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Medizin

Vitamin C verringert Bluthochdruck in Lämmern nach komplizierter Schwangerschaft

Freitag, 25. Januar 2019

/Budimir Jevtic, stockadobecom

Cambridge – Antioxidantien könnten bei Schwangeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Kindes durch Sauerstoffmangel vorbeugen. Nach Versuchen bei Nagetieren haben Forscher aus Cambridge jetzt erstmals auch bei Schafen den positiven Effekt von Vitamin C bei einer fetalen Hypoxie nachgewiesen und in PLOS Biology publiziert (2019; doi: 10.1371/journal.pbio.2006552). Vitamin C käme als Antioxidans beim Menschen wegen seinen nicht belegbaren Nutzens und Nebenwirkungen jedoch eher nicht infrage, schreiben die Autoren.

Um die Mechanismen und mögliche Therapien eines Sauerstoffmangels in der Schwangerschaft zu untersuchen, haben die britischen Forscher eine spezielle Druckkammer entwickelt. In dieser lebten die schwangeren Schafe unter normalem und vermindertem Sauerstoffgehalt in der Luft. Dabei kam es nicht nur beim Fetus, sondern auch bei der Mutter zu einer Hypoxie – ein Nachteil des Studienmodells findet Torsten Plösch von der Universitätsfrauenklinik Groningen, Niederlande.

Sauerstoffunterversorgung eines Ungeborenen, die fetale Hypoxie, ist eine häufige Komplikation bei Schwanger­schaften: Bei bis zu 5 % der Schwangeren in Deutschland versorgt die Plazenta den Fetus nicht ausreichend. Solch ungünstige Bedingungen können beim Kind zu späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Weitere Ursachen für ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen im Erwachsenenalter sind unter anderem: Präeklampsie, maternale Adipositas oder Schwangerschaftsdiabetes. Sie können zur Verminderung des uteroplazentaren Blutflusses und zur intrauterinen Wachstums­restriktion (intrauterine growth restriction, IUGR) führen. Das zugrunde liegende Phänomen wird fetale Programmierung genannt. Epigenetische Mechanismen spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Die Lämmer mit verminderter Sauer­stoffversorgung in der Schwangerschaft hatten ein geringeres Geburtsgewicht und später in ihrer Entwicklung häufiger Bluthochdruck. Bekamen die Muttertiere im letzten Drittel der Schwangerschaft täglich intravenös 200 mg/kg Vitamin C, verminderten sich diese Folgen. Der Nachwuchs hatte nach der Geburt weniger Gefäßschäden und unauf­fälligere Blutdruckwerte. Die Forscher erklären diesen Effekt mit den antioxi­dativen Eigenschaften des Vitamins.

Die neue Studie beschreibt Huige Li von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz als „Meilen­stein auf dem Weg zur Trans­lation“. Denn Schaf und Mensch seien sich in der fetalen Entwicklung und Programmierung ähnlicher als etwa Nagetiere, bei denen die Entwicklung des Herz-Kreislauf-Systems mit der Geburt noch nicht abgeschlossen ist.

Dennoch ist eine direkte Übertragung der Ergebnisse nicht möglich. „Neben den generellen Unterschieden zwischen Spezies bleibt noch zu klären, welches Antioxidans das vielversprechendste ist und in welcher Dosierung“, erläutert der stellvertretende Direktor des Instituts für Pharmakologie in Mainz. Die klinischen Studien mit Vitamin C bei intrauteriner Wachstumsrestriktion und Präeklampsie waren bisher nicht erfolgreich (Lancet 2006, Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2012). In der aktuellen Studie wurde Vitamin C zudem in viel höheren Dosen verwendet, ergänzt Li.

Kindliche Mangelversorgung mit Ultraschall absichern

Die Wirkung von Antioxidantien bei oxidativem Stress infolge einer Hypoxie haben Forscher auch schon bei Organtransplantationen, Infarkten oder beim Rauchen untersucht. „Als Wundermittel haben sich diese dabei in der Regel nicht erwiesen“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe Experimentelle Perinatologie, Plösch, aus den Niederlanden. Bevor Vitamin C und andere Antioxidantien zur Vorbeugung von Schwangerschafthochdruck untersucht werden, sollte eine kindliche Mangelversorgung nachgewiesen sein. Wolfgang E. Paulus, Oberarzt und Leiter der Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie, Universitätsfrauenklinik Ulm, empfiehlt dafür eine Ultraschalluntersuchung. „Die eingeschränkte Durchblutung kann insbesondere durch die Methode der Dopplersonografie nachgewiesen werden. Ansonsten sind Komplikationen durch hohe Dosen von Vitamin C für die Schwangerschaft vorstellbar.“ Hinweise darauf zeigte auch die aktuelle Studie. © gie/aerzteblatt.de

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