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Politik

Mehr Diabetesfälle im Krankenhaus als gedacht

Donnerstag, 17. Januar 2019

/Robert Kneschke, stockadobecom

Berlin – In Deutschland werden vermutlich mehr Diabetespatienten stationär versorgt als bislang angenommen. Auch als Todesursache ist die Zuckererkrankung vermutlich häufiger als gedacht. Das berichtet der Fachbeirat Diabetes des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg in einer aktuellen Stellungnahme. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) warnt daher vor einem Mangel an diabetologischem Fachpersonal und finanziellen Kürzungen in diesem Bereich.

Laut dem Fachbeirat verzerren methodische Schwächen die offiziellen Statistiken zu Diabetes mellitus in deutschen Krankenhäusern. Zu den häufigen Folgeerkrankungen eines Diabetes gehören bekanntlich die koronare Herzkrankheiten, Schlaganfall, Durchblutungsstörung der Beine, die diabetesbedingte Netzhauterkrankung des Auges, die dialysepflichtige Nierenschwäche und neurologische Störungen. Nicht selten sind diese Erkrankungen auch die Todesursache für Diabetespatienten.

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„Bei einer stationären Aufnahme werden jedoch diese Patienten – je nach Art der Diabetes-Folgekomplikation – der entsprechenden Fachabteilung wie der Kardiologie, Angiologie, Nephrologie, Chirurgie oder Neurologie zugewiesen, obwohl der Diabetes mellitus die Ursache für die Komplikation ist“, erläuterte Baptist Gallwitz, Medien­sprecher der DDG und stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik IV am Universitätsklinikum Tübingen. Damit verschwinde der Diabetes als Hauptdiagnose aus dem Fallpauschalensystem und folglich aus allen daraus abgeleiteten Statistiken.

Der Fachbeirat Diabetes des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg bezieht sich in seiner Stellungnahme auf eine Studie des Universitäts­klinikums Tübingen:  Ärzte haben darin bei allen Patienten, die in einem repräsentativen vierwöchigen Zeitraum im Jahr 2016 in der Klinik stationär aufgenommen wurden, die Haupt- sowie Nebendiagnose Diabetes erfasst.

So sollte überprüft werden, wie hoch die Zahl an bekannten und unerkannten Diabetespatienten tatsächlich ist, die in einem Krankenhaus behandelt werden. Zusätzlich bestimmten die Ärzte in allen Abteilungen des Universitätsklinikums bei jedem Patienten über 18 Jahren den HbA1c-Wert. So konnten sie auch Patienten mit bislang unerkanntem Diabetes oder Hinweis auf eine beginnende Diabeteserkrankung identifizieren.

„Durchschnittlich 22 Prozent der in allen Abteilungen des Klinikums erfassten Patienten hatten eine Diabeteserkrankung“, sagte Andreas Fritsche, Studienautor und Mitglied des Fachbeirates Diabetes aus Tübingen. Hochgerechnet auf Baden-Württemberg würden demzufolge jährlich rund 500.000 Diabetespatienten im Krankenhaus behandelt. Auf Deutschland übertragen würde nicht jeder achte Krankenhauspatient eine Diabeteserkrankung tragen – wie bislang angenommen –, sondern jeder vierte Patient.

Der Fachbeirat warnt aufgrund der Studienergebnisse, den Bedarf an diabetologischen Fachabteilungen in Krankenhäusern nicht zu unterschätzen. „Sicherlich ist diese Untersuchung nicht repräsentativ für Deutschland und es müssen weitere Erhebungen folgen, um diese Zahlen zu untermauern. Doch es ist ein wichtiger erster Hinweis darauf, dass der Anteil von Diabetespatienten in Krankenhäusern als zu gering angesetzt wird“, betonte der DDG-Präsident Dirk Müller-Wieland. © hil/aerzteblatt.de

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