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Laumann beklagt Überforderung von Angehörigen bei Organspende

Dienstag, 15. Januar 2019

/dpa

Düsseldorf – Für seit Jahren niedrige Zahlen an Organspenden hat der nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) vor allem eine mangelhafte Aufklärung der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Eine „fehlende frühzeitige Auseinandersetzung“ mit dem Thema führe häufig zu einer „Überforderung“ von Angehörigen bei der Entscheidung über mögliche Organspenden im Falle des Hirntods eines Angehörigen, sagte Laumann heute dem Gesundheitsausschuss im Düsseldorfer Landtag.

Deshalb würden Organspenden in der Regel abgelehnt, wenn der Verstorbene dies zuvor nicht ausdrücklich verfügt habe. Insbesondere bei Angehörigen muslimischer Patienten bestehe ein hoher Beratungsbedarf. Laumann hatte in den vergangenen Monaten alle 19 Kliniken mit einer neuro­chirurgischen Abteilung in Nordrhein-Westfalen besucht, um sich ein Bild über die Probleme bei der Organisation von Organspenden zu machen.

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Oftmals werde von den Angehörigen eine Absetzung der Therapie eingefordert, um im Falle einer Todesprognose dem Patienten weiteres Leiden zu ersparen, berichtete Laumann. Dies führe dazu, dass Geräte zur Aufrechterhaltung der Herz-Kreislauf-Funktionen abgestellt würden. Damit werde jedoch die zur Organentnahme notwendige Feststellung des Hirntods und eine Erörterung über die Möglichkeit einer Organspende mit den Angehörigen unmöglich. In vielen Fällen scheiterten Organentnahmen auch daran, dass in Patientenverfügungen lebensverlängernde Maßnahmen ausgeschlossen würden. Damit sei auch die für eine Organspende notwendige Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen nicht möglich, obwohl die Patienten dazu grundsätzlich bereit seien.

Der früherer Patientenbeauftragte der Bundesregierung plädierte dafür, in standardisierten Patientenverfügungen eine Zustimmung zu intensivmedizinischen Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntods aufzunehmen. So werde gewährleistet, dass Organspenden nicht von vornherein medizinisch-technisch ausgeschlossen würden, obwohl der Patient seine Bereitschaft dazu bekunde. Zudem verlangte der Minister, die Organspende regelmäßig bei den Arztvisiten im Krankenhaus zu thematisieren.

Die Zahl der Organspenden in Deutschland war 2018 erstmals seit 2010 wieder angestiegen. Bundesweit haben im vergangenen Jahr 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit. Das entspricht 11,5 Spendern pro einer Million Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr (797 Spender) bedeutet das eine Steigerung von knapp 20 Prozent. 2012 hatte es letztmals mehr Organspenden gegeben – nämlich 1.046.

Im bundesweiten Vergleich landet Nordrhein-Westfalen bei der Organspende auf dem letzten Platz. 2018 stieg dort die Zahl der Organspender zwar um 17 auf 163. Es spendeten aber nur 9,1 Menschen pro eine Million Einwohner. Die höchsten Spenderquoten verzeichnet die DSO mit 16,8 in der Region Ost und 16,3 in der Region Nordost. © kna/aerzteblatt.de

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