 2019
Erfurt – In den Frauenhäusern Thüringens fehlen derzeit rund 150 Plätze. Nach einer EU-Richtlinie, die im Februar 2018 in Deutschland in Kraft getreten sei, seien für das Land 290 Plätze erforderlich,
In Thüringens Frauenhäusern fehlen 150 Plätze
6. März 2019
Berlin – Sexueller Kindesmissbrauch in der DDR ist nach einer neuen Fallstudie nicht nur stärker, sondern auch erheblich länger tabuisiert gewesen als in Westdeutschland. Nach ersten Studien aus
Sexueller Kindesmissbrauch in DDR länger tabuisiert als im Westen
1. März 2019
Berlin – Gewürgt, geschlagen, getreten: Seit der Eröffnung der Berliner Gewaltschutzambulanz vor fünf Jahren haben rund 4.700 Menschen dort Hilfe gesucht. Rund 2.500 von ihnen hatten nach
Mehr Fälle für Gewaltschutzambulanz in Berlin
28. Februar 2019
Berlin – Jede dritte Frau erlebt der Welt­gesund­heits­organi­sation zufolge mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. In Kriegen sind systematische Vergewaltigungen von
„Wir unterstützen vergewaltigte Frauen, damit sie ihre Würde zurückgewinnen können“
26. Februar 2019
Münster – Die Ärztekammer Westfalen-Lippe informiert über Missbrauch und Vernachlässigung bei Kindern und Jugendlichen. Sie hat dazu einen entsprechenden Flyer aktualisiert und neu herausgegeben. „Die
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER