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Medizin

Darmbakterium könnte vor Milchallergie schützen

Mittwoch, 16. Januar 2019

/Aliaksandr Marko, stockadobecom

Neapel – Die Darmflora hat offenbar einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature Medicine (2019; doi: 10.1038/s41591-018-0324-z). Dort konnten keimfrei aufgewachsene Mäuse durch die Stuhltransplantation von gesunden Säuglingen vor einer Milchallergie geschützt werden. Zu den protektiven Bakterien gehörte Anaerostipes caccae, das Grundlage für eine Therapie werden könnte.

Die Zahl der Kinder, die an einer Milchallergie erkranken, hat in den letzten Jahren zugenommen. Es handelt sich wie die Neurodermitis um eine atopische Erkrankung, die sich – im Gegensatz zur Laktoseintoleranz, die keine Allergie ist – bei den meisten Kindern auswächst.

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In früheren Studien hatte ein Team um Roberto Berni Canani von der Universität Neapel zeigen können, dass sich die Darmflora von Säuglingen, die an einer Milchallergie leiden, von der Darmflora gesunder Kinder unterscheidet.

Jetzt hat Canani zusammen mit einem Team um Cathryn Nagler von der Universität Chicago ein Krankheitsmodell für die Milchallergie entwickelt. Bei keimfrei aufgewachsenen Mäusen konnten sie durch eine orale Exposition mit Beta­laktoglobulin (plus Choleratoxin als Adjuvans) eine Milchallergie provozieren. Bei Mäusen mit einer normalen Darmflora gelang dies nicht. Auch Tiere, die keimfrei aufwuchsen und dann die Darmbakterien von gesunden Säuglingen erhielten, waren gegen eine Milchallergie gefeit. Anders war dies bei Mäusen, denen die Darmflora von erkrankten Säuglingen übertragen wurde. Bei diesen löste die orale Exposition mit Betalaktoglobulin eine schwere allergische Reaktion mit einem Abfall der Kernkörpertemperatur und der Bildung von spezifischen IgE- und IgG-Antikörpern aus.

Die Experimente zeigen, dass die Darmflora eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung einer Milchallergie hat. Canani und Nagler vermuten, dass die Zunahme von Nahrungsmittelallergien eine Folge des Lebensstils im 21. Jahrhundert ist, der gekennzeichnet ist durch den Missbrauch von Antibiotika, einer veränderten Säuglingsernährung und einer Zunahme der Kaiserschnitte. Diese Faktoren könnten die Darmflora verändern und die Säuglinge dadurch anfälliger für eine Milchallergie machen.

Eine Stuhltransplantation wäre sicherlich eine Übertherapie der Milchallergie und derzeit nur schwer umsetzbar. Es könnte jedoch eine einfachere Lösung geben. Canani und Nagler konnten in weiteren Analysen einige Bakterien isolieren, die für die Schutzwirkung verantwortlich sein könnten. Darunter war das Bakterium Anaerostipes caccae, das zur Klasse der Clostridia gehört.

Nagler und ihre Kollegen hatten in einer früheren Studie gezeigt, dass Clostridiae vor einer Nussallergie schützen (PNAS 2014; 111: 13145-13150). Diese Bakterien produzieren Butyrat, eine kurzkettige Fettsäure, die nach derzeitigem Kenntnisstand ein essenzieller Nährstoff für den Aufbau einer gesunden Darmflora ist.

Dies legt nahe, dass Butyrat-produzierende Bakterien vor Nahrungsmittelallergien schützen könnten. Die US-Forscher haben bereits eine Firma („ClostraBio“) gegründet, die die therapeutischen Möglichkeiten von Probiotika oder anderer Biotherapeutika ausloten soll. © rme/aerzteblatt.de

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