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Ärzteschaft

Informationskampagne will Kinder vor Gewalt und Verwahrlosung schützen

Donnerstag, 17. Januar 2019

/Jasmin Merdan, stockadobecom

Düsseldorf – Vorsorgehefte für Kinder- und Jugenduntersuchungen enthalten in Düsseldorf künftig ein Einlegeblatt mit Adressen, die Eltern bei Kindeswohlgefährdung weiterhelfen sollen. Vorgesehen ist auch, Ärzte und Medizinische Fachangestellte zu schulen, wie sie Eltern mit den Informationen vertraut machen. Das Vorhaben ist Teil eines Pilotprojekt des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und des Jugendamts der Stadt Düsseldorf, wie die Kinderärzte gestern mitteilten.

Das Einlegeblatt haben Düsseldorfer Kinder- und Jugendärzte gemeinsam mit dem Jugendamt der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und Trägern der Frühen Hilfen entwickelt. Ziel ist es, vorzubeugen. „Gewalt und Vernachlässigung von Kindern in Familien sind oft Symptom von Überforderung“, sagte BVKJ-Sprecher Josef Kahl.

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Überforderung von außen zu erkennen und zu verhindern, bevor es überhaupt zu Gewalt und Vernachlässigung komme, sei schwierig. Eltern schämten sich sehr oft, Ärzten bei einer Früherkennungsuntersuchung oder einer normalen Ordination ihre Überforderung zu schildern. „Viele wissen nicht, dass es vorbeugende Hilfen gibt“, schilderte Kahl.

„Wirksamer Kinderschutz gelingt, wenn Familien Unterstützung und Förderung erhalten und in schwierigen Lebenslagen und bei Krisen nicht allein gelassen werden“, erläuterte Stephan Siebenkotten-Dalhoff, Abteilungsleiter Soziale Dienste im Jugendamt Düsseldorf. In Düsseldorf gebe es eine große Vielfalt von Beratungs-, Bildungs- und Hilfeangeboten für Kinder, Jugendliche und Familien. Damit diese genutzt werden könnten, müssten Familien sie aber auch kennen und damit in Kontakt kommen.

„Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind und sie sind bereit, sich Unterstützung zu holen, wenn sie wissen, wo sie zu finden ist“, ergänzte Gabriele Komesker, ärztliche Leiterin der Kinderschutzambulanz am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. „Wir können und sollten Eltern in die Prävention von Gewalt einbinden, wo immer es möglich ist, das heißt wir müssen ihnen zeigen, wo sie Hilfe finden, bevor ihre Kinder leiden.“

Komesker verwies darauf, dass man bei der Kinderschutzambulanz täglich die Erfahrung mache, dass mit wenig Aufwand viel für Kinder erreicht werden könne. Das gelte gerade bei Babys und Kleinkindern, bei denen oft wenige Termine ausreichten, um Gewalt und anderen Fehlentwicklungen vorzubeugen.

Das Einlegeblatt wurde bisher in fünf Düsseldorfer Kinder- und Jugendarztpraxen getestet. Die Reaktion der Eltern ist den Initiatoren zufolge noch nicht genau zu beurteilen. Die Eltern seien aber überwiegend interessiert, hieß es. Die Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, begleitet das Projekt wissenschaftlich. Ergebnisse werden Ende dieses Jahres erwartet.

Kinder- und Jugendärzte aus benachbarten Städten haben bereits großes Interesse gezeigt und wollen Ähnliches in ihrer Region realisieren. Zeigt die Evaluation einen Erfolg, soll das Projekt bundesweit ausgerollt werden. © may/aerzteblatt.de

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