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Medizin

Candidainfektion kann Gedächtnis einschränken

Mittwoch, 16. Januar 2019

Candida albicans /dpa

Houston – Eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans hat im Tierversuch Gedächt­nisprobleme und Hirnanomalien verursacht, die denen der Alzheimerkrankheit ähneln. Das berichten Wissenschaftler um David Corry vom Baylor College of Medicine in Houston in der Zeitschrift Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-018-07991-4). 

Candida albicans ist eine Pilzart, die auf natürliche Weise im menschlichen Darm, Mund und Scheide wächst. Die neue Forschung zeigt laut den Autoren, dass der Pilz in das Gehirn eindringen, eine Entzündungsreaktion auslösen und das Gedächtnis bei Mäusen beeinträchtigen kann. Die Infektion führt dabei zur Bildung abnormaler Strukturen im Gehirn, die Ähnlichkeiten mit Amyloid-Plaques aufweisen – einem Markenzeichen der Alzheimerkrankheit.

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Die Wissenschaftler testeten mehrere Dosen von Candida albicans in einem Mausmodell der Infektion. Sie waren nach eigenen Angaben überrascht, als sie feststellten, dass der Pilz die Blut-Hirn-Schranke durchdrang. Im Gehirn aktivierte die Hefe Mikrogliazellen, welche die Pilze aufnahmen und verdauten.

Sie produzierten dabei eine Reihe von Molekülen, die eine entzündliche Reaktion auslösten und zur Bildung einer „körnigen Struktur im Gehirn“ führte. Die Forscher nannten diese Struktur „pilzinduziertes Glialgranulom, kurz FIGG“. Sie stellten fest, dass sich bei der Bildung von FIGGs Amyloid-Vorläuferproteine und Moleküle eines Proteins namens Amyloid beta um die Hefezellen herum entwickelten.

Amyloid Beta- und Amyloidvorläuferproteine bilden die toxischen Hirnablagerungen, die die Alzheimerkrankheit charakterisieren. Die Wissenschaftler testeten dann das Gedächtnis der Mäuse und verglichen die infizierten Nagetiere mit Nagetieren, die keine Hefeinfektion hatten: Mäuse mit der Infektion zeigten ein vermindertes räumliches Gedächtnis.

Als sich die Infektion jedoch löste, kehrte das räumliche Gedächtnis der Mäuse wieder zur Normalität zurück. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Rolle, die Pilze bei menschlichen Erkrankungen spielen, möglicherweise weit über allergische Atemwegserkrankung oder Sepsis hinausgeht“, sagte Corry. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 21. Januar 2019, 00:45

Lesen und Verstehen

sind zwei grundverschiedene Dinge.

In dieser Arbeit haben die Forscher die Wirkung einer subletalen Dosis von candida albicans auf das Hirn von Mäusen untersucht. Die absolute Menge an inokulierten Hefezellen ist mit 25 000 auf den ersten Blick gering. Grob geschätzt dürfte bei einer Maus mit einem Gewicht von 40 g ein Blutvolumen von 2,5 ml zusammen kommen, das macht eine Erregerlast von ca. 10 000/ml Blut.

Die tödliche Dosis liegt lt. paper bei 100 000 bis 1 000 000 Hefezellen. Die inokulierte Dosis ist ein Viertel der Dosis, die bereits für einen Teil der Tiere tödlich ist. Dies aber als „low-grade“ candidemia zu bezeichnen ist schon ein ziemlicher Euphemismus, der bei Personen ohne das notwendige Fachwissen zu Missverständnissen führen kann. Wenn bei einer derartigen Dosis im Gehirn der Mäuse Effekte beobachtet werden, so ist dies interessant, aber nicht weiter verwunderlich. Nur stellt sich die Frage, sind diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar?

1. Bei einer „normalen“ Sepsis beträgt die Erregerlast nur wenige cfu/ml. Eine Erregerlast von 10 000 cfu/ml dürfte für die meisten Menschen mit einer tödlichen Sepsis verbunden sein.
2. Entgegen den Behauptungen aus der alternativmedizinischen Ecke sind die meisten Menschen mit Sprosspilzen besiedelt, auffällig werden diese Sprosspilze allerdings erst bei Abwehrschwäche oder wenn nach Antibiotikagabe die Normalflora beeinträchtigt ist.
3. Die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke durch Sproßpilze ist außerst selten und nur im Rahmen einer Sepsis möglich. Der Nachweis von candida in der Blutkultur ist selten (das weiß ich aus eigener beruflicher Erfahrung) und der Nachweis im Gehirn ist ebenfalls selten (früher wurde mehr obduziert, wenn Pathologen regelmäßig derartige Zufallsbefunde gemacht hätten, dann würde es darüber Publikationen geben.

Das bedeutet, entgegen den Behauptungen aus der alternativmedizinischen Ecke spielt candida beim Menschen als Erreger von ZNS-Infektionen nur eine untergeordnete Rolle. Wer unter Gedächtnisproblemen leidet (siehe Überschrift), sollte eine andere Ursache suchen. Die Behauptung von kapka, dass gesunde Menschen frei von candida wären ist übrigens auch Unfug. Gerade bei gynäkologischen Abstrichen ist candida relativ häufig nachweisbar. Und die Behauptung von kapka über den Zusammenhang von candida und Schwermetallbelastung wäre wesentlich glaubwürdiger, wenn sie durch seriöse Quellen untermauert wäre.
Avatar #755495
kapka
am Donnerstag, 17. Januar 2019, 05:48

Na endlich ...

Endlich begreift die Wissenschaft mal etwas über Candida albicans, was Naturheilkundler schon seit Jahren wissen: Überwindung der Blut-Hirn-Schranke, Erzeugung von Erkrankungen im Gehirn usw. Reichlich spät liebe Wissenschaftler und wo ihr doch die Aussagen zu Candida immer für "Spinnerei" gehalten habt...
Übrigens wächst Candida Albicans ganz und gar nicht auf natürliche Weise im Darm usw. sondern hat dort bei gesunden Menschen rien gar nichts zu suchen bzw. wächst auch nicht und breitet sich auch nicht aus. DAS passiert erst dann, wenn es notwendig wird, z.B. um Schwermetalle wie Quecksilber im Darm zu binden. Quecksilberbelastungen gehen fast immer mit einem Wachstum von Cand.albicans einher. Diese Pilze nehmen das Quecksilber auf und verhindern damit eine erneute Aufnahme aus dem Darm in den Körper. Daher sollte man bei Candida im Darm UND Schwermetallbelastung NIEMALS Medikamente einsetzen, die den Candida zerstören (wie Nystatin), dann werden nämlich die gespeicherten Schwermetalle mit einem Schlag freigesetzt und erneut in den Körper aufgenommen, was dann meist erst recht zu einer ernsthaften Erkrankung führt. Besser ist es, den Pilz samt seiner "Wurzeln" (Hyphen) aus dem Darm zu schaffen ohne ihn dabei zu zerstören, was man z.B. mit einer Kur mit bestimten Kräutern bestens erreichen kann.
LNS

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