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Studie zur Altersabschätzung junger Migranten positiv aufgenommen

Montag, 21. Januar 2019

/faustasyan, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hat die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) initiierte Studie zur Altersabschätzung mittels Ultraschall begrüßt. „Gerade bei jungen Menschen ist es besonders relevant, so häufig wie möglich auf Röntgenstrahlen zu verzichten, um schon recht früh mögliche Strahlenschäden im Körper zu verhindern“, erklärte Jörg Detlev Moritz, stellver­tretender Leiter der DEGUM-Sektion Pädiatrie.

Da die Altersabschätzung per bildgebendem Verfahren zur Volljährigkeitsbestimmung durchgeführt werde, sei davon auszugehen, dass neben jungen Erwachsenen auch Minderjährige das Verfahren durchmachen sollen. „Bei diesem Klientel, das sich noch im Wachstum befindet, können Röntgenstrahlen das Zellenwachstum beeinträchtigen“, sagte er.

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Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) fördert seit Beginn des Jahres ein Projekt der Fraunhofer-Gesellschaft und der Universität des Saarlandes, um herauszufinden, ob das Alter von jungen Erwachsenen statt per Röntgenverfahren auch per Ultraschall abgeschätzt werden kann. Das Projekt wird mit rund einer Million Euro gefördert und die Ergebnisse sollen laut Aussage des Ministeriums Ende 2020 vorliegen. Spahn betonte, zentrales Anliegen sei, einen Weg zu finden, den Ärzte „mitgehen würden“ – sprich, der ihrem Berufsethos entspreche.

„Für die Union ist es ein unhaltbarer Zustand, dass circa 30 Prozent aller vermeintlich Minderjährigen, die von der Jugendhilfe betreut werden, in Wahrheit eben nicht minderjährig sind. Wir brauchen eine zuverlässige Altersbestimmung“, betonte die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön. 

Bisher erfolgt die Altersabschätzung in Deutschland entsprechend der Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik (AGFAD) – in einem ersten Schritt mithilfe einer Röntgenaufnahme der linken Hand.

„Normalerweise ist die Skelettentwicklung an der Hand bei Jungen mit 19 und bei Mädchen mit 17 Jahren abgeschlossen. Wenn diese Entwicklung nach der Abschätzung als abgeschlossen erklärt wird, wird in einem weiteren Schritt eine Röntgenaufnahme der Ober- und Unterkiefer zur Beurteilung der Zahnentwicklung durchgeführt“, so der DEGUM-Experte.

„Zusätzlich wird eine computertomografische Untersuchung der Schlüsselbeine durchgeführt, da hier im Mittel die Skelettentwicklung bei Männern erst mit 30 und bei Frauen mit 27 Jahren abgeschlossen ist.“ Durch dieses Vorgehen lässt sich das Alter abschätzen. Es weist aber wie alle bildgebenden Methoden eine relativ hohe Ungenauigkeit auf, weswegen es – neben der in der Kritik stehenden Strahlenexposition – immer wieder kritisiert wird. 

„Sofern die Studienergebnisse zugunsten einer Altersabschätzung per Ultraschall ausfallen, sollte auf dieses gesundheitsschonendere Verfahren gesetzt werden“, sagte Moritz. Dennoch sehe die DEGUM die geplante Studie kritisch, da die Ergebnisse auch juristisch valide sein müssten und nicht von der Erfahrung der Untersucher abhängen dürften. „Durch andere Projekte, zum Beispiel durch die Sonographie der Lunge, könnten sehr viel mehr Röntgenaufnahmen und damit Röntgenstrahlen bei Kindern eingespart werden“, betonte der Leiter der Kinderradiologie in Kiel. © hil/aerzteblatt.de

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