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Politik

Experten für Vergütung von Arztgesprächen zur Umstellung auf Biosimilars

Dienstag, 22. Januar 2019

/Andy Dean, stockadobecom

Berlin – Arzneimittelexperten haben die Umstellung von Biologika auf Biosimilars befürwortet und zugleich darauf hingewiesen, dass die damit einhergehende Aufklärung der Patienten sehr zeitaufwendig sei. Diese Zeit müsse den Ärzten vergütet werden, forderten sie.

„Biosimilars unterscheiden sich in ihrer pharmazeutischen Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit nicht von ihrem Referenzarzneimittel“, erklärte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig, heute auf dem Kongress des Bundesverbandes Managed Care (BMC) in Berlin. Deshalb sollten Patienten, die auf ein Biologikum eingestellt sind, auf ein Biosimilar umgestellt werden. Es sei dabei allerdings sehr wichtig, die Patienten ausführlich über die Vorzüge von Biosimilars zu informieren.

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Von einem solchen Informationsgespräch berichtete die niedergelassene Rheumatologin Silke Zinke aus Berlin. Dabei habe sie einem an rheumatoider Arthritis erkrankten Patienten vorgeschlagen, von dem Biologikum Humira mit dem Wirkstoff Adalimumab auf eines der neuen Biosimilars zu wechseln, die seit Oktober 2018 auf dem Markt sind.

„Der Patient war extrem skeptisch“, sagte sie. „Er hatte Angst davor, dass das neue Medikament nicht so gut wirkt und dass er vielleicht wieder Cortison nehmen muss.“ Sie habe ihm in dem Gespräch die medizinischen und wirtschaftlichen Hintergründe erklärt. „Aber das macht man nicht so im Vorbeigehen“, betonte Zinke. „Ich habe dafür 20 Minuten zusätzlich gebraucht.“

„Es ist inakzeptabel, dass die Ärzte für solche wichtigen Gespräche keine Vergütung erhalten“, sagte Ludwig. „Denn hier handelt es sich um Gespräche, die zur Sicherheit der Patienten beitragen.“ Zudem könne ein Wechsel des Arzneimittels nur erzielt werden, wenn die Patienten gut informiert seien. Und ein Wechsel sei richtig, um die Arzneimittelkosten zu senken.

Versorgungsanteil durch Biosimilars steigt auf 28 Prozent  

Adalimumab ist ein monoklonaler Antikörper, der unter anderem zur Behandlung rheumatoider Arthritis eingesetzt wird. Nach 15 Jahren Marktexklusivität lief der Patentschutz für das umsatzstärkste Arzneimittel der Welt im Oktober 2018 aus. Innerhalb kurzer Zeit pendelten sich die Preise für die entsprechenden Biosimilars bei bis zu 40 Prozent geringeren Kosten ein. Acht Wochen nach Ablauf des Patentschutzes liegt der Versorgungsanteil der Adalimumab-Biosimilars heute bei 28 Prozent.

Zuvor habe sie oft Angst gehabt, ihr Budget durch die Verordnung teurer Biologika zu überschreiten und dafür in Regress genommen zu werden, betonte Zilke. Deshalb habe es sie sehr gefreut, dass der Preisunterschied zu den Biosimilars bei Adalimumab so groß sei. Ludwig betonte, dass es weiterhin hohe Einsparpotenziale im Bereich der Biosimilars gebe, die noch nicht gehoben worden seien.

Kritik an geplanter Substitution in der Apotheke 

Sowohl Zilke als auch Ludwig kritisierten, dass im Entwurf des Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) vorgesehen ist, eine Substitution von Biologika durch Biosimilars in der Apotheke zu ermöglichen, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dies erlaubt.

„Eine Substitution durch Apotheker würde massiv in die Behandlung eingreifen“, sagte Zilke. „Wir gehen den Weg mit unseren Patienten gemeinsam. Das können wir nicht mehr, wenn die Apotheke die Arzneimittel austauscht.“ Auch Ludwig wandte sich dagegen, dass Biologika in der Apotheke durch Biosimilars ersetzt werden dürfen. Eine solche Substitution gebe es in fast keinem anderen europäischen Land, betonte er. © fos/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 23. Januar 2019, 14:13

Merkwürdig, hier scheint "mehr Geld für den Arzt" ein probates Mittel zu sein

Ohne "mehr Geld", also eine angemessene Honorierung, erwartet man ein Scheitern der Umstellung von Biologika auf Biosimilars. Mit mehr Geld erwartet man ein Funktionieren.

Ohne "mehr Geld" bekommt man nicht genügend Ärzte. Mit mehr Geld wird es genügend Ärzte geben - oder wie darf man diese Erkenntnis sonst interpretieren?
LNS
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