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Politik

Aufruf zu mehr Kreativität bei Arbeitsgestaltung in der Pflege

Donnerstag, 24. Januar 2019

/dpa

Berlin – Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege hat der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, die Arbeitgeber zu kreativen und unkonventionellen Lösungen ermutigt. Da sich laut einer Studie die Hälfte der rund 200.000 Pflegekräfte, die aus ihrem Job ausgestiegen sind, eine Rückkehr vorstellen können, müssten sich die Rahmenbedingungen verbessern, sagte Westerfellhaus heute in Berlin.

Bessere Arbeitsbedingungen seien ein wichtiger Schlüssel, um junge Menschen in der Pflege zu halten oder auch Aussteiger zur Rückkehr zu bewegen. „Deshalb müssen wir alle Hebel in Bewegung setzen, um moderne, familienfreundliche, attraktive Arbeits­bedingungen für Pflegekräfte zu schaffen.“ Einzelne Projekte aus der Konzer­tier­ten Aktion Pflege, die der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter zusammen mit den Ministerien für Arbeit und Familie auf den Weg gebracht hat, werden ihre Wirkung erst mit der Zeit entfalten. Erste Ergebnisse sollen am kommenden Montag in Berlin vorgestellt werden.

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Mann muss auch neue Ideen zulassen Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter

Westerfellhaus warb auch um Geduld und gleichzeitiger Aktivität der Arbeitgeber. „Man muss neue Ideen auch zulassen.“ Er regte etwa Prämien für Berufsrückkehrer und Teilzeitaufstocker sowie innovative Arbeitszeitmodelle an – wie 80 Prozent arbeiten bei vollem Lohnausgleich – und Zuschläge außerhalb der Pflege­vergütung für Arbeitgeber, die gute Arbeitsbedingungen bieten. Er sprach sich ferner für eine bessere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe und den Abbau von Büro­kratie durch Digitalisierung aus.

„Wenn es klemmt, wird der Gesetzgeber nachhelfen und den Weg ebnen“, so Westerfellhaus. Auch beim Thema Pflegepersonal­unter­grenzen, die seit Anfang des Jahres in Kraft sind, warnte er die Arbeitgeber, jetzt schon alles schlecht zu reden. „Wir haben gerade 24 Tage, an denen die Regelung in Kraft ist. Jetzt schon zu sagen, das funktioniert nicht, geht nicht. Dann muss die Frage erlaubt sein, was die Kliniken denn bislang gemacht haben.“

Einige positive Beispiele für viel Kreativität sowie Attraktivität hatte der Bevoll­mächtigte auch mit dabei: So forderte die Oberin der DRK-Schwesternschaft Berlin, Doreen Fuhr, ein Umdenken bei Arbeitgebern. „Es liegt jetzt bei den Arbeitgebern, die Pflege zu stärken. Politik kann da nur einen Rahmen geben. Die Pflege demokratisiert sich und emanzipiert sich“, so Fuhr.

Bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes müsse auch jungen Pflegenden mehr Raum gegeben werden, um Vorschläge für den Arbeitsalltag umzusetzen. Bei den drei DRK-Kliniken in Berlin habe man mit der „Kreativwerkstatt Pflege“ es geschafft, junge Pflegekräfte einzubinden. Einer der Gründer, Alexander Warnke, berichtete von mehr „Spielräumen für eigenverantwortliches Handeln“, aber auch Schwierigkeiten beim Start von neuen Konzepten. „Das hat Mut gefordert, Neues bei der Klinikleitung einzufordern“, berichtet Warnke. In der Kreativwerkstatt werden nun Projekte entwickelt, die Netzwerke innerhalb des Unternehmens fördern sollen.

Flexibles Arbeitszeitmodell in Neuss

Auch in den Lukaskliniken in Neuss gibt es ein beispielhaftes Projekt, wie Pflegekräfte zurückgewonnen werden können: Seit zwei Jahren wird dort mit einem „Flexipool“ gearbeitet, in dem alle Pflegekräfte versammelt sind, die unterschiedliche Bedürfnisse bei der Arbeitszeitgestaltung haben. Dabei geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch persönliche Wünsche wie weniger Nachtdienste oder der spätere Beginn der Arbeitszeiten.

Momentan seien hier 50 Pflegekräfte, die flexibel auf unterschiedliche Stationen eingesetzt werden können. Dafür gab es zum Teil Umschulungen oder ähnliche Fortbildungen. Für die Mitarbeiter ist aber in einem verlässlichen Dienstplan geregelt, wann sie arbeiten, der Dienstplan stehe drei Monate vorher fest. Auch wenn die Einführung des Konzeptes einiges Geld gekostet hat, sei dies günstiger, als Leasing-Pflegekräfte temporär einzustellen: Dafür habe das Klinikum bislang jährlich bis zu 1,2 Millionen Euro bezahlt, berichtete Pflegedirektorin Andrea Albrecht. © bee/kna/aerzteblatt.de

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