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Medizin

Immuntherapie: Mutationslast sagt Therapieerfolg voraus

Montag, 14. Januar 2019

    Eine Gruppe Menschen auf einem DNA Profil, Fotograf: Klaus Ohlenschläger /dpa
Die Bestimmung der Mutationslast eines Tumors bedarf einer breiten genetischen Testung, bei der mindestens mehrere Hundert Gene mittels ‚next-generation sequencing‘ (NGS) analysiert werden. Eine solche Testung kann – wie in der vorliegenden Studie – mithilfe einer ‚Panel‘-Sequenzierungen erfolgen, bei der nur eine bestimmte, gut verstandene Auswahl an Genen untersucht wird.  /dpa

New York – Patienten mit metastasierenden Tumorleiden profitieren nicht alle gleicher­maßen von einer Krebstherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (ICI). Ausschlag­gebend für das klinische Ansprechen auf die nebenwirkungsreiche und zudem kostspielige Immuntherapie könnte die Mutationslast sein. Zu diesem Ergebnis kommen Ärzte und Wissenschaftler am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York in einer Studie, die in Nature Genetics publiziert wurde (2019; doi: 10.1038/s41588-018-0312-8).

Bisher profitieren nur wenige Krebspatienten von einer Immuntherapie. Krebsforscher suchen deshalb nach Biomarkern, die vorhersagen können, ob Patienten auf ICI ansprechen werden oder nicht.

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Die Studienautoren haben daher klinische und genetische Daten erhoben von 1.662 Patienten mit metastasierenden Tumorleiden, die mit ICI behandelt worden waren. Deren Gesamtüberleben wurde mit einer weiteren Gruppe von 5.371 Patienten verglichen, bei denen vor der Therapie eine bestimmte Anzahl von Genen im Tumor komplett sequenziert (MSK-IMPACT) wurde. Patienten, die in allen entnommenen Tumorproben zu den 20 % der Kranken mit der höchsten Mutationslast zählten, hatten ein statistisch signifikant verlängertes Gesamtüberleben.

„Die vorliegende Studie bestätigt die Erkenntnis, dass die Mutationslast eines Tumors – also die Zahl der erworbenen genetischen Veränderungen – mit einem Ansprechen auf die Therapie mit ICI und verlängertem Überleben assoziiert ist“, sagt Stefan Fröhling, kommissarischer geschäftsführender Direktor, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Er ist überzeugt, dass die Ergebnisse große Bedeutung für die klinische Praxis haben.

Vorsicht sei allerdings angebracht, weil unklar bleibe, was genau ein „high mutational load“ sein soll, ergänzt Hinrich Abken, Inhaber des Lehrstuhls für Gen-Immuntherapie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI) am Universitäts­klinikum Regensburg. „Offensichtlich ist das für jede Tumorentität etwas unter­schiedliches – und muss daher im Einzelfall durch Studien definiert werden.“ Auch der Anzahl tumorspezifischer T-Zellen in den jeweiligen Tumoren räumt Abken eine Einflussnahme ein. Diese vermutete Korrelation müsse noch in der Klinik verifiziert werden.

Sequenzierung wird nicht finanziert

Aus Fröhlings Sicht wäre es dennoch wünschenswert, jeden Patienten mit einem fortgeschrittenen Krebsleiden mittels „next-generation sequencing“ (NGS) zu untersuchen, um die Mutationslast und weitere Parameter zu bestimmen, die zur Auswahl der Therapie genutzt werden können. „Eine wesentliche Hürde für dieses Angebot ist bisher die Finanzierung einer solchen Diagnostik“, sagt der Arzt vom NCT und Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). In Deutschland würden Krankenkassen derzeit eine Genomsequenzierung oder eine Exomsequenzierung „nur in seltenen Ausnahmen zahlen“, berichtete bereits Hans-Hilger Ropers, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin, und Facharzt am Institut für Humangenetik der Universität Mainz bei einer Pressekonferenz im November 2018. © gie/aerzteblatt.de

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