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Projekt zur flächendeckenden Behandlung von Schlafstörungen initiiert

Donnerstag, 17. Januar 2019

/dpa

Freiburg – Das Universitätsklinikum Freiburg startet ein Projekt namens „Get Sleep – Stepped Care Modell für die Behandlung von Schlafstörungen“. Darin soll ein Stufenmodell aus hausärztlicher und Onlinebehandlung lange Wartezeiten für Psychotherapie vermeiden. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundes­ausschusses (G-BA) fördert Get Sleep über vier Jahre mit insgesamt mehr als sechs Millionen Euro.

„Der flächendeckende Umgang mit Schlafstörungen widerspricht schon seit Jahren den medizinischen Leitlinien. Statt wie empfohlen Psychotherapie zu machen, nehmen die meisten Betroffenen Medikamente ein. Nicht zuletzt, weil Plätze bei Therapeuten rar sind“, erläuterte Kai Spiegelhalder, stellvertretender Abteilungsleiter Psychophysiologie und Schlafmedizin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitäts­klinikums Freiburg. Spiegelhalder leitet das Projekt gemeinsam mit Abteilungsleiter Dieter Riemann.

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Das Programm sieht eine mehrstufige Behandlung vor: Zunächst klärt ein entsprechend geschulter Hausarzt mögliche Ursachen für die Schlafstörungen. Rund 500 Hausärzte in Baden-Württemberg und Bayern sollen an dem Projekt teilnehmen. „Der Hausarzt kennt die gesundheitliche Situation seines Patienten meist sehr gut und sollte deshalb der erste Ansprechpartner bei Schlafstörungen sein“, sagte Spiegelhalder. Ein wesentlicher Teil des Projekts sei darum die Weiterbildung und Sensibilisierung von Hausärzten für neue Therapieansätze von Schlafstörungen.

Ist eine psychotherapeutische Behandlung nötig, kommt das nächste Modul des Projektes zur Anwendung. „Ein von uns entwickelte Online-Behandlungsprogramm ist speziell auf Schlafstörungen zugeschnitten und basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie von Insomnien“, erklärte Riemann. In vier bis acht Sitzungen von je 25 Minuten erhalten die Betroffenen Informationen zu Schlafstörungen und deren Bewältigung. Im Anschluss bespricht der Patient die Ergebnisse mit seinem Hausarzt. Sollte keine Besserung eingetreten sein, kann dieser den Patienten an ein schlafmedizinisches Zentrum überweisen.

Die Wissenschaftler wollen in dem Projekt auch mehrere Varianten der Online­behandlung vergleichen: Ein Teil der Patienten wird die Schulung anhand von Videos und Texten erhalten. Ein weiterer Teil wird per Livechat mit einem Therapeuten verbunden. In einer dritten Gruppe erhalten die Teilnehmer eine Kombination aus Livechat und vorgefertigter Schulung.

Get Sleep soll über vier Jahre laufen. Beteiligt sind neben dem Universitätsklinikum Freiburg der Lehrbereich Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Freiburg, das Get.On-Institut aus Hamburg, die Universität Ulm, das Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Würzburg, das Zentrum für Schlafmedizin Nürnberg, die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sowie die Barmer Krankenkasse. © hil/aerzteblatt.de

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