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Politik

Sachsen-Anhalt bringt Landarztquote auf den Weg

Dienstag, 22. Januar 2019

/dpa

Magdeburg – Die Landesregierung Sachsen-Anhalt hat eine Landarztquote für Medizinstudienplätze auf den Weg gebracht. Dabei sollen auch Bewerber ohne Einser-Abitur eine Chance haben, wie Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) heute erklärte. Vorgesehen ist, dass fünf Prozent der 400 Studienplätze an den Universitäten in Magdeburg und Halle künftig für angehende Landärzte reserviert sind. Das entspricht jährlich 20 Plätzen.

Neben der Abitur-Note solle vor allem Vorerfahrung im medizinischen Bereich bei der Auswahl zählen, sagte Grimm-Benne. Pluspunkte sammeln demnach zum Beispiel Bewerber, die bereits eine medizinische Ausbildung, etwa zum Rettungssanitäter, absolviert haben. Geprüft werde zudem, ob man soziales Engagement, zum Beispiel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres, anrechnen könne, sagte die Ministerin.

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In Sachsen-Anhalt droht ein massiver Mangel an Hausärzten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung sind schon heute 140 Hausarztsitze nicht besetzt. Bis 2032 werden Prognosen zufolge landesweit 262 Allgemeinmediziner fehlen. Fast jeder sechste Hausarzt ist bereits jetzt älter als 65 Jahre. Ende 2025 wird fast die Hälfte der Mediziner dieses Alter erreicht haben.

Die Auswahl der Studienanfänger übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Die ersten Plätze sollen zum Wintersemester 2020/21 vergeben werden. Die KV entscheidet auch, wo die Absolventen eingesetzt werden sollen. Mindestens zehn Jahre müssen sie nach Abschluss der Facharzt-Ausbildung auf dem Land arbeiten. Verstoßen sie dagegen, drohen laut Grimm-Benne 250.000 Euro Strafe. Bei der Festlegung der Summe habe man sich am Jahreseinkommen einer gut laufenden Praxis orientiert. Zudem seien die Kosten des Landes für die Ausbildung berücksichtigt worden.

Die Kassenärztliche Vereinigung begrüßte die Pläne des Landes. Die Landarztquote sei ein wichtiger Baustein, um die Grundversorgung mit Hausärzten sicherzustellen, teilte die KV mit. Die Quote werde langfristig helfen – eine schnelle Lösung für das Problem sei sie jedoch nicht, denn bis zum fertigen Facharzt brauchen angehende Mediziner elf bis zwölf Jahre. Das Ministerium argumentiert, dass sich auch die Verschärfung der Nachwuchsprobleme noch einige Jahre hinzieht. Zudem sei die Landarztquote nur ein Baustein, um das Problem anzugehen.

Für die Linke im Landtag gehen die Pläne der Regierung nicht weit genug. Statt auf eine Quote zu setzen, sei es besser, die Gesamtzahl der Studienplätze zu erhöhen, erklärte der Abgeordnete Swen Knöchel. Zudem müssten die Arbeitsbedingungen für Landärzte verbessert werden – etwa durch eine Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 23. Januar 2019, 14:46

12 Jahre?

Wohl eher 15! Bei einem Frauenanteil im Medizinstudium von bald 70% mit Bevorzugung von Teilzeitmodellen und der tollen Förderung der Allgemeinmedizinerausbildung an den Kliniken wird da kaum jemand rechtzeitig fertig werden.
Führt doch lieber den klassischen "praktischen Arzt" von früher wieder ein - der war nicht nur für mich damals der rettende Weg aus verkrusteten Klinikhierarchien und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen....
Am 1. Tag einer Kassenarztvertretung kam ich abends nachhause und sagte meiner Frau "ich gehe nie wieder in eine Klinik"... allerdings waren das Zeiten, in denen der Primat der Ökonomie noch nicht herrschte und das "befreiende Gesamthonorar" noch nicht erfunden!
Wenn diese neuen Landärzte fertig sind, wird sie keiner mehr brauchen - da machen Verah und Agnes die hausärztliche Versorgung mit Tablet und KI-Unterstützung besser, als das heute jeder Allgemeinmediziner kann. In London kann man sich heute schon bei einer KI als Hausarzt einschreiben lassen (Babylon Health z.B.)
Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 23. Januar 2019, 14:17

Genialer Ansatz ;-)

20 Ärzte pro Jahr, der erste in 12 Jahren auf dem Markt, werden dann Landarzt. Angenommen, alles kommt genau so, wie mit der Förderung erwartet.

Dann haben wir in 12 Jahren weniger als die Hälfte der Ärzte, die wir heute haben. Die Lücken sind demzufolge überall. Wenn ich in 12 Jahren die Wahl habe, einen Arzt "auf dem Land" mit einem Einzugsbereich von 3.000 Patienten zu plazieren oder ihn in der Stadt, Einzugsbereich 6.000 Patienten, zu plazieren - was werde ich machen? Genau, der EINE Arzt, der in 12 Jahren nachkommt und der auf 3 offene Stellen, einmal Land und zweimal Stadt, trifft, wird dann in der Stadt eingesetzt werden.

Ihn auf dem Land einzusetzen würde bedeuten, dass 6.000 Stadt-Patienten fahren müssten. Ihn in der Stadt einzusetzen würde bedeuten, dass nur noch die Hälfte, nämlich 3.000 Land-Patienten, fahren müsste.

Nur mal so ;-)
LNS

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