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Viele Cannabis­patienten setzen sich berauscht ans Steuer

Montag, 14. Januar 2019

/Budimir Jevtic, stockadobecom

Berlin/Michigan – Viele US-amerikanische Patienten fahren nach der Einnahme von medizinischem Cannabis Auto. Das haben Forscher der University of Michigan in den USA herausgefunden. Den Wissenschaftlern zufolge fuhren mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer Auto, kurz nachdem sie Cannabis konsumiert hatten. 21 Prozent der Befragten, also rund jeder Fünfte, gab an, bereits „sehr high“ am Steuer gesessen zu haben. Auch in Deutschland dürfen Ärzte Cannabis verschreiben, es gibt aber keine derartigen Erhebungen.

Für die US-Studie, die im Fachblatt Drug and Alcohol Dependence (2019; doi: 10.1016/j.drugalcdep.2018.11.016) erschien, wurden 790 erwachsene Cannabispatienten aus dem Bundesstaat Michigan nach ihren Fahrgewohnheiten in den vergangenen sechs Monaten befragt. Die Ergebnisse seien beunruhigend schreiben die Forscher und warnen vor den Gefahren von Cannabis im Straßenverkehr. Reaktionszeit und die Koordinierung litten deutlich unter dem Cannabiskonsum. Den meisten Teilnehmern sei die Gefahr nicht bewusst, erklärte Erstautorin Erin Bonar.

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Die Psychologin und ihre Kollegen fordern darum eine bessere Aufklärung der Patienten. Durch den regelmäßigen Konsum bestehe besonders bei dieser Personen­gruppe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie high am Straßenverkehr teilnähmen. 73 Prozent der Befragten gaben an, täglich oder fast täglich Cannabis zu nehmen – in welcher Form es konsumiert wurde, erhoben die Forscher nicht. Rund ein Viertel der Befragten schätzte, am Tag drei bis vier Stunden high zu sein.

Das Aufstellen einer Faustregel zum Cannabiskonsum für Autofahrer stellt auch die Forscher vor Herausforderungen, wie sie berichten. Sie hätten bisher keinen Grenzwert festlegen können, der besagt, wann Cannabispatienten bedenkenlos ins Auto steigen dürften. Einschränkend zu den Ergebnissen schreiben die Forscher, dass die Teilnehmer die Angaben zu ihrem Fahrverhalten aus der Erinnerung heraus gemacht hätten. Die Erkenntnisse seien zudem nicht unbedingt übertragbar, da nur Patienten aus Michigan interviewt worden seien.

Daten aus Deutschland zu dem Thema fehlen bisher. Die Diskussion um medizinisches Cannabis und Straßenverkehr wird jedoch auch hierzulande geführt. Seit März 2017 dürfen Ärzte in Deutschland schwerkranken Patienten derartige Präparate verschreiben, etwa gegen Schmerzen. In einigen US-Bundesstaaten ist das schon seit einigen Jahren möglich.

Voraussetzung hierzulande ist, dass andere Behandlungsmethoden ausscheiden und die Cannabistherapie „eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf“ verspricht, wie es die Kassenärztliche Bundesvereinigung formuliert.

Außerdem muss die Krankenkasse das Rezept beim ersten Mal genehmigen. In den ersten rund zwölf Monaten nach der Zulassung gingen bei den Krankenkassen etwa 16.000 Anträge ein, von denen 60 Prozent genehmigt wurden, heißt es in einem von der Techniker Krankenkasse (TK) geförderten Cannabisreport von 2018.

Cannabispatienten schafften auch in Deutschland allerlei Probleme für die Verkehrs­sicherheit, sagt Norbert Radzanowski. Er ist Sprecher des Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS). Die Teillegalisierung von Cannabis sei mit Blick auf die Verkehrsteilnahme problematisch.

Wer Cannabis im Blut hat, muss laut Straßenverkehrsgesetz das Auto stehen lassen. Ist es aber ärztlich verschrieben und wird bestimmungsgemäß eingenommen, gilt das Fahrverbot in der Regel nicht. Ein Strafverfahren drohe jedoch den fahrenden Cannabispatienten, die auf Grund der Arzneiwirkung nicht in der Lage seien, ein Fahrzeug „sicher zu führen“, etwa wenn es zu Ausfallerscheinungen komme, antwortete die Bundesregierung 2017 auf eine Anfrage der Linken-Fraktion. Das könne insbesondere in der Einstellungs- und Eingewöhnungsphase dieser Medikamente geschehen.

Eine Gefährdung gebe es in jedem Fall, betonte hingegen Radzanowski. Bis neue Regeln gefunden würden, fordert er darum: „Wer Cannabis konsumiert, soll sich nicht ans Steuer setzen“. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #759366
minor
am Dienstag, 22. Januar 2019, 12:34

Ernsthaft ?

Ist das hier das echte offizielle Ärzteblatt ? Es handelt sich bei medizinischem Cannabis um eine reines CBD-Produkt, welches keinerlei psychoaktive Wirkung haben sollte...was erklärt warum es deshalb auch nicht Verboten ist bzw. so schwer festzulegen wo die Grenze erreicht ist. Oder reden wir hier von "normalem" Cannabis ? Das z.B. Tourette erkrankte nehmen ?
Hier fehlt jede Spezifizierung...Grade noch "Bereits geringer Konsum verändert Gehirn von 14-Jährigen" gelesen und kann nur den Kopf schütteln. 46 14-jährige Probanden die gefragt wurden wie viel Cannabis Sie schon konsumiert haben und daraus kommt so eine Überschrift zustanden. Wollen Sie Stimmung machen oder Wissenschaft ?
LNS

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