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Ausbildungsreform: Psychotherapeuten lehnen Modellstudiengänge zur Psychopharma­kaverordnung ab

Freitag, 11. Januar 2019

/Kzenon, stock.adobe.com

Berlin – Nach deutlicher Kritik von Ärzten und Psychologen hat sich heute die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) hinter die Reformpläne von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zur Ausbildung der Psychotherapie gestellt.

Kernstück des Entwurfes für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“ aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium vom 4. Januar ist ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie, „das gezielt auf die Ausübung der heilkundlichen Psychotherapie zugeschnitten ist“. Das Studium soll aus einem dreijährigen Bachelorstudium und einem darauf aufbauenden zweijährigen Masterstudiengang bestehen. Anschließen soll sich ein vertiefender Kompetenzerwerb in der Psychotherapie mit Erwachsenen oder mit Kindern und Jugendlichen.

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„Es freut uns besonders, dass die Notwendigkeit der qualifizierten ambulanten Weiterbildung anerkannt wurde und die bewährten Ausbildungsinstitute zukünftig als Weiterbildungsinstitute vorgesehen sind“, sagte Barbara Lubisch, Bundesvorsitzende der DPtV.

Diese Struktur ermögliche eine umfassendere Qualifizierung als bisher, denn nach dem Studium müssten die Psychotherapeuten in der Weiterbildungszeit sowohl im statio­nären als auch im ambulanten Bereich berufstätig sein, bevor sie sich selbstständig niederlassen dürften. „Im ambulanten Bereich sollte allerdings eine Förderung der Weiterbildung vorgesehen werden; eine dem stationären Bereich vergleichbare Vergütung ist sonst wahrscheinlich kaum möglich“, gibt Lubisch zu bedenken.

„Auch zum Studium haben wir noch Änderungsvorschläge“, erklärte Lubisch. So sollte deutlicher formuliert werden, dass alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren fachkundig gelehrt werden müssen. Außerdem wäre ein analog dem ‚Praktischen Jahr‘ angelegtes elftes Semester sinnvoll, damit vor der Approbationsprüfung Erfahrungen in Einrichtungen der Regelversorgung erworben werden.

Ablehnung des Modellstudiengangs zur Psychopharmakaverordnung

„Den vorgesehenen Modellstudiengang zur Erlangung der Verordnungskompetenz für Psychopharmaka lehnen wir weiterhin ab“, stellte Lubisch klar. Der Referentenentwurf will solche „Modellversuchsstudiengänge zur Feststellung, Verordnung und Über­prüfung von psychopharmakologischen Maßnahmen“ ermöglichen.

Die Ärzteschaft lehnt solche Modellstudiengänge grundlegend ab. Eine sichere Verordnung von Psychopharmaka sei nur auf der Grundlage eines Medizinstudiums möglich, erklärte die Bundes­ärzte­kammer (BÄK). „Die Verordnung von Medikamenten von medizinisch nicht umfassend ausgebildeten Psychotherapeuten stellt eine Gefahr für die Patienten dar“, heißt es vom Spitzenverband ZNS.

Aus Sicht der BÄK darf die Ausbildungsreform darüber hinaus nicht dazu führen, dass getrennte Versorgungsbereiche entstehen beziehungsweise die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen aus dem medizinischen Versorgungsbereich ausgegliedert wird. Eine ausführliche Stellungnahme zu dem vorgelegten Referenten­entwurf, in der unter anderem auf die Implikationen für die ärztliche Weiterbildung, auf die wissenschaftliche Bewertung psychotherapeutischer Verfahren und auf die Befugnisse von nichtärztlichen Psychotherapeuten eingegangen wird, ist nach Auskunft der BÄK in Arbeit. © PB/aerzteblatt.de

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Avatar #754103
Biochemie
am Montag, 14. Januar 2019, 12:18

Ist der Mensch technisch messbar?

Wir haben in den letzten Jahrhunderten viel über den Menschen erfahren und können mit dem Wissen aus der Physik, Chemie, Biologie in unseren Laboren und Praxen einzelne Daten des Menschen messen. Zum Beispiel: Blutdruck, Blutwerte, Blutzellen, Bakterien im Nahrungsbrei, Temperatur, Aktivität bestimmte Gehirnregionen, usw.
Diese einzelnen messbaren Daten sind wissenschaftlich Nachweisbar.

Bei vielen Erkrankungen spielt das denken und fühlen (psyche) eine wichtige Rolle. Wie zum Beispiel: Trauma, Depression, usw.

Wenn eine Veränderung der Lebensqualität gewünscht ist muss meiner Meinung nach der einzelne Mensch in seinen ganzen betrachtet werden. Das bedeutet seine Lebensgeschichte und sein Lebensumfeld.
Jetzt beginnt das Daten sammeln (Diagnose) Welche Organe sind betroffen? Was gibt es für Trauma?, Welche Ernährung kann ausprobiert werden?, Welcher Sport hat positive Auswirkungen?, Wie ist die Biografie des Menschen? Welche Schadstoffe, Lärm, Gerüche sind in der Wohnung, Umfeld?, Leitungswasser?, Waschmittel?, Reinigungsmittel?, Wie ist die Zufriedenheit?, usw.

Das Ziel ist es einen Menschen zu Entwickeln der seine Gedanken, Gefühle und Körper gut kennt. So dass er durch Eigenverantwortung und Achtung auf sich selber erkennt was er machen muss das er im Gleichgewicht bleibt.

Dieses dauert lange und ich kenne bis heute kein Computerprogramm das eine OP oder Psychotherapie Simuliert an dem alle Werte abzulesen sind.

Die Automatisierungstechnik könnte den Menschen die Zeit geben dieses zu erhalten was andere Personen durch einen andere Entwicklung nicht benötigen.

Grüße Peter




Avatar #758932
Anulti
am Montag, 14. Januar 2019, 08:42

Der Mensch ist nicht "technisch messbar"

Der Kommentar von Kapka darf nicht unwidersprochen bleiben. Die Vorstellung, nur "technisch messbares" könne wissenschaftlich anerkannt werden, zeugt von einem sehr eingeschränkten Bild von Wissenschaft. Wo außerhalb der reinen Naturwissenschaft ist etwas "technisch messbar"? In der Medizin? Vielleicht in einigen Teilgebieten. Alles andere ist Erfahrung. Und die böse Statistik ist nichts anderes als eine Methode, Erfahrung zu quantifizieren und ihren Aussagekraft einzuschätzen. Ich frage mich: Woher kommt nur dieser Ärger über die Psychotherapie? Eine Bedrohung für Mediziner kann sie ja wohl nicht sein. Welcher Arzt möchte denn für 90 € eine Stunde lang Psychotherapie machen? Bitte, nur zu, es gibt genug freie Sitze für ärztliche Psychotherapeuten!
Avatar #755495
kapka
am Sonntag, 13. Januar 2019, 04:13

Psychotherapie - eine Wissenschaft?

Dass der Psychotherapeutenverband den Entwurf von Spahn begrüßt, ist doch klar, schließlich führt er zu weniger lästiger Konkurrenz aus den Reihen der Ärzte, Psychologen und Heilpraktiker für Psychotherapie, die diese Ausbildung dann nicht haben und vermutlich langfristig (!) dann keine Psychotherapie mehr ausüben dürfen... Nun zur Frage im Titel - ist die Psychotherapie überhaupt eine Wissenschaft? Soweit es um biochemische Stoffe geht, die Vorgänge im Gehirn verändern und messbar sind, ist die Frage sicher mit ja zu beantworten. Wenn es jedoch um nicht-messbare Größen wie im Gehirn gespeicherte Informationen von Traumata geht (bisher gibt es kein einziges technisches Messgerät, das in der Lage ist, auf die in einem Trauma gespeicherten Informationen zuzugreifen!), ist es mit der Wissenschaftlichkeit vorbei. Ohne technische Messwerte keine Messreihen, keine Auswertungen, keine Bewertungen und keine Reproduzierbarkeit. Die Trauma-Therapie ist letztlich eine Erfahrungslehre, man führt eine bestimmte Therapie durch und beobachtet die Folgen beim Patienten. Bei entsprechend großer Patientenzahl kann man so auch eine Beobachtungsstudie machen und dies statistisch auswerten und mit diesem Kniff der Statistik den Psychotherapautischen Verfahren - wie denen der Trauma-Therapie - einen wissenschaftlichen "Mantel" umhängen, der aber nichts weiter ist als Statistik. Niemand in der Medizin oder Psychotherapie ist heute in der Lage, die Informationen eines Traumas zu analysieren, ihre Struktur bzw. Hirarchie zu bestimmen, zu sagen was genau während der Therapie mit den Informationen passiert oder gar den Umfang der Informationen zu bestimmen und deren Abnahme durch die Therapie zu erkennen. MESSBAR ist da nichts. jedenfalls nicht technisch. Alles beruht auf den Aussagen der Patienten bzw. den Beobachtungen, was mit den Patienten bei einer bestimmten Therapie geschieht. Streng genommen ist das KEINE Wissenschaft. Daher verwundert es schon sehr, in den Ausführungen des Psychotherapeutenverbandes zu lesen, alle "wissenschaftlich anerkannten Verfahren" müssten in der Ausbildung vorkommen. Da erhebt man sich mittels Anwendungsbeobachtung und Statistik in den Stand der Wissenschaft, wo doch eher von Erfahrungslehre gesprochen werden sollte. Es stellt sich dann auch die Frage, anch welchen Kriterien solche Verfahren eigentlich "wissenschaftlich anerkannt" werden, wenn gar nichts technisch MESSBAR ist? Nur weil in Anwendungsbeobachtungen bei einem bestimmten Prozentsatz der Patienten ein bestimmtes Verfahren mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu einer Verbesserung führt, ist das noch lange kein wissenschaftlicher Beweis auf der Basis messbarer Daten.
LNS

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