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Medizin

China klont erstmals mehrere genveränderte Affen

Donnerstag, 24. Januar 2019

Die vom Institut für Neurowissenschaften der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai zur Verfügung gestellte, undatierte Aufnahme zeigt 5 geklonte Affen mit Störungen des zirkadischen Rhythmus. /dpa

Shanghai – Nach der Premiere im Jahr 2017 wurden in China jetzt erneut Affen mithilfe eines Kerntransfers aus einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle geklont. Erstmals sollen dabei gleich 5 geklonte Affen mit einem absichtlich hervorgerufenen Gendefekt auf die Welt gekommen sein. Die Forscher wollen mit den genetisch identischen Versuchtieren Biorhythmusstörungen untersuchen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Hinweis auf 2 Artikel im chinesischen Wissenschaftsmagazin National Science Review schreibt (2019; doi: 10.1093/nsr/nwz003 und 10.1093/nsr/nwz002).

Die 5 Makaken (Macaca fascicularis) seien kürzlich im Institut für Neurowissenschaften der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai geboren worden, schrieb Xinhua.

Die genetisch identischen Tiere wurden mit einem somatischen Zellkerntransfer (SCNT) gezeugt und sollen als nichtmenschliche Primatenmodelle menschlicher Krankheiten dienen. Zur Erforschung von Biorhythmusstörungen hatte das Autorenteam um Zhen Liu mit der Genschere CRISPR/Cas9 den zirkadianen Transkriptionsfaktor BMAL1 zuvor eliminiert. Von 325 SCNT-Embryonen, die sie in 65 Leihmütter eingesetzt hatten, kamen 5 Makakenaffen mit BMAL1-Mutationen in beiden Allelen zur Welt.

Ein SCNT wurde auch schon 2017 eingesetzt, als die ersten Javaneraffen Zhong Zhong und Hua Hua geklont wurden, rund 22 Jahre nach der Geburt des Klonschafs Dolly. Obwohl diese Technik bei mehr als 20 Tierarten wie Kühen, Schweinen und Hunden gelungen war, waren Forscher bis dahin an Affen gescheitert.

Somatischer Zellkerntransfer: Sorge um humane Klone wächst

Der technische Erfolg der ersten Affenklone trat schnell in den Hintergrund. Ethische Bedenken überwiegen. Selbst Forscher aus China fordern strengere Regeln, um Missbrauch zu verhindern. Nach vielen Fehlschlägen ist es Forschern in China zum ersten Mal gelungen, zwei nichthumane Primaten zu klonen. Zwanzig Jahre nach Klonschaf Dolly führte erneut ein Kerntransfer (...)

Während damals die Fibroblasten von einem abgetriebenen Fötus benutzt worden seien, hätten die Forscher jetzt einen genveränderten männlichen Affen genommen. „Es zeigt, dass außer einem Fötus auch ein geneditierter männlicher Affe für gebündeltes Klonen eingesetzt werden kann“, sagte der Autor Qiang Sun vom Center for Excellence in Brain Science and Intelligence Technology. Der Schritt zeige, dass Chinas Klonprogramm heranreife. Der Direktor des Instituts, Muming Poo, sagte, dass sich die Forschung auf Modelle geklonter Affen mit verschiedenen Hirnkrankheiten konzentrieren werde. Mit ihnen solle auch die Wirksamkeit von Medikamenten getestet werden.

Eckhard Wolf vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München nannte das Forschungsergebnis eine „große logistische Leistung“. Wenn ethisch und wissenschaftlich belegt sei, dass so ein Experiment notwendig ist, halte er es nicht für verwerflich. Nachdem chinesische Wissenschaftler wegen ihrer Gen- und Klon­experimente in die Kritik geraten waren, hob die Staatsagentur hervor, dass das Forschungsprogramm vom Ethikkomitee des Instituts „in Übereinstimmung mit internationalen Standards für Tierforschung“ überwacht worden sei.

Die Veröffent­lichung folgt auf den Skandal um einen chinesischen Forscher, der im November die weltweit erste Geburt genmanipulierter Babys verkündet hatte. In einem Unter­suchungs­bericht der Regierung hieß es am Montag, der Forscher He Jiankui habe illegal gehandelt. © gie/dpa/aerzteblatt.de

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