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Politik

Pflege hat in der Politik zu geringen Stellenwert

Mittwoch, 16. Januar 2019

/dpa

Berlin – Dem Pflegebereich kommt in der Politik aus Sicht vieler Beteiligter nur eine niedrige Bedeutung zuteil. 74 Prozent der Befragten äußerten sich in einer heute in Berlin vorgestellten Umfrage entsprechend und damit mehr als noch vor einem Jahr. Den gesellschaftlichen Stellenwert der Pflegeberufe schätzten 38 Prozent demnach geringer ein als den von anderen Berufsgruppen – ein Minus von zehn Prozentpunkten gegenüber der Vorjahresbefragung.

Das Marktforschungsinstitut Psyma Health & Care hatte in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Pflegetag 2.226 Menschen für den „Care Klima-Index 2018“ befragt – darunter vor allem Pflegefachkräfte, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, aber auch Ärzte, Apotheker sowie Vertreter von Industrie, Kostenträgern, Verbänden und Kommunen. Die Umfrage wurde zum zweiten Mal nach 2017 durchgeführt.

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Ursache der geringen Wertschätzung könnte das Image des Berufes durch die schwierigen Arbeitsbedingungen sein, vermutete der Präsident des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner. „Zentrales Problem ist die chronisch hohe Arbeitsbelastung, die durch die Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen noch verschärft wird.“ Auch immer mehr Menschen außerhalb der Berufsgruppe würden die Herausforderungen mit der Versorgung hautnah erleben.

Laut der Umfrage schätzen 29 Prozent die Qualität der Pflegeversorgung als „mangelhaft“ ein. 60 Prozent bewerteten die Arbeitsbedingungen der Fachkräfte als „schlecht“. 71 Prozent glauben, dass die personelle Ausstattung nicht ausreicht.

Auch für die Zukunft äußern sich die Befragten skeptisch: 42 Prozent gehen davon aus, dass die Pflegeversorgung nur teilweise sichergestellt sein wird. 46 Prozent meinen sogar, sie werde gar nicht sichergestellt sein. 76 Prozent glauben zudem nicht daran, dass der Bedarf an Pflegepersonal in den kommenden zehn Jahren gedeckt werden kann.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sagte angesichts der Ergebnisse, die Pflege stehe doch ganz oben auf der politischen Agenda. Er warb für eine stärkere Zusammenarbeit in der Pflege. Die Aufgaben zwischen den Gesundheitsberufen müssten neu verteilt werden. „Die Gesundheitsversorgung der Zukunft werden nicht spezialisierte Einzelkämpfer bewältigen können, sondern interprofessionelle Teams.“

Eine große Mehrheit von 86 Prozent der Befragten sprach sich in der Umfrage indes für eine Ausweitung der Leistungen der Pflegeversicherung aus. Immerhin noch 77 Prozent wären bereit, dafür einen höheren Beitrag zu zahlen.

Die Linken-Pflegeexpertin Pia Zimmermann bezeichnete die Ergebnisse der Befragung als wenig überraschend. „Pflegefachkräfte und Betroffene lassen sich nicht so leicht täuschen, sondern messen die Bundesregierung an ihren Taten“, erklärte sie. „Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium erscheint vielen Pflegekräften als eine einzige PR-Maschine“, erklärte die Grünen-Pflegeexpertin Kordula Schulz-Asche.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte: „Offensichtlich glauben die Betroffenen nicht, dass die Reformpläne den großen Umschwung in der Pflege bringen werden.“ Für Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) müssten die Alarmglocken läuten. „Das von ihm versprochene Signal, dass die Situation besser wird, ist nicht angekommen. Es fehlt weiter ein schlüssiges Gesamtkonzept für eine zukunftssichere Pflege.“

Spahn hatte unter anderem zum Jahreswechsel mit einem Gesetz 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege angedacht und die Finanzierung neuer Pflegestellen in Krankenhäusern umgesetzt. © kna/aerzteblatt.de

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