NewsMedizinKlonale Blutbildung häufiger bei chronischer Herzinsuffizienz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Klonale Blutbildung häufiger bei chronischer Herzinsuffizienz

Freitag, 18. Januar 2019

Blutprobe im Röhrchen. /Witthaya stock.adobe.com
Die genetischen Veränderungen, die zur klonalen Blutbildung führen, können bereits aus einer normalen Blutprobe nachgewiesen werden. /Witthaya stock.adobe.com

Frankfurt am Main – Somatische Mutationen in Blut- oder Knochenmarkzellen treten gehäuft bei chronischer Herzinsuffizienz auf. Das konnten Wissenschaftler und Ärzte am Universitätsklinikum Frankfurt in einer Studie mit 200 Patienten beobachten. Die Ergebnisse zur klonalen Blutbildung, auch bekannt als klonale Hämatopoese von unbestimmtem Potenzial (clonal hematopoiesis of indeterminate potential, CHIP) wurden in JAMA Cardiology veröffentlicht (2019; doi: 10.1001/jamacardio.2018.3965).

Die Patienten unterschieden sich nicht bei den klassischen Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz. Hatten sie jedoch genetische Veränderungen in den typischen für die klonale Blutbildung verantwortlichen Genen DNMT3A oder TET2 in ihren Blutzellen, so zeigten sie einen deutlich schlechteren Krankheitsverlauf, sie mussten öfter stationär behandelt werden und starben früher als Patienten ohne diese Mutationen. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4,4 Jahren starben insgesamt 53 Patienten, und 23 Patienten mussten wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert werden. Fast 40 von 162 Patienten (24 %) ohne CHIP und 14 von 38 (37 %) mit CHIP starben während der Nachsorge.

„Wir haben 200 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz an unserem Klinikum untersucht und festgestellt, dass bei ihnen klonale Blutbildung deutlich häufiger auftrat als bei gesunden Menschen gleichen Alters“, sagt Andreas Zeiher, Direktor der Kardiologie des Universitätsklinikums Frankfurt und Mitinitiator der Studie. Die Forscher konnten somit zum ersten Mal nachweisen, dass auch die chronische Herzinsuffizienz nach Infarkt durch klonale Blutbildung maßgeblich beeinflusst wird.

Klonale Blutbildung ohne hämatologische Neoplasie

Bei einer CHIP liegen somatische Mutationen in Blut- oder Knochenmarkzellen vor, wie man sie vorwiegend bei Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie (AML) oder einem myelodysplastischen Syndrom (MDS) finden kann. Einzelne Blutstammzellen produzieren durch genetische Veränderungen mehr Blutzellen als nichtveränderte Stammzellen. „Bei der klonalen Blutbildung handelt es sich jedoch nicht um eine krankhafte Veränderung des Blutsystems, wie zum Beispiel bei Blutkrebs. Häufige altersabhängige Erkrankungen – wie etwa die Arterienverkalkung – werden offenbar durch klonale Blutbildung negativ beeinflusst“, erklärt Michael Rieger, Leiter der Stammzellenbiologie an der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Frankfurt.

„Erst kürzlich konnte gezeigt werden, dass im zunehmenden Alter einzelne Stammzellen durch Genveränderungen die Blutbildung dominieren können“, so Rieger. Jeder Zehnte über 70 Jahre sei davon betroffen. Das Risiko einer hämatologischen Neoplasie bei CHIP ist zwar 11- bis 13-fach erhöht, Anzeichen treten zunächst aber nicht auf. Der Begriff CHIP wurde 2015 in Blood von US-Forschern eingeführt.

Die genetischen Veränderungen, die zur klonalen Blutbildung führen, können bereits aus einer normalen Blutprobe nachgewiesen werden. Diese Information könnte in Zukunft wesentlich zu einer verbesserten Präzisionsmedizin bei Patienten mit Herzinsuffizienz beitragen. „Nun gilt es herauszufinden, was diese genetischen Veränderungen in den Blutzellen am Herzen bewirken und was die Ursachen für den schlechteren Krankheitsverlauf sind“, sagt Stefanie Dimmeler, Co-Autorin der Studie und Sprecherin des neuen Exzellenzclusters „Cardiopulmonary Institute“. © gie/EB/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Kiel und Oslo – Genvarianten auf den Chromosomen 3 und 9 erhöhen bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 offenbar das Risiko auf einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Dies kam
Genvarianten erhöhen Risiko auf schweren Verlauf von COVID-19
3. Mai 2020
Boston/Mailand/New York – Patienten, die mit ACE-Hemmern oder Sartanen behandelt werden, haben bei einer SARS-CoV-2-Infektion vermutlich kein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf einer
COVID-19: Weitere Studien entlasten ACE-Hemmer und Sartane
23. April 2020
St. Louis, Missouri − US-Forscher haben den Gendefekt des Wolfram -Syndroms, einer seltenen Erbkrankheit, die unter anderem zu einem Insulinmangel führt, in menschlichen Stammzellen mit dem
Forscher heilen Diabetes bei Mäusen mit genkorrigierten menschlichen Stammzellen
21. April 2020
Mainz – Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und die Masaryk University, die zweitgrößte Universität in der Tschechischen Republik, werden eng bei der Forschung zur Ribonukleinsäure (RNA)
RNA-Forschung von Uni Mainz und Masaryk University gefördert
16. April 2020
Reykjavik − In keinem anderen Land wird die Ausbreitung von SARS-CoV-2 so genau verfolgt wie auf Island. Bereits 6 % der Bevölkerung wurden auf das Virus getestet und in etwa der Hälfte der
SARS-CoV-2: Island ermittelt Kontakte mit Genomanalysen
30. März 2020
Brescia − In den letzten Wochen hat es Berichte von Patienten gegeben, die im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion schwere Herzmuskelschäden erlitten. Der Fall einer 53-jährigen Patientin aus
COVID-19: Kardiologen finden Hinweise auf Myokarditis
5. März 2020
Heidelberg – Die Menge an erworbenen Veränderungen im Erbgut im Tumorgewebe wird von Medizinern als Biomarker genutzt, um vorhersagen zu können, welche Patienten von einer Immuntherapie profitieren
LNS LNS
Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER