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Medizin

Bereits geringer Cannabiskonsum verändert das Gehirn von 14-Jährigen

Dienstag, 15. Januar 2019

/dpa

Burlington/Vermont – Ein früher regelmäßiger Cannabiskonsum von Jugendlichen wird von Suchtexperten seit Längerem als schädlich eingestuft. Hirnforscher berichten jetzt im Journal of Neuroscience (2019; doi: 10.1523/JNEUROSCI.3375-17.2018), dass bereits der ein- oder zweimalige Konsum mit Veränderungen in mehreren Gehirnregionen einhergeht.

Das IMAGEN-Projekt begleitet seit einigen Jahren eine Gruppe von rund 2.000 Jugendlichen aus 7 europäischen Städten (darunter Berlin, Hamburg, Mannheim und Dresden), um die Veränderungen im Gehirn während der Pubertät zu erforschen. Neben psychologischen Tests zu Kognition und Verhalten werden auch Magnetresonanztomografien (MRT) durchgeführt.

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Bei der Untersuchung im Alter von 14 Jahren hatten 46 Jugendliche angegeben, schon ein- oder zweimal Cannabis konsumiert zu haben. Ein Team um Hugh Garavan vom Robert Larner College of Medicine in Burlington im US-Staat Vermont hat die MRT-Befunde dieser Kinder jetzt mit einer gleich großen Kontrollgruppe von Gleichaltrigen verglichen, die noch keine Erfahrung mit der Freizeitdroge gemacht hatten.

Ergebnis: Bei den sporadischen Cannabiskonsumenten war das Volumen der grauen Substanz in bestimmten Hirnregionen erhöht. Dazu gehörten beidseitig die medialen Temporallappen, der posteriore Gyrus cingulii und der Gyrus lingualis sowie das Kleinhirn. Probanden der Kontrollgruppe, die erst später mit dem Cannabiskonsum begannen, wiesen die beschriebenen Auffälligkeiten nicht auf.

Die Veränderungen im Temporallappen gingen mit schlechteren Ergebnissen in einem neuropsychologischen Tests einher. So verschlechterte sich das wahrnehmungs­gebundene logische Denken („perceptual reasoning“), die Arbeitsgeschwindigkeit und die manuelle Geschicklichkeit im Vergleich zu gleichaltrigen cannabisabstinenten Jugendlichen. Im Alter von 16 Jahren waren die Angstscores der frühen Konsumenten erhöht.

Da die Veränderungen in Hirnregionen auftreten, in denen es Rezeptoren für die endogenen Cannabinoide gibt, liegt für Garavan eine Störung des Endocannabinoid­systems nahe. Ursula Havemann-Reinecke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Göttingen, stimmt dem US-Experten zu. Ihre eigenen tierexperimentellen Untersuchungen hätten gezeigt, dass bei adoleszenten Mäusen bereits die einmalige Gabe eines Cannabinoidagonisten langanhaltende Veränderungen im Endocannabinoidsystem zur Folge hatten.

Für Privatdozentin Eva Hoch, die am Klinikum der Universität München eine „Forschungsgruppe Cannabinoide“ leitet, zeigen die Ergebnisse, dass Jugendliche frühzeitig über die Wirkung psychotroper Substanzen wie Cannabis informiert werden sollten. Dass in der Pubertät bereits ein sehr geringer Konsum ungünstige Effekte auf die Gehirnentwicklung haben könnte, sei hier eine wichtige Botschaft.

Auch Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hält die Ergebnisse für höchst alarmierend. Nach Erfahrung des Ärztlichen Leiters des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters kann sich ein frühes Erstkon-sumalter ungünstig auf Konzentration, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, Gedächtnis, Lernen, Emotionsregulation und -kontrolle sowie auf die Planungsfähigkeit und verschiedene psychomotorische Funktionen auswirken.

Alle Experten betonen, dass die Ergebnisse einen kausalen Zusammenhang nicht abschließend belegen. Weitere Untersuchungen seien notwendig. Eine Schwäche der Studie sei, dass der Cannabiskonsum bei den 14-Jährigen nur erfragt wurde und keine Blut- oder Urinproben untersucht wurden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759672
Patient0
am Dienstag, 29. Januar 2019, 05:30

kein einfaches Thema

Hallo zusammen, ich bin Cannabispatient und Cannabis hat es mir ermöglicht wieder am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Ich habe keine Krankheit wo Cannabis bekannt wäre zu helfen aber es hilft mir. Ich war in meinem Leben an einem Punkt wo ich fast nichts mehr machen konnte, jeden Tag Schmerzen hatte. Ich wollte sterben! Ich konnte und wollte es nicht mehr aushalten! Mein Arzt war schwer gegen die Therapie mit Cannabis aber er ist den Weg mit mir gegangen. Auch an dieser Stelle "Vielen Dank".

Ich möchte zu folgender Aussage Stellung beziehen. Das ist auch der Grund der mich dazu bewogen hat mich hier zu registrieren.

"ich denke nicht, das ein Dasein als unproduktiver "Versager, Kiffer, Loser" für das Individuum oder die Gesellschaft erstrebenswert sein sollte...."

Ich empfinde arbeiten unter Cannabis anstrengend. Ich habe eine Strategie entwickelt womit ich ganz gut zurecht komme. Von anderen werde ich für meine Art und Arbeit gelobt. Mein Einkommen liegt bei round about 4500,- EUR monatlich als "Cannabis-Konsument" und Hauptschüler.

In diesem Sinne
mit freundlichen Grüßen
Ein Versager, Kiffer und Looser
Avatar #725920
Syntaxie
am Mittwoch, 16. Januar 2019, 18:42

Wer unterstützt denn solche Forscher ?

Es scheint, daß es sich bei den 46 herausgepickten um Fälle von Autismusspektrumsstörung handelt.
Was bedeutet denn:
>das Volumen der grauen Substanz in bestimmten Hirnregionen erhöht<
?
relativ zur weißen Substanz vermutlich !? Also schließlich eine gerinere synaptische Vernetzung, was einer verzögerten Hirnentwicklung entspräche.
Und das riecht für die Hersteller von SSRI sicherlich schon nach Profit.
Zitat
>Es gibt ein "SSRI discontinuation syndrome" das es fuer viele schwer macht die Medikamente abzusetzen falls notwendig.
< aus den Kommentaren dort: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/depression/therapie/antidepressiva/tza_aid_16959.html


Avatar #25633
Dr. med. Friedr.-Wilh. Bielefeld
am Mittwoch, 16. Januar 2019, 12:13

So kommt die Warnung nicht an

"Für Privatdozentin Eva Hoch, die am Klinikum der Universität München (LMU) eine „Forschungsgruppe Cannabinoide“ leitet, zeigen die Ergebnisse, dass Jugendlichen frühzeitig über die Wirkung von psychotropen Substanzen wie Cannabis begonnen werden sollte."

Hier ist der Redaktion wohl ein lapsus linguae unterlaufen.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 15. Januar 2019, 23:26

Genau deshalb

ist es unverantwortlich, den Handel mit Cannabis ausschließlich Kriminellen zu überlassen! Nur ein legaler Zugang zu Drogen für Erwachsene lässt einen effektiven Jugend- und Konsumentenchutz zu.
Alle Versuche, das Drogenproblem auf der Angebotsseite zu lösen ("War on Drugs"), sind krachend gescheitert.
Nur der illegale Markt versorgt jeden, der bezahlt, benutzt strafunmündige 12-14-Jährige als Kuriere und Verkäufer, da die nicht mal vernommen werden können...
Ein legaler, regulierter und kontrollierter Zugang für über 21-Jährige ist der beste Schutz für Jugendliche, weil ddurch der kriminelle Markt ausgetrocknet werden kann.
Je höher die Strafandrohung, um so höher der Preis und um so größer der Gewinn der Drogenmafia und die mit ihnen zusammenarbeitenden "Geschäftsleute", Justiz. und Polizeibedienstete
Avatar #749369
Ambush
am Dienstag, 15. Januar 2019, 14:56

Ein weiteres Argument gegen die Verharmlosung und Propagierung von Cannabis

http://www.faz.net/aktuell/wissen/drogen-in-der-medizin-cannabis-auf-rezept-14919955.html bzw.: "Und wir haben damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Einzelne, denen die Mittel gut helfen, aber bei den meisten stellen wir die Behandlung nach kurzer Zeit wieder ein.“ Mangels Wirkung oder wegen zu vieler Nebenwirkungen." ... der Artikel in der faz ist recht aufschlussreich, wie wenig berechtigt der Hype um Cannabis in der Medizin in Wahrheit ist... und zwar insgesamt...

Da leider von Cannabis-Konsumenten und Personen aus der Drogenszene immer wieder Cannabis bei ADHS "gepriesen" wird, dazu hier:

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5607-cannabis-und-adhs-studie-zu-sativex-zeigt-keinen-signifikanten-nutzen-bei-adhs/

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5565-medizinischer-einsatz-von-cannabis-bei-adhs/

Ich persönlich halte die Propagierung von Cannabis gegen ADHS für sehr gefährlich: Es wird dadurch eine ohnehin für Cannabis (und auch andere, viel härtere Drogen) überdurchschnittlich anfällige Personen-Gruppe, eben Menschen mit ADHS, zusätzlich gelockt...und nicht nur halbwegs gefestigte Persönlichkeiten werden angelockt, sondern viel mehr noch ungefestigte, unreife junge Menschen mit ADHS, die bis zum ca. 30. Lebensjahr diverse Weichenstellungen in ihrem Leben vor sich haben... man erweist Eltern von Jugendlichen mit ADHS, die ihrem 16-jährigen ADHS-Sohn das Kiffen ausreden und ihn zur stärkeren Beschäftigung mit schulischen Angelegenheiten animieren wollen, einen Bärendienst. Der sich ohnehin in einer schwierigen Lebensphase befindende Jugendliche kann dann sagen. "Aber das Kiffen ist doch gut gegen mein ADHS!" ...eine Zunahme an gescheiterten Schulkarrieren, abgebrochenen Berufsausbildungen und manchmal auch dem Einstieg in den völligen sozialen Absturz... daran machen sich fahrlässig agierende Propagierer von Cannabis gegen ADHS mitverantwortlich...

Eine Freundin von mir mit ADHS-Diagnose hat mit 32 Jahren das erste mal gekifft, nach eigenem Bekunden, um ihre Migräne selbst zu therapieren. Die Folge war bei ihr eine Cannabis-induzierte Psychose mit darauffolgendem monatelangem stationären Psychiatrie-Aufenthalt. Ein einziges Mal Kiffen hat bei ihr dafür ausgereicht...und das im Alter von 32 Jahren. Es bestand bei ihr auch nach ein halbes Jahr später noch eine Residualsymptomatik der Psychose... Das nur mal als abschreckendes Beispiel für die Cannabis-Enthusiasten …

Im Übrigen gibt es in der Bundesrepublik wie auch anderswo in Europa und in USA eine bedenkliche Entwicklung, Drogenkonsum insgesamt als Lifestyle oder gar medizinische Wunderwaffe zu bejubeln...laut Statistiken steigt in den letzten Jahren die Drogen-Kriminalität an, auch die zunehmende gesellschaftliche "Akzeptanz" oder sagen wir Banalisierung insbesondere von Cannabis dürfte da ihren Anteil daran haben. Während man früher Cannabis , LSD , MDMA etc. überzogen kriminalisiert hat, scheint heute das gegensätzliche Problem zu bestehen, nach dem Motto: "Ist doch alles nicht so schlimm." Beides ist grundfalsch. ich denke nicht, das ein Dasein als unproduktiver "Versager, Kiffer, Loser" für das Individuum oder die Gesellschaft erstrebenswert sein sollte....

was massenhafter Drogenkonsum mit einer Gesellschaft anrichten kann, sieht man z.B. an Jemen, Somalia und benachbarten Ländern...in Jemen und Somalia ist jeweils quasi das gesamte Land im kollektiven Kat-Rausch...im Jemen wird statt Weizen nur noch Kat angebaut, sämtliches Getreide muss importiert werden...was das aggressiv machende Kat an Förderung des Terrorismus und islamistischer Strömungen in genannten Ländern alles "geleistet" hat, sollte nicht unterbewertet werden...nun ist Kat zwar nicht direkt mit Cannabis vergleichbar, aber eben ein Beispiel, wie die kulturelle Akzeptanz einer Droge diese Gesellschaft zu Grunde richten kann.... ...anderes Beispiel: der massenhafte, kulturell dort akzeptierte Genuss des "Wässerchens" in Russland...die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion um 20 Jahre gefallen...ein hauptsächlicher "Verdienst" des Alkohols... wehret den Anfängen...

ich habe für bestimmte leuchtende Beispiele aus dem ADHS-Spektrum, die in Foren mit ihrer Drogen- und Cannabis-Propaganda die Gesellschaft zersetzen und anderen Personen indirekt Schaden zufügen, keinen Respekt übrig !
LNS

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