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Medizin

Schlaganfall: Subarachnoidal­blutungen werden weltweit seltener

Montag, 21. Januar 2019

/freshidea, stockadobecom

Mannheim – Die Häufigkeit von Subarachnoidalblutungen ist in den meisten reicheren Ländern seit den 1960er-Jahren deutlich zurückgegangen, was eine Metaanalyse in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.0006) auf die bessere Blut­druckkontrolle und eine sinkende Zahl von Rauchern zurückführt. Eine Ausnahme bildet Japan, wo die Zahl der Subarachnoidalblutungen zunimmt.

Die meisten Subarachnoidalblutungen, auf die etwa 5 % aller Schlaganfälle entfallen, werden durch die Ruptur eines Aneurysmas an der Schädelbasis ausgelöst. Die Aneurysmen entstehen sehr wahrscheinlich ab dem dritten Lebensjahrzehnt und vergrößern sich allmählich, bis es zur Ruptur kommt. Dies ist bei der Hälfte der Betroffenen vor dem 55. Lebensjahr der Fall.

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Die Ursache der Aneurysmen ist genetisch, ihr Wachstum wird jedoch durch äußere Faktoren beeinflusst. Dies erklärt, warum die Zahl der Subarachnoidalblutungen sich mit der Zeit (schneller als vermutlich der Genpool) verändert hat. Ein Team um Nima Etminan von der Universitätsmedizin Mannheim hat hierzu die Daten aus 75 Studien ausgewertet, die die Entwicklung in 32 (reicheren) Ländern widerspiegelt.

In den meisten Ländern hat die Zahl der Subarachnoidalblutungen abgenommen. In Europa ging sie zwischen 1980 und 2010 um 40,6 % zurück, in Asien um 46,2 % und in Nordamerika um 14,0 %. In Japan stieg die Inzidenz dagegen um 59,1 %. Dort kamen 2006 auf 100.000 Personen 27,9 Subarachnoidalblutungen. In Deutschland waren es im gleichen Jahr 5,1 Subarachnoidalblutungen auf 100.000 Personen. Den Grund für die Zunahme kann die Studie nicht klären. Auffällig ist laut Etminan jedoch die weiterhin hohe Zahl von Rauchern: Sie liegt bei in Japan 26,1 % gegenüber weltweit 19,3 %.

Rauchen gilt als wichtiger Risikofaktor für eine Größenzunahme der Aneurysmen, die der Ruptur vorausgeht, weil Rauchen die Gefäßwände schädigt und eine Athero­sklerose beschleunigt. Die Analyse von Etminan bestätigt dies: Jeder Rückgang der Raucherprävalenz um 1 % war mit einem Rückgang der Subarachnoidalblutungen um 2,4 % verbunden (95-%-Konfidenzintervall 1,6 bis 3,3).

Der zweite wichtige Risikofaktor ist ein hoher Blutdruck. Auch hier zeigen die Zahlen eine klare Assoziation: Mit Abnahme des systolischen Blutdrucks um 1 mmHg sank die Inzidenz von Subarachnoidalblutungen um 7,1 % (5,8-8,4 %). Beim diastolischen Blutdruck war 1 mmHg weniger mit einem Rückgang von 11,5 % (8,8-14,3) verbunden.

Die Prävalenz der arteriellen Hypertonie hat (nach den Ergebnissen aus anderen Untersuchungen) in vielen westlichen Ländern abgenommen, weil immer mehr Menschen ihren Blutdruck mit Antihypertonika kontrollieren oder einer Entstehung durch die Einnahme von Statinen vorbeugen.

Streng genommen kann die Studie nicht belegen, dass die bessere Kontrolle des Blutdrucks und die Vermeidung des Rauchens für die Abnahme der Subarachnoidal­blutungen verantwortlich sind. Die Ergebnisse sind für Etminan jedoch ein wichtiges Indiz. Der Experte verweist auf die laufende PROTECT-U-Studie, die 776 Patienten mit im CT (meist zufällig) entdeckten Aneurysmen auf eine Behandlung mit Acetylsalicyl­säure oder auf eine intensive Blutdruckkontrolle randomisiert. Endpunkt der Studie ist die Wachstumsgeschwindigkeit oder die Ruptur der Aneurysmen. Ergebnisse könnten im Oktober 2022 vorliegen.

Die Leitlinien raten ab einer bestimmten Risikokonstellation (unter anderem Aneurysmagröße,-form und -lokalisation sowie Risikofaktoren) zu einer präventiven Behandlung mittels Operation oder Katheter. Die Zahl dieser prophylaktischen Behandlungen hat in den letzten Jahren zugenommen. Sie werden jedoch insgesamt zu selten durchgeführt, um den Rückgang der Subarachnoidalblutungen zu erklären, der bereits in einem Zeitraum nachweisbar ist, in dem Diagnose und Behandlung von Aneurysmen noch sehr selten waren. © rme/aerzteblatt.de

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