NewsHochschulenWie pflegende Angehörige ihren Alltag bewältigen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Wie pflegende Angehörige ihren Alltag bewältigen

Dienstag, 22. Januar 2019

/Photographee.eu, stockadobecom

Köln – Wissenschaftlerinnen der Technischen Hochschule (TH) Köln, der Universität Duisburg-Essen und der Fachhochschule Bielefeld haben auf Basis qualitativer Befragungen fünf typische Gruppen von Menschen beschrieben, die ihre Angehörigen pflegen. Die Gruppen entwickeln den Forschern zufolge unterschiedliche Strategien, um ihren Alltag zu meistern.

Die erste Gruppe hat demnach die finanziellen Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen und Dienste dazuzukaufen. Die zweite Gruppe verfügt über weniger Einkommen, kann sich aber auf ein familiäres Netzwerk stützen.

Anzeige

Die dritte Gruppe ist nicht oder stundenweise berufstätig und sieht die Vollzeitpflege eines Angehörigen als sinnstiftende Beschäftigung oder Phase, die zum Leben dazugehört. „Diesen Menschen gelingt es über einen langen Zeitraum hinweg, die Pflege als Lebensentwurf anzunehmen, allerdings sind sie langfristig latent von Burnout bedroht, wenn sie das über Jahre ohne Hilfe oder Auszeiten alleine machen“, erläuterte Projektleiterin Sigrid Leitner von der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln.

Hinzu kommen zwei weitere Gruppen in prekären Pflegesituationen: Die vierte Gruppe pflegt demnach aus einem emotionalen Abhängigkeitsverhältnis heraus, da sie sich zur Pflege verpflichtet fühlt und keine andere Alternative durch finanzielle Mittel oder Angehörige hat oder die pflegebedürftige Person alle Alternativen ablehnt.

Die fünfte Gruppe steht in einem ständigen Konflikt, weil ihre eigenen Wünsche nach Erwerbs­tätigkeit nicht denen der zu pflegenden Person oder auch den Erwartungen anderer Familienmitglieder entsprechen oder die Arbeitsbedingungen mit der Pflege nur schwer vereinbar sind. Die sorgende Person ringt um Kontrolle, ihren eigenen Lebensentwurf aufrechterhalten zu können. Gerade bei diesen beiden Personen­gruppen ist laut den Forschern die sogenannte Selbstsorge essenziell. Viele von ihnen benötigen dabei Hilfe. 

„Ohne Menschen, die ihre Familienmitglieder zu Hause pflegen, kann die Pflege in Deutschland nicht funktionieren“, erläuterte Leitner. Sie würden eine wertvolle Dienstleistung für die Gesellschaft erbringen. Damit die häusliche Pflege unter guten Bedingungen und sozial nachhaltig funktioniert, sollte gerade dieser Personenkreis bestmöglich unterstützt werden, rät Leitner.

Simone Leiber vom Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der Universität Duisburg-Essen sprach sich für mehr Engagement der Kommunen aus. Notwendig sei eine  „aufsuchende, individuelle Beratung und Begleitung in allen Pflegephasen für pflegende Angehörige am besten aus einer Hand“.

In Nordrhein-Westfalen werden den Wissenschaftlern zufolge rund 80 Prozent der rund 769.000 Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen versorgt, zum Teil mit Unterstützung ambulanter Dienste. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #92214
H.-D. Falkenberg
am Donnerstag, 28. März 2019, 11:22

Wie pflegende Angehörige ihren Alltag bewältigen.

Theoretisch findet die Einteilung der Pflege-Risiko-Gruppen sicherlich sehr viel Anklang. Aufgezeigt wird jedoch nicht, wie insbesondere die beiden letzten Fallschilderungen so in die Praxis umgesetzt werden können, nämlich dass die zu pflegende Personen mit in den Alltag, sei es Beruf, Einkauf, Kultur integriert werden. Bezogen auf den Beruf bieten sich Möglichkeiten, auch über die Altersgrenze hinaus weiterhin tätig bleibende (sein wollende Fach)Kräfte zu entlasten (Fachkräftemangel!!!). Das Pflegeversicherungsgesetz sieht heute bereits niederschwellige Angebote vor!
LNS

Nachrichten zum Thema

27. März 2019
Berlin – Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland müssen parallel zu ihrem Beruf Angehörige pflegen. Das stellt auch Unternehmen vor Herausforderungen: Viele wissen nicht, wie sie ihre pflegenden
Wie Unternehmen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf fördern können
23. Januar 2019
Dresden – Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in Sachsen sollen nach dem Willen einer fraktionsübergreifenden Landtagskommission finanziell stärker entlastet werden. In dem rund 400 Seiten
Kommission in Sachsen schlägt finanzielle Entlastung für Pflegebedürftige vor
14. Januar 2019
München – Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bekommen mehr Unterstützung vom Freistaat Bayern. Seit Anfang des Jahres könnten beispielsweise auch Sozialpädagogen oder Pflegekräfte haushaltsnahe
Pflege zu Hause wird besser unterstützt
9. Januar 2019
Berlin – Über 1,7 Millionen pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland ausschließlich durch Angehörige versorgt. Laut einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) berichteten 47
Neue Handlungsempfehlungen gegen Gewalt in der häuslichen Pflege
27. Dezember 2018
Berlin – Der Sozialverband VdK fordert eine bezahlte Auszeit für pflegende Angehörige und Freunde – nach dem Vorbild von Elternzeit und Elterngeld. Die Betreuung von Menschen zu Hause durch Angehörige
Sozialverband VdK plädiert für „Pflegezeit“ und „Pflegegeld“
21. Dezember 2018
Berlin – Für Familien, die über Weihnachten schwerkranke und sterbende Menschen pflegen, gibt es von diesem Sonntag bis zum 1. Januar eine bundesweite Telefon-Hotline. Unter der Nummer 0175-4417230
Feiertags-Hotline für Familien schwerkranker Menschen
13. Dezember 2018
Halle – In Sachsen-Anhalt fühlen sich viele Pflegende bis an die Belastungsgrenze erschöpft und leiden verstärkt unter gesundheitlichen Folgen. So hätten 59 Prozent Rückenbeschwerden, geht aus dem
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER