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Medizin

Bluthochdruck: Empfehlungen für Pharmakotherapie gebrechlicher älterer Menschen

Donnerstag, 17. Januar 2019

/Photographee.eu, stockadobecom

Köln – Soll man körperlich gebrechliche Patienten mit Bluthochdruck genauso therapieren wie jüngere? Empfehlungen dazu gibt eine Arbeitsgruppe um Michael Denkinger, Geriatrie der Universität Ulm, Geriatrisches Zentrum Ulm/Alb-Donau, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm, in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts basierend auf einer Übersichtsarbeit (Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 23-30).

Eine Klärung der Frage ist wünschenswert, weil die derzeitigen Empfehlungen für Zielblutdruckwerte und eine Pharmakotherapie der arteriellen Hypertonie bei älteren Menschen heterogen sind. Zwar liegen abhängig vom Alter verschiedene Empfeh­lungen vor, unter anderem des American College of Cardiology und der Deutschen Hochdruckliga. In Abhängigheit der Gebrechlichkeit differenziert bisher aber nur die ESC-Leitlinie aus 2018.

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Die Hypertonietherapie stellt gerade bei älteren Menschen bezüglich Verträglichkeit und Komplikationen eine besondere Herausforderung dar. Während man allerdings davon ausgehen kann, dass ältere, nicht gebrechliche Hypertoniker analog zu jüngeren behandelt werden können, ist es unklar, ob körperlich gebrechlich Patienten ebenfalls von einer solchen Therapie profitieren.

Die Autoren suchten daher systematisch nach Studien zur Pharmakotherapie der arteriellen Hypertonie älterer Menschen seit Einführung des Begriffs „Gebrechlichkeit“ (frailty). In ihre Auswertung konnten sie 4 randomisierte kontrollierte (RCT) und 3 Beobachtungsstudien einbeziehen.

Während die RCTs zeigten, dass auch körperlich gebrechliche Patienten von der pharmakologischen Behandlung der Hypertonie im Hinblick auf Mortalität, kardio­vaskuläre Erkrankungen, Funktionalität und Lebensqualität profitieren könnten, weisen die Beobachtungsstudien zum Teil auf eine geringere Sturzrate und Sterblichkeit ohne eine antihypertensive Behandlung hin.

Vorschlag für Richtwerte

Aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse zwischen den Studienarten, der geringen Repräsentation gebrechlicher Teilnehmer in den RCTs und einem hohen Verzerrungs­risiko in den Beobachtungsstudien reichen die Resultate nach Ansicht der Autoren nicht aus, um streng evidenzbasierte Therapieempfehlungen daraus abzuleiten.

Als Richtwerte schlagen sie vor, bei einer Gehgeschwindigkeit von weniger als 0,8 m/s einen systolischen Blutdruck von unter 150 mmHg anzustreben. Bei nicht oder nur leicht gebrechlichen Patienten im Alter über 80 Jahre sollte ein systolischer Wert von 130 bis 139 mmHg anvisiert werden. © Se/aerzteblatt.de

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Mabued
am Samstag, 19. Januar 2019, 18:52

Dr. Mabued

Im Dezember 2018 wurde ich zu drei Leichenschauen bei vor dem Bett knienden und mit dem Kopf auf dem Bett liegenden Patienten gerufen. Dies geschah in verschiedenen Altenheimen in nur 3 ÄBD-Nachtdiensten. Pflegepersonal und Angehörigen waren bei dem Anblick entsetzt.
Es handelte sich um alte, noch mit Hilfe mobile Patienten, welche kurz vorher wegen orthostatischer Beschwerden, Exsikkose, Hypotonie, Bewusstseinsstörung, Rhythmusstörung … in Kliniken behandelt wurden.
Bei keinem der Patienten war in der Entlassungsmedikation eine Dosisreduktion der Blutdruckmedikamente vorgenommen worden.
In den Akten war in keinem der Fälle in den letzten 3 Monaten ein systolischer Blutdruckwert über 150mm Hg verzeichnet. Die Bettgitter wurden auf Grund der ansonsten stattfindenden Freiheitsberaubung zur Sicherung nicht verwendet. In 2 Fällen lagen Sturzmatten vor dem Bett.
Endlich werden Probleme bei der Fortführung der Dauermedikation von alten Menschen thematisiert, und die Leitlinien von einzelnen Zielgruppen hinterfragt.
Und wenn ich dann noch sehe, dass ein Cocktail aus zehn verschiedenen Medikamenten im Mörser hergestellt und über die PEG verabreicht wird, dann frage ich mich, wer das anordnet.
Ich habe vor 45 Jahren im Studium gelernt, dass man so etwas nicht machen darf, da sich Chelate bilden können und die Wirkung eines solchen Pulvers nicht getestet wurde. Von der Industrie lese und höre ich immer wieder, dass durch komplizierte Herstellungsverfahren die Medikamente nur so (dünndarmlöslich, verkapselt, Depotfunktion …) wirken können und daher so teuer sind (Oder jeder Patient erhält in Zukunft eine Kapsel mit 10 verschiedenen Medikamenten).
Aber ich bin nur Arzt im ÄBD und als Notarzt seit über 35 Jahren tätig. Vielleicht liege ich da mit meinen Vorstellungen aber auch völlig falsch.
LNS

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