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Politik

Bremen diskutiert über Medizinstudiengang

Mittwoch, 16. Januar 2019

/dpa

Bremen/Hannover – Bremen könnte in den kommenden Jahren einen Medizin­studiengang bekommen. Hintergrund der Überlegungen sind der Ärztemangel und die bundesweit zu geringe Zahl an Studienplätzen für angehende Mediziner. Nach Angaben aus dem Bremer Gesundheits- und Wissenschaftsressort diskutierten Politiker und Fachleute heute in der Bürgerschaft, wie der Studiengang konkret aussehen könnte. Es sei klar, dass es einen Bedarf an medizinischen Ausbildungsplätzen und Fachpersonal gebe, sagte Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD).

Die Geschäftsführerin des Klinikverbundes Gesundheit Nord, Jutta Dernedde, sagte, Bremen habe sehr gute Voraussetzungen für einen Medizinstudiengang. „Es ist vieles vorhanden, was man für die Ausbildung braucht“, sagte sie. „Wir sind schon ein herausragender Medizinstandort.“ Die Präsidentin der Ärztekammer in Bremen, Heidrun Gitter, verwies darauf, dass eine Medizinausbildung auch den Wirtschaftsstandort stärken würde.

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Kritischer äußerte sich Walter Klingelhöfer von den Freien Kliniken Bremen. Er befürworte zwar eine Machbarkeitsstudie, sehe aber auch einige Risiken. „Es wird lange dauern, es wird eine Menge Geld kosten.“ Der Aufbau eines Medizinstudiengangs dürfe keine negativen Auswirkungen auf dringend nötige Investitionen haben. Mehrere Redner verwiesen auf die Folgen des Medizinermangels. „Ärztemangel ist Realität, das kommt bei uns allen an“, sagte der Geschäftsführer des Klinikums Bremerhaven, Tido Junghans. Wichtig sei aber, auch andere Gesundheitsberufe im Blick zu behalten.

Im Nachbarland Niedersachsen hatte jüngst Ärztekammer­präsidentin Martina Wenker zusätzliche Medizinstudienplätze gefordert. Kritiker eines neuen Studiengangs in Bremen verweisen auf die hohen Kosten, die entstehen würden.

Nach einer Beschlussvorlage aus dem Wissenschaftsressort gibt es zwei Möglichkeiten für eine Medizinausbildung in Bremen. Zum einen könnte ein vollständiger Studiengang inklusive vorklinischem und klinischen Teil sowie dem Praktischen Jahr aufgebaut werden. Der kostengünstigere Vorschlag sieht vor, dass die Studierenden den theoretischen Teil in den ersten vier Semestern woanders absolvieren. Dafür wäre eine Kooperation mit einer anderen Universität nötig. Auch ein internationaler Partner sei denkbar, heißt es in der Vorlage.

Kooperationsmodelle sind auch für Niedersachsen geplant. So sollen am Campus des Klinikums Braunschweig vom Wintersemester 2020/21 an mindestens 60 Studierende pro Jahr den klinischen Teil ihres Studiums absolvieren. Die ersten zwei Jahre lernen sie an der Universität Göttingen. Wenker hält weitere Kooperationen für möglich. „Ein ähnlicher Campus könnte auch am Klinikum Osnabrück und am Klinikum Region Hannover entstehen, etwa in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover“, sagte die Ärztekammerpräsidentin Anfang Januar.

In Niedersachsen studierten 2017/2018 laut Wissenschaftsministerium 4.623 Frauen und Männer Medizin. Die Zahl der Studienanfängerplätze der European Medical School in Oldenburg wird zum Wintersemester 2019/2020 von 40 auf 80 verdoppelt.

Nach dem Vorschlag des Bremer Ressorts sollen die Universität der Hansestadt sowie die Kliniken in Bremen und Bremerhaven nun ein Konzept entwickeln. Zudem brauche es Pläne für die mögliche Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern.

Die Bürgerschaft sollte spätestens im März über das weitere Vorgehen entscheiden. Bis zum August sollten die Entwicklungskonzepte vorliegen. Die Entscheidung über den Aufbau einer Medizinausbildung soll dem Fahrplan nach Anfang 2020 fallen. Falls der Senat zustimmt, könnte der Studiengang mit dem Wintersemester 2022/23 starten. © dpa/aerzteblatt.de

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