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Medizin

USA: Ein Drittel aller Antibiotika­verordnungen im ambulanten Bereich unnötig

Freitag, 18. Januar 2019

/wutzkoh, stockadobecom

Ann Arbor/Michigan – Jedes zehnte Kind und etwa jeder sechste Erwachsene erhielt in den USA im Jahr 2016 mindestens einmal ein Antibiotikum verordnet, das er gar nicht benötigte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Versichertendaten im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 364: k5092).

Obwohl die leichtfertige Verordnung von Antibiotika eine wichtige Ursache für die Entwicklung von Resistenzen betrachtet wird, hat sich an der Verordnungspraxis niedergelassener Ärzte zumindest in den USA wenig verändert. Viele Patienten erhalten weiterhin bei banalen Erkältungen, Husten oder Halsentzündungen ein Antibiotikarezept ausgestellt, auch wenn dies medizinisch nicht sinnvoll ist.

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Ein Team um Kao-Ping Chua von der University of Michigan Medical School in Ann Arbor hat die Daten von Truven Health Analytics ausgewertet. Der weltgrößte IT-Dienstleister verwaltet die Daten von Privatkassen, bei denen viele US-Betriebe ihre Mitarbeiter und deren Familien krankenversichern.

Von den 19,2 Millionen Versicherten im Alter von bis zu 64 Jahren (danach übernimmt Medicare die Krankenversorgung) hatten 7,6 Millionen (39,7 %) im Jahr 2016 mindestens einmal vom Arzt ein Antibiotikarezept erhalten. Insgesamt waren 15,5 Millionen Antibiotikarezepte ausgestellt worden. Fast die Hälfte der Verordnungen entfiel auf die Antibiotika Azithromycin (19,0 %), Amoxicillin (18,2 %) und Amoxicillin-Clavulanat (11,6 %).

Auf den Rezepten ist der Anlass für die Verordnung vermerkt. Seit Oktober 2015 wird die neue ICD-10-CM-Codierung verwendet, die mehr als 91.000 verschiedene Diagnosen unterscheidet. Die US-Forscher haben die Diagnosen in 3 Kategorien danach aufgeteilt, ob die Verordnung eines Antibiotikums „immer“, „manchmal“ oder „niemals“ notwendig ist. Danach wurden die Verschreibungen als „angemessen“, „möglicherweise angemessen“ oder „unangemessen“ eingestuft. Eine weitere Kategorie umfasste Rezepte, die nicht mit einem aktuellen Diagnosecode versehen waren.

Chua kommt zu dem Ergebnis, dass von den 15,5 Millionen Verordnungen nur 1,9 Millionen (12,8 %) „angemessen“ waren. Weitere 5,5 Millionen (35,5 %) wurden als „möglicherweise angemessen“ eingestuft. Bei 3,6 Millionen Rezepten (23,2 %) war die Verordnung „unangemessen“, und in 4,4 Millionen Fällen (28,5 %) war die Verordnung nicht mit einem aktuellen Diagnosecode verbunden.

Die meisten „unangemessenen“ Verordnungen (70,7 %) erfolgten von niedergelassenen Ärzten, 6,2 wurden in „Urgent care centers“ verschrieben und 4,7 % von Notaufnahmen.

Von den 19,2 Millionen Versicherten erhielten 697.918 (14,1 %) im Jahr 2016 mindestens ein unangemessenes Antibiotikarezept. Der Anteil war bei Kindern mit 10,6 % niedriger als bei Erwachsenen (15,2 %).

Die elektronische Erfassung von Krankendaten macht Analysen dieser Art heute leicht. Der größte Aufwand bestand laut Chua in der Kategorisierung der viele ICD-10-CM-Codes. Nachdem diese Arbeit einmal erledigt ist, könnten die Analysen in Zukunft in den USA und anderswo relativ schnell durchgeführt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Freitag, 18. Januar 2019, 18:27

Gebt den Hausärzten ihr Praxislabor wieder!

Durch Präsenzlabor in den Praxen lässt sich unbegründete AB-Abgabe besser vermeiden.
Verteilunspolitisch nicht gewollt bremst die Kassenmedizin vernünftige Versorgung aus, weil über Blut-Transporte in Grosslabore die Befunde extern erhoben werden und die Therapie-Evaluation dadurch zeitversetzt bzw. weniger evident in der Präsenz-Sprechstunde stattfindet.
CRP und kl. BB sollten die dt Hausärzte unmittelbar selbst abklären in ihren Praxen, wodurch sich auch erheblicher administrativer Aufwand in den Praxen reduzieren liesse.
Narren tun auch mal nix Antibiotika – wann nicht? Matthias Schlegel
Infektiologie/Spitalhygiene, Kantonsspital St. Gallen
http://infekt.ch/content/uploads/2017/02/Schlegel_22.St_.Galler_Infekttag.pdf
Bezahlt den Hausärzten ihr Praxis-Labor - und Ihr habt weniger AB-Kosten / Verordnungen. So einfach könnte man ein Problem lösen, wenn man das denn honorarpolitisch will - was weder Herr Gröhe anno dazumal noch der KBV-Vorstand bis anhin wollen...
LNS

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