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Medizin

Arthrose-Gene liefern Anregungen für neue Therapien

Mittwoch, 23. Januar 2019

/underdogstudios, stockadobecom

Cambridge/England – Eine genomweite Assoziationsstudie an fast eine halben Millionen Menschen hat 65 Genvarianten entdeckt, deren Träger ein erhöhtes Risiko haben, an einer Arthrose zu erkranken. Die Publikation in Nature Genetics (2019; doi: 10.1038/s41588-018-0327-1) liefert Anregungen für neue Therapien.

In den entwickelten Ländern erkranken 40 Prozent aller Menschen bis zum 70. Lebensjahr an einer Arthrose, für die es derzeit nur unzureichende Behandlungs­möglichkeiten gibt. In der EU kommt es deshalb jährlich zu 1,76 Millionen Gelenk­ersatzoperationen. Da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, ist es sinnvoll, in genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) nach Genvarianten zu suchen, die die Anfälligkeit erklären. Diese Studien könnten auch neue Einblicke in die Pathogenese des „Gelenkverschleißes“ ermöglichen und Anregungen für neue Therapien liefern.

Ein Team um Eleftheria Zeggini vom Sanger Institute in Cambridge in England (inzwischen am Helmholtz-Zentrums München tätig) hat Proben von 455.221 Teilnehmern der arcOGEN-Studie sowie der UK-Biobank untersucht. Es handelt sich um Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren, die seit 2006 regelmäßig medizinisch untersucht werden. Die Forscher verglichen mit Genchips das Erbgut der Teilnehmer an 17,5 Millionen Stellen.

Dabei wurden 65 sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) entdeckt, die bei den 77.052 Arthrosepatienten signifikant häufiger auftraten als bei den 369.983 Kontrollen ohne Gelenkprobleme. Die SNP konnten 64 biologischen Prozessen zugeordnet werden, die in die Entwicklung der Arthrose eingreifen könnten. Darunter waren 10 Gene, die auf bereits verfügbare oder in der klinischen Entwicklung befindliche Medikamente hinweisen.

So befindet sich der SNP rs4252548 auf dem Gen für den Signalstoff Interleukin 11. Eine rekombinante Version von Interleukin 11, Oprelvekin, ist in den USA für die Behandlung einer durch Chemotherapie induzierten Thrombozytopenie zugelassen.

Ein anderer SNP, rs1126464, ist eine Missensevariante im Gen DPEP1 für das Enzym Dipeptidase 1. Ein DPEP1-Inhibitor, Cilastatin, ist in einigen Ländern in Kombination mit dem Antibiotikum Imipenem zugelassen. Cilastatin verhindert den Abbau von Imipenem und verlängert seine antibakterielle Wirkung.

Das SNP rs75621460 befindet sich auf dem Gen TGFB1. Es ist der Angriffspunkt von INVOSSA, einem Medikament, das bereits zur Behandlung von Knorpelschäden in Gelenken zugelassen ist. Das SNP rs11059094 ist eine Variante des Gens DIABLO. Es ist Angriffspunkt von LCL-16, einem Wirkstoff, der derzeit bei Brustkrebs, Leukämie und Multiplem Myelom klinisch geprüft wird.

Ob diese Medikamente auch bei einer Arthrose wirken würden, lässt sich aus den Ergebnissen einer GWAS nicht ableiten. Die Arzneimittelforschung dürfte die eine oder andere Anregung jedoch aufgreifen und erste Labortests durchführen. © rme/aerzteblatt.de

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