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Medizin

Viszerale Adipositas lässt Hirn früher schrumpfen

Montag, 14. Januar 2019

/Racle Fotodesign, stockadobecom

Leicestershire/England – Wo der Bauch wächst, muss das Gehirn weichen. So könnte man – zugegebenermaßen etwas übertrieben – die Ergebnisse einer Analyse der UK-Biobank beschreiben, die jetzt in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000006879) veröffentlicht wurde.

Eine Adipositas fördert nicht nur das Auftreten von kardiometabolischen Erkrankungen vom Typ-2-Diabetes bis hin zum Herzinfarkt. Epidemiologische Studien deuten auch darauf hin, dass adipöse Menschen häufiger als andere im Alter an Demenzen erkranken.

Dies bewog Mark Hamer von der Loughborough University in Leicestershire/England die UK Biobank zu analysieren, die die Daten von fast einer halben Million Briten zusammengetragen hat. Dazu gehören auch biometrische Daten wie Körpergröße, Gewicht, Taillen- und Hüftumfang. Bei 9.652 Teilnehmern war eine Magnetresonanz­tomografie des Gehirns durchgeführt worden. Die Bestimmung des Hirnvolumens ist dabei Routine. Hamer setzte es mit dem Body-Mass-Index (BMI) und dem Quotienten aus Taillen- und Hüftumfang in Beziehung.

Ergebnis: Die Teilnehmer, die im Durchschnittsalter von Mitte 50 fettleibig waren und einen hohen Taille-Hüft-Quotienten aufwiesen, was eine viszerale Adipositas anzeigt, hatten das geringste Hirnvolumen. Besonders deutlich war der Unterschied in der grauen Substanz, in der sich die Schaltzentren des Gehirns befinden.

Bei adipösen Personen mit einem hohen Taille-Hüft-Quotienten betrug das Volumen der grauen Hirnmasse im Durchschnitt 786 cm3. Normalgewichtige ohne zentrale Adipositas hatten im Durchschnitt ein graues Hirnvolumen von 798 cm3. Bei den Personen, die fettleibig waren, aber keinen hohen Taille-Hüft-Quotienten aufwiesen, war das graue Hirnvolumen mit 793 cm3 nur leicht vermindert.

Damit war nicht der BMI, sondern die viszerale Adipositas mit einem Rückgang des Hirnvolumens assoziiert. Von Atrophie zu sprechen, wäre angesichts des geringen Unterschieds wohl überzogen.

Nicht nur die viszerale Adipositas, sondern auch der Typ-2-Diabetes, den man als Spätstadium der Fettakkumulation im Bauchraum bezeichnen könnte, war mit einem Rückgang des Hirnvolumens assoziiert.

Da es sich um eine Querschnittstudie handelt, ist die Beweiskraft gering. Es besteht die Möglichkeit einer reversen Kausalität: Die verminderte Hirnmasse könnte für die Adipositas verantwortlich sein. Mit etwas Fantasie (primäre Schädigung des Appetitzentrums) ließe sich dies auch biologisch plausibel erklären. Es bleibt abzuwarten, was weitere Studien ergeben. Da die MRT strahlenfrei und ohne Risiken ist, wird sie immer häufiger bei größeren Kohortenstudien eingesetzt. Bei einer längeren Nachbeobachtung ließe sich klären, was zuerst kam, der Verlust an grauen Zellen oder die Fettansammlung. © rme/aerzteblatt.de

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