NewsÄrzteschaftVerwaltungsgericht Hamburg gibt Herzspezialist Kuck Approbation zurück
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Verwaltungsgericht Hamburg gibt Herzspezialist Kuck Approbation zurück

Mittwoch, 23. Januar 2019

Karl Heinz Kuck /dpa

Hamburg – Der renommierte Hamburger Herzspezialist Karl-Heinz Kuck (66) darf weiter als Arzt praktizieren. Das Verwaltungsgericht der Hansestadt gab heute einer Klage des vorbestraften Medizinprofessors (Az.: 17 K 4618/18) gegen die Gesundheitsbehörde statt, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Nach Auffassung des Verwaltungsgerichts begründet das Kuck zur Last gelegte und vom Strafgericht geahndete Verhalten nicht seine Berufsunwürdigkeit, was Voraussetzung des Widerrufs gewesen wäre. Daher bestehe im Ergebnis kein Grund, an der ärztlichen Integrität des Klägers zu zweifeln.

Anzeige

Zwar hat sich Kuck nach Auffassung der Richter eines nicht unerheblichen Fehlverhaltens schuldig gemacht. Das Verhalten sei – so das Gericht in der mündlichen Urteilsbegründung – aber weder von Gewinnstreben noch ärztlicher Gewissenlosigkeit geprägt gewesen. Die fehlerhaften Abrechnungen hätten zudem Routineaufgaben betroffen, die schon im Ausgangspunkt von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg nicht dem Kläger als Chefarzt zur persönlichen Erledigung hätten übertragen werden sollen.

Der Gesundheitssenat in Hamburg zeigte sich überrascht. „Das Gericht hat durch sein Urteil das System der persönlichen Ermächtigung von Krankhausärzten zur ambulanten Versorgung und die damit verbundenen Vorgaben zur ausschließlich persönlichen Behandlung durch den ermächtigten Arzt, wie sie von der Selbstverwaltung aus Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenassen festgelegt wurden, infrage gestellt“, hieß es von der Gesundheitsbehörde. Daraus folgere das Gericht, dass ein Verstoß gegen diese Regelung keine negativen Folgen für die Approbation des Arztes haben könne.

„Da hier rechtliches Neuland betreten wird, ist die schriftliche Urteilsbegründung des Gerichts abzuwarten, um sorgfältig zu prüfen, ob das Urteil eine Präzedenzwirkung haben kann und deshalb gegebenenfalls weitere Schritte eingeleitet werden müssen“, erklärte die Gesundheitsbehörde weiter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann Berufung beim Hamburgischen Oberverwaltungsgericht einlegt werden.

Wegen Abrechnungsbetrugs in 15 Fällen war Kuck am 12. April 2016 per Strafbefehl zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung und 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Die Gesundheitsbehörde hatte ihm daraufhin die Approbation entzogen. Er habe sich zur Ausübung des Arztberufs als unwürdig erwiesen, hieß es.

Gegen die Entscheidung vom Februar 2018 hatte Kuck zunächst Widerspruch eingelegt und dann Klage eingereicht. Die Ärztekammer Hamburg hatte zwar ein berufsrechtliches Verfahren gegen Kuck eingeleitet, von einer Sanktionierung aber abgesehen. © dpa/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Februar 2019
Erfurt/Düsseldorf – Nach Scheidung und zweiter Hochzeit die fristlose Kündigung – so erging es dem Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf. Der Grund: Die zweite, standesamtlich
Grundsatzurteil zum Kirchenrecht erwartet
18. Februar 2019
Celle – Eine Patientin mit gerissenem Brustimplantat muss sich an den Kosten der notwendigen Nachbehandlung beteiligen. Das hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen im Fall einer 46-Jährigen
Patientin muss sich an Kosten für kaputtes Brustimplantat beteiligen
14. Februar 2019
Dresden – Die gesetzliche Kranken- und Pflegekassen in Sachsen wollen künftig gemeinsam gegen Abrechnungsbetrug vorgehen. Das gehe aus einer jetzt geschlossenen schriftliche Vereinbarung hervor,
Sachsen: Krankenkassen wollen gemeinsam gegen Abrechnungsbetrug kämpfen
14. Februar 2019
Augsburg – Weil sie sich mit Spenden für krebskranke Kinder ein luxuriöses Leben gegönnt haben, sind zwei Vereinsvorstände vom Amtsgericht Augsburg zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Die
Bewährungsstrafen für Veruntreuung von Spenden für krebskranke Kinder
11. Februar 2019
Oldenburg – Als Reaktion auf Vorwürfe des Meineids gegen vier Zeugen im Prozess um Niels H. hat das Klinikum Oldenburg zwei beschuldigte Mitarbeiter freigestellt. Bis zum Abschluss des
Prozess um Niels H.: Klinik suspendiert beschuldigte Mitarbeiter
8. Februar 2019
Ingolstadt – Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Justiz die Strafverfahren um Vetternwirtschaft am Klinikum Ingolstadt abgeschlossen. Wie die Staatsanwaltschaft gestern berichtete, haben fünf der 16
Justiz schließt Strafverfahren um Korruption beim Klinikum Ingolstadt ab
7. Februar 2019
Oldenburg – Im Zusammenhang mit dem Prozess gegen den des hundertfachen Mordes beschuldigten ehemaligen Krankenpfleger Niels H. ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen vier Mitarbeiter eines
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER