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Ärzteschaft

Behandlungsauskünfte ab sofort besser bezahlt

Montag, 21. Januar 2019

/v.poth, stockadobecom

Berlin – Ärzte erhalten für Behandlungsauskünfte an die gesetzliche Unfallver­sicherung ab sofort mehr Geld. Das Ausfüllen des Formblatts F 1100, Nummer 110 wird seit dem 1. Januar 2019 mit 11,12 Euro (bisher: 8,94 Euro) vergütet. Das hat die Ständige Gebührenkommission beschlossen. Bei der damit verbundenen Anpassung des Leistungs- und Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen in der gesetzlichen Unfallversicherung (UV-GOÄ) wurden zudem Leistungsbeschreibungen präzisiert.

So wird die Vergütung symptomzentrierter Untersuchung bei Unfallverletzungen oder bei Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit sowie umfassenden Unter­suchungen an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen nun einheitlich über die Nummern vier und neun geregelt. Die Ziffern fünf und zehn wurden gestrichen.

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Bei der postoperativen Überwachung (Nummern 448, 448a, 449) eines Patienten ist ebenfalls eine Einschränkung weggefallen. Sie sah bislang vor, dass diese Leistungen nur im Zusammenhang mit einer zuschlagsberechtigten ambulanten Operation (Nummern 442 bis 445) sowie einer zuschlagsberechtigten Anästhesie (Nummern 446 bis 447) abgerechnet werden durften.

Darüber hinaus enthält die neue Leistungs- und Gebührenverzeichnis eine Neufassung der Leistungsbeschreibung zur Versorgung großer und/oder stark verunreinigter Wunden (Nummer 2005). Dies war erforderlich geworden, da es immer häufiger Auslegungsdifferenzen gegeben hatte und sich bei der Clearingstelle auf Bundesebene Beschwerden über Rechnungskürzungen häuften.

Präzisiert wurden zudem die histologische Untersuchung und Begutachtung von Organbiopsien (Nummer 4815) und die Zytologische Untersuchung zur Phasen­bestimmung des Zyklus (Nummer 4850). Beim Nachsorgebericht Hautkrebs (Nummer 135a) wurde klargestellt, dass mit der Gebühr die Nummern eins und sechs UV-GOÄ (Untersuchungsleistungen) abgegolten sind. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 22. Januar 2019, 10:54

Behandlungsauskünfte völlig unterirdisch bezahlt – passt besser!

Wer auch immer die „Ständige Gebührenkommission“ sein mag, sie keine Ahnung, was sie da beschlossen hat. Noch irreführender als die gewählte Schlagzeile wäre „Behandlungsauskünfte werden um 25% besser honoriert“ gewesen. Bei einem Ausgangswert von 100€ wären das 25€ gewesen. Aber bei einem Ausgangswert von 8,94€?

Da sicherlich kein Mitglied von „Ständige Gebührenkommission“ mitliest, erkläre ich mit einfachen Worten, warum ich mich über die völlig lächerliche Erhöhung so echauffiere.

Zunächst die Frage, was will die DGUV, wenn sie eine Arztauskunft erbittet? Der Unfallversicherungsträger will wissen,
- ob es sich vielleicht gar nicht um einen Arbeitsunfall handelte oder
- wie lange der Patient nicht arbeitsfähig ist oder
- ob ein Dritter zum Schadenersatz herangezogen werden kann oder
- ob der Arbeitgeber …. oder
- ob besondere, weitere Behandlungen absehbar sind oder (auch)
- ob der Arzt bisher alles erforderliche „richtig“ eingeleitet hat oder
- ob der Patient auf Dauer arbeitsunfähig ist oder
- wann der Patient voraussichtlich wieder arbeitsfähig sein wird oder
- …..
Egal, welche Auskünfte der Unfallversicherungsträger haben will, letztlich geht es immer um Geld. Ohne die Auskunft des behandelnden Arztes weiß der Unfallversicherungsträger nicht, wie er einen (oder auch mehrere) der o. g. Punkte verfolgen kann. Bekommt er die Info nicht vom behandelnden Arzt, muss er einen anderen (eigenen?) Arzt einschalten, der ihm diese Auskunft gibt. Das kostet locker mal 100€, denn es läuft auf eine gutachtensähnliche Aussage hinaus. Und wer will ein Gutachten erstellen, wenn er zuvor nur kursorisch über die Unterlagen geflogen ist? Eben, deswegen wird sich jemand intensiv damit befassen müssen, wenn er den Patienten einbestellt, um o. g. Fragen zu beantworten.

Günstiger (für den Unfallversicherungsträger) ist es allemal, wenn der derzeit behandelnde Arzt die benötigte Auskunft erteilt. Insofern ist der Weg richtig, die Anfrage an den Arzt zu stellen.

Aber jetzt geht es los. In einer Arztpraxis gibt es hunderte von Formularen, manche sinnvoll, manche überflüssig und manche von Menschen erstellt, denen man jeglichen Bezug zu Realität absprechen muss. Wie dem auch sei, Formulare müssen „verwaltet“ werden. Sie in eine Praxis-EDV einzupflegen, kostet Geld. Geld, das der Arzt zahlt.
Ein Papierformular auszufüllen kostet noch mehr Zeit als ein digital vorliegendes Formular. Schon das Durchlesen der Anfrage durch eine/n kompetente/n Mitarbeiter/in hat in einer Praxis mehr Ressourcen verschlungen, als mit dem neuen Honorar abgedeckt. Bis es aber so weit ist, wird die Anfrage der DGUV erst einmal gescannt, damit sie nicht verloren geht.

Dann wird sie Tage später von einer Mitarbeiterin bearbeitet. Dazu wird die Patientendoku aufgerufen, es werden die entsprechenden Einträge gesucht und HÄNDISCH in das Papierfomular übertragen. Zeitaufwand: 10min. Dann wird die Anfrage dem behandelnden Arzt vorgelegt. Ist er mutig, überfliegt er die Antworten nur. Ist er ganz mutig, unterschreibt er blind, was ihm sein/e Mitarbeiter/in vorgelegt hat. Ist er dagegen ordentlich, und manche der Fragestellungen haben für den Patienten hohe finanzielle Auswirkungen, dann liest er alles ordentlich durch. Zeitaufwand zwischen 30s und 3min. Vielleicht zur Sicherheit noch einen Blick auf das letzte Röntgenbild – 5min.

Welches war noch mal der exorbitante Preis, den die DGUV jetzt zahlen wird? 11,12€

Der Arzt hat unterschrieben, eine Mitarbeiterin nimmt sich den Briefumschlag, investiert (derzeit noch) eine 70Ct-Briefmarke, demnächst 80Ct, tütet alles ein und irgendeiner bringt es dann zur Post. Auch wenn es für manche Menschen kaum vorstellbar ist, auch eine Mitarbeiterin, die 10min zur Post unterwegs ist, wird für die Zeit bezahlt.

Allein der administrative Aufwand ist höher als mit den 11,12€ vergütet. Jede Sekunde, die der Arzt mit dem Vorgang befasst wird, erhöht die Verluste der Praxis.

Was folgt daraus? Die wenigsten finanziellen Verluste erleidet eine Arztpraxis, wenn solch eine Anfrage von der kostengünstigsten Mitarbeiterin, vielleicht sogar Azubi, bearbeitet und vom Arzt blind unterschrieben wird.

Was ist eine solche Antwort auf eine Anfrage wert? Nichts.

Keine 11,12€, da sind wir uns vermutlich einig.

Wenn die DGUV sinnvolle und vernünftige Aussagen haben will, dann wäre sie gut beraten, den Arzt angemessen zu honorieren. Meine persönliche Einschätzung: Ist das alles nicht ganz so wichtig, was die DGUV wissen will – dann soll sie doch in den diversen Meldungen aus der Arztpraxis nachlesen. Steht es nicht in den abgegebenen Meldungen, dann ist der Arzt gefragt. Und dann bitte eine angemessene Honorierung.

Der Spruch im Englischen dazu lautet:
If you pay peanuts, you will get monkeys.
LNS

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