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Ärzteschaft

Telemedizin­angebot muss sich erst entwickeln

Montag, 14. Januar 2019

/dpa

Berlin – Seit wenigen Tagen können dem Arzt unbekannte Patienten über die ausschließliche Fernbehandlung – etwa über Videosprechstunden – in Berlin versorgt werden. Die Ärztekammer Berlin rechnet damit, dass es noch Zeit für den Aufbau solcher Angebote braucht.

„Wir rechnen nicht mit einem großen Run bei den niedergelassenen Ärzten“, sagte der Sprecher der Ärztekammer Berlin, Sascha Rudat, mit Blick auf die in Kraft getretene Änderung der Berufsordnung. Das Angebot müsse sich erst noch entwickeln und habe „natürliche Grenzen“, etwa in Fachrichtungen, in denen körperliche Untersuchungen nötig sind. Die Anwendungsmöglichkeiten würden als „relativ begrenzt“ eingeschätzt.

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Eine komfortable App oder Internetseite, auf der man etwa mit akuter Erkältung rasch eine Onlinesprechstunde bei einem Berliner Arzt findet – das ist noch Zukunftsmusik. Eine Übersicht der niedergelassenen Ärzte, die solche Angebote machen, gebe es bisher nicht, sagte Rudat. Wie eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin sagte, rechneten in Berlin bisher nur zwei Praxen Telemedizinbehandlungen ab. Bereits bekannte Patienten konnten Ärzte unter bestimmten Bedingungen auch bisher schon telemedizinisch behandeln.

Zurückhaltung auch wegen haftungsrechtlichen Gründen 

Mit der Möglichkeit der Fernbehandlung unbekannter neuer Patienten gebe es für Ärzte auch Risiken, sagte Rudat. Er rechne mit einer Zurückhaltung vieler Mediziner schon aus haftungsrechtlichen Gründen.

Auch Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente könnten bisher auf diesem Weg nicht geschrieben werden. Und das Ausstellen von Krankenscheinen ohne persönlichen Kontakt ist laut dem Kammersprecher ein Thema, bei dem noch mit Entwicklungen zu rechnen sei: Ärzte müssten nach gegenwärtiger Regelung auch aus der Ferne „zweifelsfrei“ die Arbeitsunfähigkeit des Patienten feststellen.

Potenzial gebe es aber womöglich für Psychotherapeuten, sagte Rudat. Dort sind Patienten oft über längere Zeiträume in Behandlung, ohne dass Untersuchungen in der Praxis erforderlich sind.

Das bisherige ausschließliche Fernbehandlungsverbot, wonach Ärzte neue Patienten nur nach persönlichem Gespräch behandeln durtfen, war im Frühjahr 2018 auf dem 12.1 Deutschen Ärztetag in Erfurt gekippt worden. Die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin stimmte der Änderung der Berufsordnung im Herbst zu.

Persönlicher Kontakt bleibt Goldstandard

Der Kontakt zwischen Arzt und Patient ausschließlich über Kommunikationsmedien ist damit nun im Einzelfall erlaubt und vor allem als Ergänzung gedacht. Dass nun Ärzte den ganzen Tag lang keine Patienten mehr persönlich empfangen, soll nach dem Willen der Kammer nicht vorkommen. Der persönliche Kontakt gelte weiter als „Goldstandard“. Mögliche „Fehlentwicklungen“ wolle man im Auge behalten, wie Rudat betonte. © dpa/aerzteblatt.de

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