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Medizin

Onkolytisches Virus zeigt (begrenzte) Wirkung beim Retinoblastom

Freitag, 25. Januar 2019

Retinoblastom /designua, stockadobecom

Barcelona – Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein onkolytisches Virus bei einem Augentumor am Menschen klinisch getestet. Die Behandlung von 2 Säuglingen mit einem Retinoblastom erwies sich laut ihrem Bericht in Science Translational Medicine (2019; doi: 10.1126/scitranslmed.aat9321) als sicher. Die Wirksamkeit war allerdings begrenzt.

Dass Viren Tumorzellen angreifen und zerstören können, ist seit Längerem bekannt. Es gelang jedoch lange nicht, daraus eine effektive „Virotherapie“ zu entwickeln. Dies hat sich in den letzten Jahren durch genauere Kenntnisse über die Wirkungsweise der onkolytischen Viren geändert. Die Gentechnik ermöglicht zudem, die Viren auf den Angriff von Tumorzellen zu spezialisieren. Dies ist wichtig, wenn Krebszellen und gesunde Zellen eng benachbart sind und die gesunden Zellen erhalten werden müssen.

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Diese Situation liegt beim Retinoblastom vor, einem malignen Tumor der Netzhaut, der bei Kindern in den ersten Lebensjahren auftritt. Der Tumor kann in der Regel nicht operativ entfernt werden. Die Behandlung erfolgt bisher durch eine Chemotherapie, die jedoch häufig erfolglos bleibt. Onkolytische Viren könnten eine attraktive Alternative sein, da die Viren über eine intravitreale Injektion in die Nähe des Tumors appliziert werden können. Die Wirkung kann zudem direkt beobachtet werden, und das Risiko von Komplikationen ist wegen der räumlichen Abgrenzung des Augapfels gegenüber dem übrigen Körper gering. 

Das Retinoblastom liefert zudem einen günstigen Angriffspunkt für die Konstruktion onkolytischer Viren, weil die Pathogenese gut erforscht ist. Der Ausfall des Tumorsuppressors RB1 führt zu einer vermehrten Aktivität des sogenannten E2F-1-Promoters. Dieser ist für die vermehrte Produktion des gleichnamigen Transpkriptions­faktors zuständig, der das Krebswachstum vorantreibt. Der E2F-1-Promoter kann jedoch auch die Replikation von onkolytischen Adenoviren fördern, die spanische Genforscher zu diesem Zweck umprogrammiert haben. 

Nachdem die Forscher die Behandlung zunächst im Zellversuch und später an Mäusen und Kaninchen getestet haben, wurden in einer Phase-1-Studie die ersten beiden Patienten behandelt. Bei den beiden 2-jährigen Mädchen waren zuvor mehrere Therapien gescheitert. Bei einem Mädchen musste bereits ein Auge entfernt werden. Jetzt war das zweite Auge erkrankt.

Beide Patientinnen erhielten im Abstand von 2 Wochen intravitreale Injektionen des genmodifizierten Adenovirus VCN-01. Wie ein Team um Angel Carcaboso vom Hospital Sant Joan de Deu, Barcelona, berichtet, kam es bei beiden Patientinnen nach der Injektion zu einer entzündlichen Reaktion im Auge. Diese Vitritis machte bei einem Mädchen eine Enukleation erforderlich. Dieses Mädchen hat noch ein gesundes Auge. Bei dem anderen Mädchen, das bereits das andere Auge verloren hatte, gelang es mit systemischen und lokalen Steroiden, die Entzündungsreaktion zu stoppen. Als die Augenärzte den Augenhintergrund wieder beobachten konnten, hatten sich die Tumore nach der ersten Injektion teilweise zurückgebildet. Nach der zweiten Injektion kam es jedoch zu keiner weiteren Verbesserung. 

Die Therapie kann deshalb noch nicht als erfolgreich bezeichnet werden. Die Untersuchung des nach der Behandlung entfernten Auges zeigte jedoch, dass die Viren die Tumorzellen angegriffen hatten. Gleichzeitig wurden die gesunden Netzhautzellen verschont. Die Viren waren zudem nicht in den Kreislauf gelangt und systemische Reaktionen auf die Behandlung blieben aus. Die Forscher wollen deshalb die Phase-1-Studie fortsetzen. An der Studie sollen insgesamt 13 Patienten teilnehmen. © rme/aerzteblatt.de

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