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In-Vitro-Fer­tilisation: Geschwisterstudie findet keine erhöhten Geburtsrisiken

Dienstag, 15. Januar 2019

/dpa

Rostock – Die höhere Rate von Früh- und Mangelgeburten, zu denen es nach einer künstlichen Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation, IVF)  kommt, ist laut einer Vergleichsstudie mit Geschwisterkindern im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31863-4) nicht auf die medizinisch assistierte Reproduktion zurückzuführen.

Eine Vielzahl von Studien hat gezeigt, dass Schwangerschaften nach einer künstlichen Befruchtung häufig frühzeitig enden und das Geburtsgewicht der Kinder vermindert ist. Dies wird überwiegend darauf zurückgeführt, dass viele Frauen, die eine assistierte Reproduktion wünschen, ungünstige Risiken aufweisen. Dies können ein höheres Alter oder eine Adipositas sein. Aber auch die Ursache der Unfruchtbarkeit kann im Prinzip den Ausgang einer Schwangerschaft beeinflussen, selbst wenn die Befruchtung im Reagenzglas erfolgte.

Dennoch sind die meisten Experten überzeugt, dass ein gewisses Restrisiko bleibt, das allein auf die IVF-Technik und die begleitende Hormonbehandlung zurückzuführen ist. Auch Mikko Myrskylä, Direktor am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, ermittelte in einer Analyse der finnischen Geburtsregister zunächst ein erhöhtes Risiko.

Der Demograf hatte eine Zufallsstichprobe von 65.723 Kindern untersucht, die in den Jahren 1995 bis 2000 in Finnland geboren wurden. Darunter waren 2.776 Kinder (4 %), die nach einer IVF geboren wurden. Diese Kinder hatten im Durchschnitt ein um 60 Gramm niedrigeres Geburtsgewicht (95-%-Konfidenzintervall 34 bis 86 Gramm) und der Anteil der Frühgeburten war um 2,15 Prozentpunkte (1,07-3,24) höher als bei den natürlich gezeugten Kindern. Diese Analyse berücksichtigte bereits eine Reihe von Begleitfaktoren (wie Alter und Body-Mass-Index), die statt der assistierten Reproduktion das erhöhte Risiko erklären könnten – jedoch offenbar nicht alle, wie eine weitere Analyse zeigt.

Myrskylä verglich dazu 1.245 Geschwister, von denen jeweils mindestens eins natürlich und eins künstlich gezeugt worden war. Da diese Kinder die gleichen Eltern haben, lässt sich der Einfluss von Begleitfaktoren weitgehend eliminieren. Das Geburtsgewicht der IVF-Kinder war in dieser Analyse im Durchschnitt nur noch um 31 Gramm niedriger. Das 95-%-Konfidenzintervall reichte von einem um 85 Gramm niedrigeren bis zu einem um 22 Gramm höheren Geburtsgewicht, weshalb das Ergebnis statistisch nicht signifikant und mithin ein Zufall nicht auszuschließen ist.

Ähnlich sind die Ergebnisse zur Frühgeburtenrate. Sie war zwar bei den ICF-Kindern um 1,56 Prozentpunkte höher. Das 95-%-Konfidenzintervall reicht jedoch von einer Zunahme um 4,38 Prozentpunkte bis zu einem Rückgang um 1,26 Prozentpunkte, wonach durch die assistierte Reproduktion Frühgeburten vermieden würden (was jedoch niemand annimmt).

Die weiten 95-%-Konfidenzintervalle sind Folge der relativ geringen Fallzahl. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse von Myrskylä mit Vorbehalt zu interpretieren sind. Es bleibt abzuwarten, ob andere Studien sie bestätigen werden.

Für die Beratung der Paare ändert sich wenig. Die Ärzte werden sie weiter darauf hinweisen müssen, dass die Gefahr von Früh- und Mangelgeburten erhöht ist, auch wenn die Ursachen dafür möglicherweise nicht in der assistierten Reproduktion zu suchen sind.

© rme/aerzteblatt.de

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