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Ärzteschaft

Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt vor Verlust von Arztzeit

Mittwoch, 23. Januar 2019

Die KBV-Vorstände Thomas Kriedel, Andreas Gassen und Stephan Hofmeister (v.l.) /Georg J. Lopata

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat erneut dafür geworben, entscheidende Änderungen am aktuellen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vorzunehmen. Speziell vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels erinnerte die KBV daran, dass auch die Arbeitszeit von Ärzten knapper werde.

„Rein rechnerisch verschwinden mit jeder Minute insgesamt 474 Arztminuten“, erklärte Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorsitzender der KBV, heute. Dieser Verlust entstehe, weil immer mehr Ärzte in Anstellung arbeiteten, viele sich eine stärkere Vereinbarkeit von Arztberuf und Familie wünschten und es daher auch im niedergelassenen Bereich viele Teilzeitarbeitsmodelle gebe.

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„Um das aber klarzustellen: Die angestellten Ärztinnen und Ärzte leisten eine medizinisch hervorragende Arbeit, aber ihr zeitliches Wirken ist logischerweise durch Arbeitsverträge auf maximal 40 Stunden begrenzt“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV vor Journalisten in Berlin.

Daher mache der aktuell vorgelegte Gesetzesentwurf „in der derzeitigen Fassung durch massive Eingriffe in Praxisabläufe die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen immer unattraktiver“, erklärte Gassen. Denn das Gesetz betreffe vor allem die selbstständig tätigen Ärzte in eigener Praxis.

2.243.865.898 Minuten Arztzeit verschwinden

Um die Forderung zu untermauern, rechneten die KBV-Vorstände vor, dass bei einer gleichbleibenden Entwicklung der Arztzahlen bis zum Jahr 2025 rund 2.243.865.898 Minuten Arztzeit der Versorgung entgehen – das sind umgerechnet 21.249 sogenannte Vollzeitäquivalente – also Menschen, die etwa 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Die KBV geht davon aus, dass selbstständig tätige Ärzte im Schnitt 52 Stunden pro Woche arbeiten, bei vielen Angestellten gehen sie von Arbeitsverträgen zwischen 38,4 und 40 Stunden aus. Diese Zahlen hat die KBV in einer Art Countdown-Uhr aufbereitet, die pro Sekunde 7,9 Minuten Arztzeit verlieren soll. Die Uhr soll im Original in den Gebäuden der KBV in Berlin aufgebaut sowie online abgebildet werden.

Thomas Kriedel, Mitglied im KBV-Vorstand und dort unter anderem zuständig für Digitalisierung, warnte davor, sich zu viel von digitalen Praxisabläufen zu versprechen. „Eine Arztminute bleibt eine Arztminute, analog wie digital“, sagte Kriedel. Eine Videosprechstunde bringe dem Arzt keine Zeitersparnis und chronisch kranke Menschen müssten ihren Arzt trotzdem weiterhin sehen.

Gassen forderte auf der Pressekonferenz heute erneut das Bundesgesundheits­ministerium auf, den aktuellen TSVG-Vorschlag zu verändern. „Es passt einfach nicht in die Zeit, dass Politik sich mehr in die Praxen einmischt. Ärzte werden mit dem Gesetz in die innere Immigration gehen und nicht laut protestieren.“ Nach seiner Aussage arbeite die KBV gerade daran, Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) neue Vorschläge vorzulegen, wie in einzelnen Regionen die Versorgung verbessert werden kann.

Verschiedene Rezepte nötig

„Man kann nicht die gleichen Rezepte in der Großstadt und auf dem Land anwenden. Es muss einen bundesweiten Rahmen und regionale Spielräume geben“, so Gassen. Er wiederholte auch die Forderung nach einer Entbudgetierung der Grundleistungen. Spahn hatte im Dialog mit Vertretern der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung vergangene Woche angedeutet, dass „man über vieles reden könne“, sofern sich die Versorgung verbessert „und Patienten schnell Termine bekommen.“ Auch mehr regionale Spielräume deutete Spahn dabei an.

Gassen und Hofmeister kritisierten auch den Schwerpunkt des Gesetzes auf die offenen Sprechstunden. „Es ist nicht definiert, was eine Sprechstunde genau ist“, so Hofmeister. Gassen befürchtet, dass für die Überweisung in eine offene Sprechstunde bei Fachärzten der Hausarzt weitere Bürokratie bekommt. „Dann sind für eine offene Sprechstunde zwei Arztkontakte notwendig“, so Gassen. © bee/aerzteblatt.de

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