NewsÄrzteschaftFachgesellschaft warnt vor Stigmatisierung psychisch Kranker
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Fachgesellschaft warnt vor Stigmatisierung psychisch Kranker

Montag, 14. Januar 2019

In Bottrop hatte ein möglicherweise psychisch Kranker in der Silvesternacht seinen Wagen gezielt in eine Fußgängergruppen gesteuert. /dpa

Köln – Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) warnt nach der Amokfahrt eines Attentäters im Ruhrgebiet in der Silvesternacht von einem nach ersten Erkenntnissen möglicherweise psychisch Erkrankten vor einer vorschnellen Verknüpfung von Terrorismus und psychischer Krankheit. „Psychosekranke begehen insgesamt selten schwere Gewalttaten“, sagte Norbert Schalast vom Institut für forensische Psychiatrie am LVR-Klinikum der Universität Duisburg-Essen.

„In eigenen Gutachten habe ich zumeist Hinweise auf auffällige Persönlichkeitszüge, auch dissoziale Tendenzen und erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren in der Vorgeschichte gefunden, jedoch nie ernsthafte Anhaltspunkte für eine schwere psychische Erkrankung wie die Schizophrenie“, betonte der Experte.

Anzeige

Die Amokfahrt von Bottrop sei kein Anlass, über eine terroristische Bedrohung durch schizophrene oder andere psychisch erkrankte Täter grundsätzlich neu nachzudenken: „Es handelt sich hierbei um recht ungewöhnliche Tatszenarien, die allerdings verschiedenen Interessengruppen einen willkommenen Anlass boten, sich zu positionieren“, so Schalast.

„Natürlich gibt es psychisch erkrankte Menschen mit erhöhter Gewaltbereitschaft, und es gibt Gewaltverbrechen, die von Menschen mit psychischen Erkrankungen verübt werden. Dennoch ist es nicht gerechtfertigt, angesichts dieser Erkenntnisse in Menschen mit bestimmten psychischen Erkrankungen grundsätzlich potenzielle Terroristen zu sehen und so die Stigmatisierung psychisch Erkrankter zu verstärken“, sagte auch DGSP-Vorstandsmitglied Stefan Corda-Zitzen.

Die häufige mediale Thematisierung des psychischen Zustandes von Atten­tä­tern könnte zu der Entwicklung von Vorurteilen gegenüber psychisch Erkrankten bei­tra­gen, hieß es weiter. Davor haben britische Psychiater um Simon Wessely vom Royal College for Psy­chi­atrists bereits 2016 im British Medical Journal gewarnt (2016; doi: 10.1136/bmj.i4869).

Während der politische Hintergrund für terroristische Attacken häufig erklärbar sei, bleibe der Prozess der individuellen Radikalisierung in vielen Fällen unklar. In der medialen und öffentlichen Betrachtung gibt es laut Wessely daher die Tendenz, die Taten der Attentäter als Er­gebnis einer psychischen Erkrankung zu betrachten. „Die ist jedoch in der Regel eine fehlerhafte Vereinfachung“, so der Psychiater. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #93362
Wneu
am Mittwoch, 16. Januar 2019, 10:56

Man muss unterscheiden

Es ist wohl zu unterscheiden zwischen Psychopathen und Soziopathen einerseits und Leuten, die unter psychischen Erkrankungen leiden, andererseits. Die in vielen Gerichten aufgekommene Mode, Verbrecher einfach in die Psychiatrie zu schicken, die Psychiatrie als Gefängnisersatz zu verwenden, was dann oft auch noch durch psychiatrische "Gutachter" unterstützt wird, fördert die nicht wünschenswerte Stigmatisierung beträchtlich. Um diese Stigmatisierung zu verringern, müsste wieder klar werden, dass ein Verbrecher ein Verbrecher ist, ein psychisch Kranker ein psychisch Kranker, und die Überschneidung zwischen diesen beiden Mengen gering ist.
Avatar #749369
Ambush
am Montag, 14. Januar 2019, 23:17

Vereinfachung der Ursachen von Gewalttaten und Amokläufen durch die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie

https://www.facebook.com/Aufmerksam.fuer.Menschen/posts/tragödien-wie-der-amoklauf-in-münchen-vom-vergangenen-freitag-sollten-nicht-dazu/1138376916227731/ ,Tim Kretschmer in Winnenden war bekanntlich auch psychisch krank bzw. soll persönlichkeitsgestört gewesen sein, und Persönlichkeitsstörungen sind nun bekanntlich auch Psychische Erkrankungen oder zumindest Normabweichungen , Robert Steinhäuser war auch nicht normal ,ein Asperger-Autist hat in den USA vor ein paar Jahren bei einem Amoklauf eine Grundschulklasse ausgelöscht, es ist schon auch die Sozialisation, die zu Amokläufen beiträgt , aber es ist eben längst nicht nur die Sozialisation, natürlich soll an der Stelle auch mal wieder das Leib- und Magen-Thema von "Ambush" erwähnt sein, das bei Amokläufen des Öfteren auch schon ein Faktor gewesen ist https://www.adhspedia.de/wiki/ADHS_und_Gewaltbereitschaft , ein Faktor eben und nicht de alleinige Ursache .
LNS

Nachrichten zum Thema

13. August 2020
New York – Eine Einweisung in das Kundalini-Yoga, eine in westlichen Ländern populäre Variante der geistigen und körperlichen Übungen aus dem indischen Kulturkreis, hat in einer randomisierten Studie
Yoga lindert Angststörungen in Studie
5. August 2020
Leverkusen – Die Mehrheit der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt im neuen Schuljahr Unterricht im Regelbetrieb, aber mit festen Gruppen durchzuführen. Das ist ein Ergebnis der Studie „Homeschooling und
Kinder- und Jugendärzte warnen vor erneuten Schulschließungen
30. Juli 2020
Bagdad – Fast 2.000 aus der Gewalt der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) befreite jesidische Kinder leiden nach Angaben von Amnesty International noch immer unter psychischen und physischen
Amnesty: Befreite jesidische Kinder leiden unter schweren Traumata
23. Juli 2020
Manchester – Der Lockdown, der die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung deutlich eingeschränkt hat, ging mit einer deutlichen Verschlechterung der mentalen Gesundheit einher. Dies kam im Rahmen einer
Studie: Wen die COVID-19-Pandemie am meisten stresst
22. Juli 2020
Leipzig – Die psychische Gesundheit von Senioren hat sich einer Studie zufolge während des Coronalockdowns nur wenig verändert. Menschen ab 65 Jahren hätten die Einschränkungen besser überstanden als
COVID-19: Kaum Auswirkungen auf psychische Gesundheit älterer Menschen
22. Juli 2020
Berlin – Profi-Fußballer haben offenbar ein geringeres Risiko, wegen bestimmter psychischer Störungen stationär behandelt werden zu müssen als die Durchschnittsbevölkerung. Das ergabe eine
Profi-Fußballer haben geringeres Risiko für psychische Störungen
10. Juli 2020
Hamburg – Im Zusammenhang mit der Coronapandemie berichten Kinder und Jugendliche in Deutschland vermehrt von psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten. Betroffen sind vor allem Kinder aus
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Archiv

    NEWSLETTER