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Ausland

Vereinte Nationen prangern Vernachlässigung von Kindern mit Lepra an

Freitag, 25. Januar 2019

/dpa

Genf – Die Vereinten Nationen haben mangelnden Schutz und soziale Ächtung von Lepra betroffener Kinder angeprangert. „Lepra kann leicht geheilt werden, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Andernfalls kann es zu irreversiblen Schäden an Nerven, Gliedmaßen und Augen kommen“, sagte UN-Menschenrechtsexpertin Alice Cruz heute in Genf anlässlich des Weltlepratags am kommenden Sonntag.

Kinder seien am anfälligsten für die vernachlässigte Krankheit. Neben körperlichen Beeinträchtigungen hätten sie jedoch auch mit sozialer Stigmatisierung zu kämpfen, so die UN-Sonderberichterstatterin zur Beseitigung der Diskriminierung von Leprakranken und ihrer Familien.

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Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) verzeichnete für 2017 demnach 210.671 Fälle von Lepra. Betroffen seien hauptsächlich Indien mit allein 126.000 Neuerkrankungen, des weiteren Brasilien, Indonesien, Bangladesch, Kongo, Äthiopien, Madagaskar, Mosambik, Myanmar, Nepal, Nigeria und die Philippinen.

„Von Lepra betroffene Kinder bleiben unsichtbar, viele Fälle unentdeckt“, kritisierte Cruz. Die Daten zu Leprabeschwerden seien „beschämend hoch, was darauf schließen lässt, dass die Gesundheitssysteme die Lepra nicht unter Kontrolle haben und Kinder vor der Krankheit schützen können“, so die Juraprofessorin. Zudem gebe es in mehr als 50 Ländern weltweit archaische Gesetze, durch die Leprakranken vielfach der Zugang zu medizinischer Behandlung verwehrt werde.

Die UN-Expertin begrüßte die jüngste Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Indiens, die soziale Eingliederung von Leprakranken zu fördern. Doch lägen den Vereinten Nationen Berichte aus vielen Ländern über staatlich institutionalisierte Diskriminie­rung betroffener Kinder vor, insbesondere im Bildungsbereich. „Viele Kinder sind gezwungen, die Schule abzubrechen und werden von Gleichaltrigen und der Gesellschaft abgelehnt“, sagte Cruz.

„Es ist beschämend und inakzeptabel, dass wir unsere Kinder im Stich lassen“, kritisierte Cruz. „Staaten haben die Pflicht, Kinder vor Lepra und vor struktureller Gewalt zu schützen, die sich negativ auf ihr gesamtes Leben auswirkt.“ © kna/aerzteblatt.de

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