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Medizin

Osteoporose: Auch hoch dosiertes Vitamin D kann Knochendichte nicht erhöhen

Freitag, 18. Januar 2019

/kolesnikovserg, stockadobecom

Newcastle upon Tyne – Die monatliche Einnahme von Vitamin D3 über ein Jahr hat in einer randomisierten klinischen Studie im American Journal of Clinical Nutrition (2019; doi: 10.1093/ajcn/nqy280) zwar den Mangel von gesunden Senioren im Alter von über 70 Jahren behoben. Ein günstiger Einfluss auf die Knochendichte war jedoch auch bei einer hoch dosierten Einnahme von Vitamin D3 nicht erkennbar.

Viele ältere Menschen haben einen Vitamin-D-Mangel, der als Risikofaktor für die Osteoporose gilt und für den Anstieg des Knochenbruchrisikos mit verantwortlich gemacht wird. Allerdings ist umstritten, ob eine Substitution von Vitamin D tatsächlich die Knochendichte erhöht und dadurch eine vorbeugende Wirkung erzielt. Die britische Stiftung Arthritis Research UK hat hierzu eine randomisierte Studie durchführen lassen, an der 379 Senioren im Alter von über 70 Jahren teilnahmen. Um die Adhärenz zu verbessern, wurden die Präparate einmal monatlich verabreicht.

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Die Patienten wurden auf 3 Dosisgruppen randomisiert. Eine Placebogruppe gab es nicht. Die niedrigste Dosis von 12.000 IU/Monat entspricht einer täglichen Zufuhr von 10 µg (400 IU), wie sie von Public Health England für diese Altersgruppe empfohlen wird. Die mittlere Dosis von 24.000 IU/Monat entspricht den vom US-Institute of Medicine (IOM) geforderten 20 µg (800 IU/die). Die höchste Dosis blieb unter der Tageszufuhr von 4.000 IU/die, die vom IOM noch als unbedenklich eingestuft wird (so dass keine toxische Wirkung befürchtet werden musste).

Die Vitamin-D3-Substitution verbesserte wie erwartet die Serumkonzentrationen dosisabhängig. Wie Terry Aspray von der Newcastle University und Mitarbeiter berichten, hatten unter der höchsten Dosierung am Ende des Jahres alle Teilnehmer Serumwerte von über 50 nmol/l, dem vom IOM empfohlenen Zielwert. Die meisten übertrafen auch die von der US-Endocrine Society geforderte Serumkonzentration von 75 nmol/l.

Eine Wirkung auf die Knochendichte, die mittels Dual-Röntgen-Absorptiometrie an der Gesamthüfte und im Femurhals bestimmt wurde, war allerdings nicht erkennbar. Es kam nur zu einer unwesentlichen Steigerung, die in allen drei Dosisgruppen in etwa gleich ausfiel. Die Zahl der Stürze war in allen Gruppen ebenfalls gleich.

Eine protektive Wirkung konnte demnach in der Studie nicht nachgewiesen werden. Dennoch zieht Aspray eine positive Bilanz. Auch die höchste Dosierung sei von den Senioren gut vertragen worden, berichtet der Altersforscher, kein Patient sei an Nierensteinen erkrankt, und nur bei 3 Patienten sei es zu einer Hyperkalziämie gekommen.

Die – von einigen Experten geforderte – gleichzeitige Gabe von Kalzium war nicht vorgesehen. Die Teilnehmer durften jedoch eine vorher durchgeführte Kalzium­einnahme fortsetzen.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #725920
Syntaxie
am Mittwoch, 30. Januar 2019, 22:57

@ textmarkerin

Stöbern Sie doch mal nach GRP55 und Enzymen, die mit Knochenauf- u. Abbau zu tun haben...
vielleicht sind auch irgendwo dazu CBC, CBD, CBG, CBN und THCv erwähnt
Avatar #699215
textmarkerin
am Mittwoch, 30. Januar 2019, 19:49

Überschrift leicht irreführend

Mit der Überschrift bin ich nicht besonders zufrieden. Wäre es nicht korrekter, wenn diese "Hoch dosiertes Vitamin D ALLEINE kann Knochendichte nicht erhöhen" lauten würde? Soweit ich informiert bin, ist es ja nicht nur so, dass dass Vitamin D im Calciumstoffwechsel eine Rolle spielt, sondern eben auch Vitamin K. Liegt zusätzlich ein Vitamin K Mangel vor, ist es meinem Wissensstand nach so, dass die Zielproteine nicht mehr ausreichend Calcium binden können, wodurch Knochen und Zähne letzten Endes porös werden. Deshalb enthalten Präparate wie Solarvit Osteo auch nicht nur D3, sondern auch K2. Eben um die Gesunderhaltung der Knochen zu unterstützen.

Kürzlich habe ich irgendwo aufgeschnappt, dass eine Gabe von den Vitaminen D und K auch das Anwachsen von künstlichen Gelenken verbessern kann. Weiß da jemand von euch mehr darüber? Würde mich sehr interessieren!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 20. Januar 2019, 14:21

Vitamin-D Hype bleibt unverständlich!

Jetzt soll auch noch menschliche Nahrung mit Vitamin-D extra angereichert werden. Als Musterbeispiel dafür sollte Finnland dienen, wo es nach längerer Supplementierung der Milch mit Vitamin-D keinen nachweisbaren Vitamin-D-Mangel in der Bevölkerung mehr geben soll. Aber seriöse, prospektive, randomisierte, doppelblinde Studien mit Nachweis von Morbiditäts- bzw. Mortalitäts-Vorteilen fehlen: Jetzt auch noch zu allem Überfluss bei der Osteoporose-Prophylaxe.

1. Ausgerechnet Finnland soll als Beleg dienen, weltweit die industrialisierte und immer weniger authentische Ernährung unserer Patientinnen und Patienten auch noch mit Vitamin D anzureichern? Die wissenschaftlichen Autoren, u.a. vom "Sunlight, Nutrition and Health Research Center, San Francisco, CA/USA" oder aus der Industrie ("Synthelabo"), von "Rationale and Plan for Vitamin D Food Fortification: A Review and Guidance Paper"
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fendo.2018.00373/full
sollten sich angesichts ihrer Interesse-geleiteten, Nahrungsmittelindustrie-nahen Publikation doch vergegenwärtigen, dass Finnland am nördlichen Polarkreis liegt. Finnland (Suomi) und die Republik Finnland (Suomen tasavalta) liegen zwischen dem 60. und 70. Breitengrad und zählt zu den nördlichsten Ländern der Erde. Auf einer Fläche von 338.448 km², davon 303.912 km² Land und 34.536 km² Binnengewässer (etwas kleiner als Deutschland mit 357.385 km²) leben nur ca. 5,5 Millionen Einwohner. Finnland ist damit sozialmedizinisch, krankheits-epidemiologisch, mortalitäts-statistisch und nicht nur numerisch mit 1% der Gesamtbevölkerung von 550 Millionen Europäern die ungeeignetste Stichprobe überhaupt:
Es sind Vitamin-D-bezogene Besonderheiten wie arktischer Winter, Regionen mehrmonatig ohne Sonnenschein, Jahreszeiten-unabhängige Notwendigkeit permanent geschlossener (Schutz)- Bekleidung nicht nur im maritimen Bereich, in Industrie, Handel und Gewerbe, sondern auch in der Freizeit: Das führt zu klinisch relevantem, endemischem Vitamin-D-Mangel der Gesamtbevölkerung. Bei allen europäischen Mittelmeer-Anrainer-Staaten, aber auch in Zentral- und Mitteleuropa mit z. T. kontinentalem/maritimem Klima sieht das dagegen völlig anders aus. Dort wirkt zumindest in der Sommersaison die qualitativ und quantitativ verstärkte Sonneneinstrahlung protektiv gegen Vitamin-D-Mangel.

2. Wer Morbiditäts- und Mortalität-Statistiken mit Vitamin-D-Mangel rein zufällig, verdächtig-koinzident oder logisch-kausal zusammenbringen will, muss wissenschafts- und erkenntnistheoretisch mehr erforschen, als nur Labor-Ergebnisse bzw. Statistiken zusammen zu rühren. So auch geschehen in "Strong associations of 25-hydroxyvitamin D concentrations with all-cause, cardiovascular, cancer, and respiratory disease mortality in a large cohort study" von Ben Schöttker et al.
https://academic.oup.com/ajcn/article/97/4/782/4577069
Die Schlussfolgerungen sind bei unkritischer Auswertung der Daten ebenso banal wie irreführend:
"Conclusions: In this large cohort study, serum 25(OH)D concentrations were inversely associated with all-cause and cause-specific mortality. In particular, vitamin D deficiency [25(OH)D concentration <30 nmol/L] was strongly associated with mortality from all causes, cardiovascular diseases, cancer, and respiratory diseases", besagt doch nichts anderes, dass Menschen, die bio-psycho-sozial oder krankheitsbedingt nicht mehr vor die Türe kommen und einen Vitamin-D-Mangel aufweisen, im Gegensatz zu einer dann gar nicht mehr vergleichbaren Kontrollgruppe mit hohen Vitamin-D-Spiegeln ein schlechteres "Outcome" haben. Der Vitamin-D-Mangel ist damit ein Surrogat-Parameter für erhöhte Morbidität und Mortalität.
Über Ursachen, Kausalitäten und Interdependenzen haben sich die Autoren der letztgenannten Publikation nicht den Hauch eines Gedanken gemacht. Deswegen konnten sie auch ihre Publikation nur mit ebenso vagen wie unverbindlichen "starken Assoziationen" ["Strong associations"] betiteln.

Fazit: Bevor offensichtlich unkritische Wissenschaftler, Politiker und Meinungsbildner auch nur daran denken, Nahrungsmittel zusätzlich mit Vitamin-D anreichern zu wollen...
1. Hypothesen gewissenhaft kritisch prüfen,
2. logisch kausal und nicht nur assoziativ denken,
3. methodisch stringent aufgebaute RCT-Studien vorlegen.

Morbidität und Mortalität sind grundsätzlich mehrdimensional mit präformierten Krankheitslasten verknüpft: Nur so können sie detektiert, isoliert, theoretisch und praktisch weiterentwickelt werden, um schlussendlich der Wahrheit näher zu kommen. Komplexe Krankheitsentitäten auf Monokausalitäten herunterbrechen zu wollen, scheitert in den meisten Fällen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

http://news.doccheck.com/de/blog/post/9855-vitamin-d-nahrungs-anreicherung-hit-oder-niete/
Avatar #755495
kapka
am Sonntag, 20. Januar 2019, 03:45

ohne K2 wertlos

Wie schon duck1887 anmerkt, ist eine solche Studie OHNE die Gabe von Vitamin K2 völlig sinnlos. Man hätte eine 4. Gruppe mit D und K2 machen müssen und eine 5. Gruppe mit D, K2 und Ca. DAS wäre dann ganz sicher zu anderen Ergebnissen gekommen, denn ich habe meine eigene beginnende Osteop. mit K2, D3 und Ca bestens beseitigt.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 18. Januar 2019, 19:46

Neunzig Nährstoffe

Es ist falsch, den Fokus bei Vitalstoffen auf nur einen Faktor zu richten. Bekanntlich gilt in solchen Fällen das Gleichnis, dass die Zugfestigkeit einer Kette von ihrem schwächsten Glied bestimmt werde. Hinsichtlich der Knochengesundheit könnte das Spurenelement Bor ein solches Glied sein. Auch ist immer wieder auch die Rede davon, dass bei der Anhebung des Vitamin C auch das Vitamin K angehoben werden müsse.
Avatar #671945
duck1887
am Freitag, 18. Januar 2019, 19:25

Irritiert

Kann mir bitte jemand erklären, warum mal wieder eine Studie zu diesem oder ähnlichem Thema gänzlich auf die zusätzliche Gabe von Vitamin K2 verzichtet? Man weiß doch mittlerweile, dass Vitamin D nur die Kalzium-Aufnahme im Darm erhöht und nur durch das K2 zu den richtigen Orten transportiert werden kann. Zumindest hätte man im Zweifel die Studiengruppe um eine Vierte erweitern sollen, das wäre dann mal ein aufschlussreicher Vergleich gewesen. Danke.
LNS

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