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Medizin

AMD: Stammzelltherapie könnte Erblindung verhindern

Freitag, 18. Januar 2019

/ChmpagnDave, stockadobecom

Bethesda/Maryland – US-Wissenschaftler haben eine Stammzelltherapie für die trockene Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) entwickelt, einer Hauptursache für Erblindungen im Alter. Ein Transplantat aus retinalen Pigmentzellen hat bei Nagern und Schweinen mit geografischer Atrophie das Absterben der Sinneszellen in der Netzhaut verhindert. Die in Science Translational Medicine (2019; 11: eaat5580) vorgestellte Therapie soll demnächst in einer klinischen Studie erprobt werden.

Die fortgeschrittene „trockene" Form der AMD ist die Hauptursache für den Sehverlust von Patienten im Alter von über 65 Jahren. Die Erkrankung beginnt mit Ablagerungen in der Retina, den sogenannten Drusen. Diese zerstören die retinalen Pigmentzellen, die eine Ernährungsfunktion für die Zapfen und Stäbchen der Retina haben. Die Drusen dehnen sich langsam aus. Die Netzhaut ähnelt dann mehr und mehr einer Landkarte, was als geografische Atrophie bezeichnet wird.

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Bislang gibt es bei der trockenen AMD keine Möglichkeit, eine Erblindung zu verhin­dern. Sie kann jedoch in Einzelfällen durch eine Augenoperation hinausgezögert werden. Dabei wird ein Transplantat, bestehend aus Pigmentepithel und Aderhaut von einer gesunden Stelle des Auges entnommen und unter die erkrankte Netzhaut transplantiert. Die Ernährung der Sinneszellen ist dann für eine gewisse Zeit wieder hergestellt. Der Erfolg hält jedoch nur wenige Monate an, weshalb diese autologe Translokation nur selten durchgeführt wird.

Eine Alternative zur Translokation könnte eine Behandlung mit retinalen Pigmentzellen sein, die im Labor aus Stammzellen des Patienten hergestellt werden. Dies ist mit sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) möglich, die heute aus normalen Körperzellen hergestellt werden können.

Ein Team um Kapil Bharti vom US-National Eye Institute in Bethesda/Maryland hat die Therapie jetzt an Nagern und Schweinen erprobt. Zunächst entnahmen die Forscher 3 Patienten, die an einer AMD litten, Blutproben. Die darin enthaltenen hämatopoeti­schen Stammzellen wurden zunächst in iPS verwandelt.

Aus diesen Zellen stellten die Forscher im Labor retinale Pigmentepithelien (RPE) her. Die RPE-Zellen wurden in Kulturen vermehrt und auf einer Trägersubstanz zu einem einschichtigen Epithel ausgebreitet. Diese kleinen Platten wurden dann in einer Operation bei Ratten zwischen die Retina und das abgestorbene RPE geschoben. Da die Trägersubstanz biologisch abbaubar ist, blieben nach einiger Zeit nur noch die RPE-Zellen übrig.

Nach wenigen Wochen hatten sich die RPE-Zellen in die Netzhaut integriert (was die Forscher in der optischen Kohärenztomografie beobachten konnten). Weitere Untersuchungen zeigten, dass die RPE-Zellen mit ihrer Arbeit begonnen hatten. Sie produzierten das Enzym RPE65, das für das Recycling des Sehpigments benötigt wird. Außerdem führten die RPE-Zellen „Wartungsarbeiten“ an den Fotozellen aus. Diese bestehen in der Phagozytose der verbrauchten Außensegmente von Zapfen und Stäbchen. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Retina weiter in der Lage war, Lichtsignale in Nervenimpulse zu verwandeln, was Grundlage der Fototransduktion ist. Wurden die RPE-Zellen ohne die Trägersubstanz implantiert, blieb die Integration in die Netzhaut aus.

Die Forscher haben die Experimente in Schweinen wiederholt, bei denen mittels Laserlicht eine geografische Atrophie ausgelöst wurde. Für die Operation entwickelten die Forscher extra ein spezielles chirurgisches Instrument, um die Schäden an der Retina so gering wie möglich zu halten. Auch bei den Schweinen gelang es, durch die RPE-Implantate die Photorezeptorzellen vor dem Absterben zu bewahren.

Bharti möchte die Behandlung demnächst in einer ersten klinischen Studie an Patienten im Frühstadium der trockenen AMD erproben. Die Sicherheit der Therapie ist seiner Ansicht nach gewährleistet. Die wesentlichen Bedenken bestehen darin, dass die RPE-Zellen nicht alle Eigenschaften der iPS-Zellen abgelegt haben könnten und es nach der Implantation zu einer unkontrollierten Proliferation käme, also zum Krebswachstum. Die Forscher haben deshalb die RPE-Zellen genetisch analysiert. Dabei seien keine Hinweise auf ein Krebsrisiko gefunden worden, schreiben sie. Das letzte Wort hat hier die US-Arzneimittelbehörde FDA, die der Durchführung von klinischen Studien zustimmen muss.

© rme/aerzteblatt.de

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